Lafontaine (Jean)
spätern weit übertreffen, gelesen hat, die übrigen entbehren kann. Auch fangenviele seiner aus der bürgerliche» Wirklichkeit genommenen Charaktere nun zu alternan, entweder weil sie in eine frühere Zeit gehören, ober weil die Überspanntheit derEmpsmdnng zur Ehre unserer Ant dem kräftigen Tchütentriebe weicht. — L.'S.Individualität sehen» mit s in» Schriften in einem seltsamen Contraste zu stehen;kenn man findet an dem launigen und fröhlich unterhaltenden Gesellschafter schwer-lich eine Spur von der in seinen Romanen herrschenden Empfindsamkeit. Auch istseine Biederkeit von Allen, die ihn kennen, anerkannt. Durch s. Bearbeitungdes Aühhlos „Agamemnon " und der „Koephoren" mit geistreichen Erläuterungen(Halle 18-1 fg„ 2 Bde.) hat er eine nach eigenthümlichen Ansichten vorgenom-mene Krit>k des Textes z» begründen gesucht,
Lafontaine (Jean), Fabeldichter und Erzähler, geb. zu Chateau-Thierry1621, wollte sich in seinem 19. I. dein geistlichen Stande widmen, entsagte diesemEntschlüsse aber bald. Er war in einem Alter von 22 I. noch völlig unbekannt mitseinen Talenten für Poesie, als er die schöne Ode Malherbc'S auf die ErmordungHeinrichs 1V. hörte, k ie plötzlich den in ihm schlummernden Dichlerfunken erweckte.Aufgemuntert nach seinen, ersten Versuche von einem Anverwandten, sing er an,die besten srani. und ausländ. Schriftsteller aller und neuer Zeit zu lesen. DieScherze Rabelais S , die Naivetät Maror'S unb die ländlichen Gemälde d'llrf-'Szo-gen ihn vor albn an, und bald zeichnete seine Dichtungen dieselbe Einfachheit, Treu-herzigkeit und Naivetät aus, die er an jenen bewunderte. Nie hat sich ei» Schrift-steller getreuer m seme» Westen gezeichnet als er. Sanft, aufrichtig, natürlich,leichtgläubig, furchtsam, ohne Ehrgeiz, ohne Galle , Alles zum Besten kehrend,war er einfach, wie die Helden seiner Fabeln. Er sprach wenig und unbeholfen,ausgenommen, wenn er sich unter Vertrauten bcsand, »der wenn das Gespräch ei-nen Gegenstand berührte, der semen Geist zu erwärmen vermochte. Er verheira-thete sich mir einem schönen und geistreiche» Frauenzimmer. So sehr er ihre Eigen-schaften schätzte, so entfernten ihn doch seine Vorliebe für die Hauptstadt und seinHang zur Zwanglostgknt von ihr. Die Herzogin v. Bouillon, die zu Chateau-Thicrry in der Verbannung lebte, hakte ihn kennen gelernt, und nahm ihn, als siezurückgerufen wurde, mit sich nach Paris . Hier war der Intendant Foucguet seinerster Wohlthäter. L. hat das Unglück dieses Manne?, da? ihn durch die Ungnadedes KönigS traf, in einer rührenden Elegie beklagt. Er trat darauf in die Diensteder bekannten Hemiette von England, nach deren Tode es sich mehre Große zurEhre rechnete», für seinen Unterhalt zu sorgen. An den reichlichen Wohlthaten aber,die Ludwig XIV. den groß.» Geistern seiner Zeit zutheilte, hatte L. keinen Theil;seine kunstlose Einfachheit konnte diesen Fürsten nicht anziehen, auch dachte er nichteben daran, sich bei Hofe einzuführen. An Paris fesselten ihn die Freuden der Ge-sellschaft und seine Verbindungen mit den trefflichsten Geistern seiner Zeit. Jähr-lich machte er im Scpt. eine Reise zu seiner Frau, und jedes Mal verkaufte er einenTheil seiner liegenden Grunde, ohne sich mit Sorgen für das Übrigbleibende zu be-lästigen. Er schloß nie einen Micth- oder Pachlcontract ab. Diese -Sorglosigkeiterstreckte sich aufsein ganzes Betragen und machte ihn zuweilen ftlbst unempfind-lich gegen tag Ungemach der Witterung. Die Herzogin v. Bouillon sah ihn, als sieeines Morgens nach L.rsailleS fuhr, träumend unter cineni Baume am Wegesitzen, und als sie Abends zunlckkam, fand sie ihn noch an demselben Orte und in der-selben Stellung, wiewol es den ganzen, sehr kalten Tag über geregnet hakte. SeineZerstreutheit soll so groß gewesen sein, daß sie ihn zuweilen des Gedächtnisses, jaselbst der Urtheilskraft beraubte. Er starb zu Paris 1695. Unter den herrlichenWerken, die wir von diesem unnachahmlichen Dichter och übrig haben, stehen seineErzählungen und vorzüglich seine Fabeln oben an. Er wollte durch sie gute Lehrenrecht eindringlich machen. Daher sagte er auch: ,,1'n« »alo »uo ,>pvc >rtc t<-