Band 
Sechster Band. K bis L.
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KunerSdorf (Schlacht bei)

auf die Vertheidigung gewiesen. Beobachtend stand er an der Grenze Oberschle-siens , ohne der gewaltigen kaiserlichen Macht mit Erfolg beikommen zu können.Wahrend dem drängten 10,000 Raffen immer unaufhaltsamer an der Warkheheran gegen die Oder. Ihr Anführer, Soltikoff, zeigte mehr Gewandtheit alsdie preuß. Feldherren; denn weder der bedächtige Dohna noch Wedel , den der.Ho-nig mit dilatorischer Vollmacht gesendet hatte, verstanden sich kräftig der Gefahrentgegenzustemmen. Ein ungeschicktes Gefecht zwischen Aüllichau und K rosse»(beim Palziger Hammer oder bei Kai) am 23. Juli enkmukhigre die preuß. Kriegervollends, sie gingen über die Oder zurück; die Russen besetzten Frankfurt , wohingleichzeitig schon die Generale Laudon und Haddik mit 38,WO Ostreichen! durchdie Lauschen zogen.— Jetzt durfte der König keine Zeit mehr verlieren, wollreer seine Erbstaaten befreien. Er mußte die große östr. Armee unter Dann, obwolsie sich ebenfalls regte, durch ein Corps unter Prinz Heinrich festhalten lassen,mußte alle ihm noch zur Verwendung mögliche Streitmiktel zusammennehmen undselbst der Oder zueilen. Er that es mit gewohnter Schnellkraft, konnte aber Lau-don'S Verbindung mit Soltikoff nicht mehr abwenden; Beide, 60,000 M. stark,standen bereits zum Kampfe gerüstet auf dein rechten Ufer der Oder bei Frankfurt .Der König, der sich von Müllrose her näherte, marschirte am linken Ufer hin undsetzte nördlich der Stadt über den Strom. Die Verbündeten, dieses Umgehen be-merkend, veränderten mittlerweile ihre Front, sodaß ihnen Frankfurt und die Oderim Rücken blieben. Ihre Stellung auf den Anhöhen (Juden - und Mühlberge),die sich wie ein natürlicher Damm zwischen der Odcrniederung und dem weiter»östlichen Lande bis KunerSdorf hinziehen, war theils durch Verschanzungen, theilsdurch Verhaue und durch vieles Geschütz verwahrt, hatte jedoch große Mängel;allein das Terrain bei KunerSdorf ist schwierig, und der König kannte es bei weitemnicht gehörig. Bloße Ansteht aus der Ferne reichte nicht hin. Gleichwol bewegteer seine ganze Kraft in fast senkrechter Richtung gegen den russischen linken Flügelund hatte nicht? Geringeres im Sinn als seine Feinte gänzlich hier zu vertilgen.Und wirklich waren die ersten Erfolge der preuß. Tapferkeit glänzend. GeneralFink temonstrirte mir seinem Corps aus dem äußersten rechten Flügel und bedrohtedie Russen im Rücken, während der König durch Grenadiere des rechten Flügelsdie Verschanzungen erstürmen ließ, welche den russischen linken Flügel deckten;das Centrum und der linke Flügel der Preußen, wo sich Scvdlitz mit der Reiterei be-fand, sollte»verhältnißmäßig gegen die feindliche Stellung hin drucken, der Gene-ral Wunsch endlich mittlerweile Fankfurt nehmen. Ein militairischer Blick aufdie Ortlichkeit (wir verweisen auf Tempelkofts „Geschichte des siebenjähr. Kriegs",8.Bd., und auf Retzow'S „Charakteristik der wichtigsten Ereignisse des stebenjähr.Kriegs", 2. Th.) läßt allerdings die Folge einer Niederlage für die Russen erken-nen. Schon war ihr linker Flügel überwältigt und in Verwirrung gegen ihrCentrum gedrückt, eine Menge Geschütz erobert, ihre Stellung erschüttert; einezweckmäßige Entwickelung ihrer Streitkrafte erstattete die geringe Tiefe ihrer Stel-lung ohnehin nicht. Aber im Begriff, die errungenen Vortheile zur Entschei-dung zu fuhren, stießen die Preußen auf nicht zu überwindende, entweder nicht er-wartete oder nicht genug gewürdigte Terrainhinternisse. Fink ward dadurch nnweitem Vordringen um so leichter vom Feinde aufgehalten; alle Anstrengungendes KdnigS mit dem rechten Flügel scheiterten an einem, wenn auch nicht tiefen,doch steilen Grunde, und nur langsam und mühvoll konnte sein linker Flügel zwi-schen Seen steh hindurchwinden. Allenthalben stockte und schwankte eS in denpreußischen Bewegungen; um so verheerender wirkte das russische Geschütz, und dieFeinde hatte» Zeit, sich wieder zu ordnen und immer neue Massen ins Gefecht zubringen. Besonders war Laudon, anfangs im Rückhalte lauernd und mit kundi-gem Scharfblick die Lage und den Hergang der Dinge verfolgend, m dem rechten