Band 
Sechster Band. K bis L.
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366
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366 Kurland (Anna Charlotte Dorothea , Herzogin von)

teufet, genannt Späge. Aus dieser Ehe lebt nach ein Bruder der Herzogin, derGras Johann Friedrich von Medem in Kurland . Aus der eigen Ehe ihresVaters hatte sie eine Schwester, die edle Elise von der Recke , welche ihr vonKindheit an dis zum Tod als treue Freundin zur Seite stand. Dorothea warkaum drei Jahr alt, als ihre Mutter starb, und die dritte Gemahlin ihres Pa-ters, Elis. von der Recke, geb. von Brucken, genannt Fock, eine Frau vonausgezeichnetem Verstände (die 1784 starb), ihre Erzieherin wurde. Das herz-liche Gefühl, welches in dem väterlichen Wobnsitze Altauz die Geschwister indem Umgänge mit der Natur, mit geistvollen Schriften, wie Klopstock's Oden ,mit Musik und Gesang, bei einem trefflichen Religionsunterrichte, durch ge-gegenseitige Liebe verband und veredelte, entwich nie aus dem Gemüthe der Her-zogin, so lange sie lebte. Mit diesem kindlichen Naturgefühle wählte sie selbstihr Grab in dem schönen Birkenhaine von Löbichau . Man lese das „Lebendes Grafen Johann Friedrich von Medem, nebst seinem Briefwechsel mit derFrau von der Recke u. A.", herausgeg. von Dlessig (Strasburg 1792, 2 Thle.).— 18 Jahr alt, wurde die Gräfin Dorothea am 6. Nov. 1779 die (dritte)Gemahlin des Herzogs Peter von Kurland, Reichsgrafen von Biron . Dadieser Fürst, mit starrer Unbiegsamkeit sein Herrscherrecht gegen die Ansprüchedes bevorrechteten Adels behauptend, die Klagen der Stände in Warschau durch Gegenklagen bekämpfte, so hatte die Alles sanft und klug vermittelndeHerzogin öfter Gelegenheit, zur Aussöhnung der Parteien viel beizutragen.Zugleich erheiterte die junge Fürstin durch den Frohsinn, der sie selbst durch ihreignes Leben begleitete, und durch ihr musikalisches Talent die durch Aliis,Helligkei-ten oller Art getrübten Tage ihres Gemahls. 1784 reiste der Herzog mit ihr überBerlin , in dessen Nähe ihm das schöne Friedrichsselde gehörte, das er mit seinerGemahlin zu Zeilen bewohnte, nach Italien . Überall empfing sie die Huldigungder Liebe und der Bewunderung. Ein Tagebuch, das sie, von ihrer Schwesterdazu veranlaßt, auf dieser Reise hielt und späterhin fortsetzte, trug zu ihrer gei-stigen Ausbildung nicht wenig bei. Als auf der Rückreise der Herzog ihre Entbin-dung in Deutschland abzuwarten und daselbst länger zu verweilen entschlossenwar, gab sie den Bitten der damit unzufriedenen Stände nach, und trat, im sie-benten Monate ihrer Schwangerschaft, im Der. die Reise von 1ö0 Meilen ohneihren Gemahl an, um das edle Werk der Sühne nicht zu hindern. Am 23.Febr.1787 gebar sie in Mitau einen Erbprinzen. Der Wunsch der Landschaft und derobersten Verwaltungsbehörde war jetzt, sie möchte gemeinschaftlich mit den Ober-räthen als Dormünderin die Regierung übernehmen; allein sie bewog den Herzogzur schleunigen Rückkehr im Frühling 1788. ') Dessenungeachtet konnten dieAwistigkeiten nicht beigelegt werden, und der Tod des Erbprinzen, im Mär;1790, zerstörte die theuersten Hoffnungen der edel» Herzogin. Im Herbstedieses Jahres reiste sie mit ihrer Schwester nach Warschau , wo die Streitig-keiten des Herzogs mit den Ständen verbandest wurden. Es gelang ihr aber erstbei ihrer zweiten und dritten Anwesenheit, 1791 und 1792, eine Entscheidungder kurländischen Angelegenheiten zur scheinbaren Zufriedenstellung des Herzogsund des Landes zu erlangen. (Der polnische Rechtsspruch wurde durch die spätereAuflösung der Republik Polen vernichtet.) 1793 hatte der Herzog s. hochschwan-gere Gemahlin bestimmt, nach Berlin zu reisen, wo sie ihn erwarten sollte. End-lich begab er sich mit den Prinzessinnen 1795» auch nach Deutsckland, und lebteseitdem bald aus seiner Allodialherrschast Nachod i» Böhmen , bald auf seinem vonihm 1786 erkauften Herzogthum Sagan in Schlesien . Er starb den 12. Jan.1800zuGollenau (inSchlesien, univeit Nachod), wohin die Herzegin von Sagan

*) S. des Ministers v. Thümmel „Histor. Veite, zur Kenntniß des Fürst. Alten-burg" (1818), im 3. Absei)»., S. 3 sg.