Band 
Sechster Band. K bis L.
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Leipzig (Stadt)

kleinen Häuschen und (Archen, welche von dem Eigenthümer vermiethet weiden,und der Struve'schen Anstalt zum Trinken mineralischer Wasser, der Rudolph seheund der Trier 'sche, in welchem auch der botanische Garten ist, sind besonders be-merkenswerth. In der grimmaischen Vorstadt verdient der große Kirchhofmit seinenvielen Monumenten (worunter Gellert's), die Bürgerschule, Bofin's, jetzt Reimer'sGarten, Breiter's Wintergarten, und eine Menge schöner Privatgebäude gesehenzu werden. Die hallesche Vorstadt gewann seit 1821 besonders durch das neu auf-geführte Wagegebäude und den großen, freien Wageplatz. In dieser Vorstadt liegtauch der in großartigem Styl angelegteKeil'sche (sonst Lehr sehe) Garten, miteinemschönen Gewächshause. In der ranstädter Vorstadt wird der Fleischerplatz und deran ihn stoßende schöne Reichenbach'sche (jetzt Gerhard'sche) Garten stets denkwürdigbleiben, da hier die letzten Kämpfe in der Schlacht 1813 vorfielen. Poniatoweki'sDenkmal ist eine Zierde des genannten Gartens. Hauptgebäude sind hier das Ia-kobsspikal und das Haus des Kaufmanns Schwägrichen. Unter den Einw. Leip-zigs finden sich viele Abkömmlinge der vor 100 Jahren aus Frankreich vertriebenenReforniirten, Italiener und einige Schutz genießende Juden. Der Handel, derFremde aus fast allen Länder» auf die Messen zieht, hat zwar in Leipzig nicht mehrden Umfang, den er noch vor 25 Jahren hatte, beschäftigt aber doch mittelbar undunmittelbar die meisten Einwohner. Es konimen in den Hauptmessen 8—9000Verkäufer Herrin. Besonders lebhafter Umsatz ist im Roßhandel (1—500 Stückausgesuchter Thiere ist die Mittelzahl der aufgestellten), im Pelzhandel, baumwolle-nen Waaren und Baumwolle, Schafwolle, Colonialwaaren, Buch-u. Kunsihandel(der letztere findet hier den Stapelplatz fiir ganz Deutschland , indem jeder deutscheBuchhändler hier seinen Commissionair hat, der für ihn Alles in Empfang nimmtund fortfindet), engl. und stanz. Waaren und den Erzeugnissen des sächs. Erzgebir-ges. Leipzig hat 77 Buchhändler, 100 Druckerpressen, 300 Krämer und 200 Han-delshäuser. Manufacturcn und Fabriken sind in Leipzig nur selten mit Glück be-trieben worden, doch haben die Gold- und Silberspinnerei, die Tabacksfabrication, dieFertigung der Spielkarten, die Buchdruckern und Schriftgießerei, die Wachsiuch-fabrication, seit Jahren schon eine Menge Menschen vortheilhaft beschäftigt. Außerder Universität fordern mehre gelehrte-Gesellschaften die Wissenschaften, z. B. dienaturforschende (fiit 1818); die ökonomische (seit 1765); die philologische (seit1784); 1824 stifteten leipziger Mitglieder des thüringischen sächs. Vereins (zuHalle) in Leipzig einen „sachs. Verein für Erforschung und Bewahrung vaterländ.Alterthümer", welcher sich 1827 mit der 1697 gestifteten Deutschen Gesellschaftverband; die polytechnische Gesellschaft (seit 1825) u. a. Die Rathsbüborhck,gestiftet 1605, enthält in, historischen und juristischen Fache bedeutende Schätze.Die Gemäldesammlungen von Speck, Keil und andern Privatpersonen sind un-gemein reichhaltig und Kunstfreunden leicht zugänglich. In neuerer Zeit istder Sinn für die ästhetische Botanik sehr geweckt worden, und es verdienen dieGewächshäuser in den Gärten der Herren Förster, Frege, Keil, Wmkler :c. dieAufmerksamkeit des Fremden. Vorzügliche Gelegenheit, sich zu bilden, gewährtLeipzig dem jungen Tonkünstler. Theils halte die Thomasschule seit länger als200 Jahren ein treffliches Sängerchor für Kirchenmusiken w., an dessen Spitzeberühmte Cantoren standen, — Bach, Hiller, Doles , Müller, Schicht! —theils bildete sich schon früh (seit 1740 — 50) ein öffentliches Concert aus, dasbesonders seit 1781 durch den kunstsinnigen C. W. Müller seine jetzige Gestalterhielt uns fremden wie einheimischen Tonkünstlern Gelegenheit gab, ihr Ta-lent zu zeigen. In demselben werken die großen Werke der neuern Instrumen-talmusik mit besonderer Vollendung gehört. Berühmt sind die zwei gelehrtenSchulen, Thomas-und Nieolaischule, seit Jahrhunderten; Gesner, Ernesti, Fi-scher, Reiste sind unsterbliche Namen. Die Ausbildung der mittlern Stände ge-