Kurlond (Anna Charlotte Dorothea, Herzogin von) 361
her zu ihm geeilt war. Die Herzogin wurde nun die Vormünder,» ihrer 4 Töch-ter: Kalkarme Wilbelmine, geb. den 8. Febr. 1781, Majoratsinhaberin, Her-zogin zu Sage», und Frau ft-achod, vermählt 1819 mit Karl Rudolf, Grasenvon der Schulenburg, aus dem Hause Burgfcheidungen; Pauline, geb. den 19.Febr. 1782, vermählt 1800 mit Friedrich, regierendem Fürsten v. Hohenzollern-Hechingen ; Johanna, geb. d. 24. Juni 1783, vermählt 1801 mit Franz, Für.sten Pignatelsi de Belmonti, Herzog von Acercnza; Dorothea, geb. in Berlin der,21. Aug. 1793, vermäblt 1809 mit Edmund Talleyrand-Perigord, Herzog vonDino. In der Mitte ihrer schönen und geistreichen Töchter, deren ältere Schwe-ster sie zu'sein schien, lebte die Herzogin theils auf der von ihr 1796 erkauften Herr-schaft Löbichau im Altenburgischen, wo sie ihren reizenden «ommersih zu einemTempel des Geschmacks und der Gastfreundschaft umwandelte, theils in Berlin .1806 machte sie zum Besten ihrer Kinder eine Reise nach Petersburg , und bliebdarauf bis zum Frieden von Tilsit in Mitau . Ihr jährl. Einkommen bestes sichauf 105.000 Thlr., indem ihr Paul I. als Entschädigung einIahrgcld von 75,000Thlrn. bewilligt hatte, wozu noch 30,000 Thlr. jährl. Renten aus der Allodialver-lassenschaft ihres Gemahls kamen. 1809 folgte sie ihrer jüngsten Tochter, welchesie mit dem Neffen des Fürsten Talleyrand veriliählt hatte, nach Paris . Ihrewichtigen Verbindungen daselbst, sowie der Briefwechsel, welchen sie mit dem Kai-ser Alexander von 1808, wo sie ihn auf seiner Reise nach Erfurt bei sich m Löbi-chau empfangen harre, bis 1814 geführt hat, können hier nur angedeutet werden.Aus des Kaisers Einladung verlebte sie einen Theil des I. 1817 in Petersburg .Darauf verweilte sie einige Monate inMitau, wo sie die eben entstandene kurland.Gesellschaft für Literatur und Kunst durch ihren Beifall auszeichnete und ein Ca-pital von 1000 Thlrn. Silberrubel zu Prämie» derselben schenkte. Dann feiertesie daselbst das Reformationsjubelfest mit der Gemeinde öffentlich; auch stiftetesie eine Armenschule und stattete das Fräuleinstift mit einem ansehnlichen Capitaleaus. In den letzten Jahren ihres Lebens brachte sie den Winter in Paris , imKreise ihrer Tochter und Enkelkinder, und den Sommer in Löbichau zu, wo ihreTöchter und ihre Schwester einen Kreis um sie bildeten, deffen geistige Freutenmehre Augenzeugen (Jean Paul, im „Taschcnb. für Damen ", 1821, Schink,Tiedge, Eberhard in Schink'S „Titania, oder Dichter- und Blüthenleben zu El-fenau", Berlin 1821) geschildert haben. Auch in dem durch sie verschönertenKarlsbad erinnert mehr als eine schöne Stelle, namentlich die Dorotheenaue undder Freundschastssitz, an den Aufenthalt der gefeierten Fürstin. Mitten in diesemreizenden Wechsel der Stunde» eines edeln Lebens ereilte sie der Tod. Die frommeMutter ihrer Kinder und Gutsunterthanen, die gestlvolle Spenderin der edelstenFreude erlag, im scheinbaren Besitze der blühendsten Gesundheit, der Erschöpfungdes Nervenlebens. Die Herzogin starb den 20. Aug. 1821 zu Löbichau in denArmen ihrer Schwester und ihrer ältesten Tochter. Die Töchter erhalten in Löbi-chau. welches nunmehr die Herzogin von Acerenza besitzt, das segenreiche Anden-ken ihrer Mutter, und eine kleine gothische Capelle, wozu die Herzogin selbst altetreffliche Glasmalereien gesammelt hatte, wird sich über ihren, Grabhügel wölben.Auch Kaiser Alexander ehrte ihr Andenken, indem er die Iahrgelder, welche sie inKurland auf ihr Einkommen angewiesen, ferner aus den Mitteln des Reichs zuZahlen gebot; und nicht minder rührend war der Nachruf an dem Grabe der Für-stin, aus dem Munde und der Feder des altenburger Bauern Teil. Ihre Todten-fcier hat Schink in der „Gedächtnißseier der verwitw. Herzogin Dorothea v. Kur-land" (Altenb. 1821) beschrieben, und ihr Biograph Tiedge hat in s. Schrift:„Anna Charlotte Dorothea, letzte Herzogin v. Kurland" (Leipz. 1823, auch in den„Zeitgenossen", Nr. XI) erzählt, was die wahrhaft religiöse Frau im Leben für dieSache des Lichts und des Glaubens, was sie für Kirchen und Schulen, was sie für