344 Kunsireisen
darf zu seiner Ausbildung unter den bisher genannten Künstlern des Reisten?'ammeisten, tind der Erwerb auf Reise» durch seine Kunst kann (der Portraitist machtbi.u' nur wenig Ausnahme) nur zufällig oder untergeordneter Zweck sein. Diesesist der Eirund, warum g>'oßtentheils die Kunstrelse» in neuerer Zeit nach Ita-lien gemacht worden sind, wo d-e neuere Kunst sich zuerst über der alten, um-geben von einer südlich romantischen Natur, üppig blühend erhob. Hier reistder Archäolog und Kunstfreund, hier der Architekt und Bildhauer, welche dieschonen Denkmäler der alten, der GeschichtSnialer, der die Heiligthümer derneuern Kunst, und der Landschaftsmaler, der dort die Natur in ihren größtenund anmuthigsten Schauplatzen, umgeben von der frischanregenden Wirklichkeit,zu schauen begehrt. In Hinstcht der Musik jedoch '.'erhalt es sich beinahe um-gekehrt. Denn obgleich Italien auch das Land des Gesangs und der Melodieist, so leben und reisen koch mehr italienische Virtuosen in Deutschland und in an-st"'" ^Andern, als umgekehrt; der bildende Künstler aber würde Italien noch be-^ , und wenn es auch ein dreifach reicheres Museum außer diesem Lande gäbe,
als das Museum in Paris — war. Die sogen, ausübenden Künstler (Mu-siker und Schauspieler vorzüglich) bedürfen endlich der Reisen noch aus besondern(Gründen, Der ausübende Künstler bleibt auf einer sehr beschränkten Stufe derKunstoildung stehen, wen» er nur sein Publieum kennt und an den Künstlerkreis,in welchem er steht, gefesselt bleibt. Der Geschmack eines einzigen PublicuniS,z, B. in einer Provmzialstadt, ist sehr einseitig und steht oft sehr niedrig, je nachden Ständen und Classen, welche an einem solchen Orte den herrschenden Ton an-geben. Auch der schlechte Schauspieler wird von einem solchen Publieum zuletzt er-tragen, der mittelmäßige, da man nichts Höheres gesehen hat, mit allen seinenManieren heimisch geworden, von ihm weit über seinen Werth geschätzt, ja oft ver-göttert; und hat der talentvolle keine guten Vorbilder neben sich, so rostet das-L.ale.nt in trauriger Verwöhnung und einseitigem Mechanismus allmälig ein.Kunstrcssen prüfen daher den Künstler, können ihn aufmerksam aus sich selbst undseine Verwöhnungen machen; sie erhalten die Kuustlersrecheit, wo Kritik ihm da-heim mangelt, denn sie zeigen ihm seine Kunst in größerer Maimigsaltigkeit, als siegewöhnlich sein Auge wahrnimmt, sie schützen vor Einseitigkeit. Die eigentlichenKunstreisen dieser Art aber setze» ein vielseitig gebildetes Land voraus, wo eine großeHauptstadt, oder, wie in den »leisten Ländern Europas , eine reiche Bildung durchmehre Haupt- und Provinzialstakte Vertheilt ist, deren Einwirkung sich auch dieKünste erfreuen. Aber es ist auch noch ein Grund vorhanden, warum dem aus-übenden Künstler vorzüglich das Reise» nahe liegt. Jeder der vorhergenanntenKünstler stellt oder sendet sein Werk in die weite, offene Welt, das noch langenach des Meisters Tode gesehen uno erkannt, i» den entferntesten Ländern tas An-denken desselben erneuert. In der ausübenden Kunst ist dagegen das Werk mitdem Schöpfer dahin, es lebt und stirbt mit seinem Meister. Aber die Kunst ver-langt Anerkennung, und sie kann sich nur nach allen Seiten erweitern, je mehr dasVortreffliche allseitig anerkannt wird. Darum verlangt auch ein bedeutenderKünstler mit Recht nach Anerkennung über seinen täglichen (Aufenthalt hinaus.Dieser edle Trieb wird freilich bei gemeinem Sinn zu niedriger Gefallsucht, anwelche sich das Streben nach leidigem Erwerb anschließt. Was einerseits derKünstler, 'deck mir einem frischen, empfänglichen Gemüth und mit steter Rücksichtauf die ihn beseelende Kunst reiset, durch Mannigfaltigkeit der Anschauung unddurch,Wnregung des Lebens, mittelst der abwechselnden fformen desselben, und wasandrerseits da? in verschiedenen Städten zerstreute Publicum der Kunstliebhaberdiftch Reiten großer Künstler, die selten eine Hennath festhält, an Ausbildung undErweiterung des Geschmacks zu gewinnen vermag, laßt sich nicht schätze», und die«Kjjnstreise,! eines Iffland, einer Bethmann, wie eine? Rode, Spdhr, Hermstadt