Band 
Sechster Band. K bis L.
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dem Namen Ligne zu einer Reichögrafschaft erhoben. Der Prinz v. Ligne widmet«sein» Iünzlingsjahre dem Studium der classischen Literatur und der Kriegswissen-schaften. 1155 trat er in östr. Kriegsdienste und diente 1151 u. 1158 als Eapitain»5 dem s. Vater zugehörigen Regimente de Ligne, focht bei Breslau , Leuthen, Hoch«kirch, nahm 1159 den großen Garten von Dresden mit Sturm und wurde, da derOberst des Regim. in Gefangenschaft gerathen war, zum command. Obersten er-.Konnt. Dann überbrachte er die Nachricht von der Gefangennehmung des Gen.Fink bei Maxen (Nov. 1159), zu welcher er mitgewirkt hatte, nach Paris und machtedaselbst den Winter über, wie er sich selbst ausdrückte, viele Bekanntschaften, Unbe-sonnenheiten, Bemerkungen und Schulden. Nach beendigteln Kriege stand er alsGeneralmajor in einer niederländ. Garnison , wo ihn der damal. Graf v. Artois anden franz. Hof einlud. Dem zufolge lebte er von 1166 an bald zu Paris , bald zuVersailles . Die Großen, die liebenswürdigsten Frauen, die geistreichsten und berühm-testen Gelehrten suchten seinen Umgang. Man bewunderte den richtigen und tiefenSinn, der sich in tausend muthwilligen Spielen des Witzes entwickelte. Bei Hofewußte er die Würde eines Großen mit der Liebenswürdigkeit eines geistreichen Man-nes zu vereinigen. Er hatte Zutritt in dem vertrautesten Kreise der königl. Familie,vorzüglich in den Abendstunden von Klein-Trianon. Auch verschmähte er es nicht,den Theakerhcldinnen zu huldigen, was ihn in kleine literarische Neckereien verwi-ckelte, deren Geist zuweilen auf seine Urtheile wirkte. Namentlich faßte er gegenMarmomel einen Widerwillen. In derselben Zeit besuchte der Prinz Englandund Italien, Voltaire zu Ferney, den Prinzen Heinrich in Rheinsberg und Fried-rich den Gr. in Sanssouci . 1110 wohnte er der Zusammenkunft dieses Monar-chen mit Joseph ll. in Schlesien bei, und nachdem er als General <n Chef eine«Corps Elitengrenadiere in dem Kriege von 111819 gegen den Prinzen Heinrichgefochten hatte, stattete er 1185 demselben einen Besuch ab und fand die verbind-lichüe Aufnahme. Früher (1181) hatte er den Petersburger Hof besucht, wo seinältester söhn, der m>t einer Fürstin Massalski verheirathet war, 400,000 Rubelzu fotern hatte. Er gewann die Gunst der Kaiserin, deren leidenschaftlicher Be-wunderer er ward, und kehrte mit Portraits und Orden überhäuft, jedoch ohne denZweck seiner Reise erreicht zu haben, zurück. In den Niederlanden hatte sein Be-tragen ihm die größte Popularität erworben. Als die Streitigkeiten 1184 einenKrieg mit Holland vermuthen ließen, trafer als General en Chef mit großer Thä-tigkeit alle Maßregeln, um einen schnellen und ruhmvollen Ausgang desselben zusichern. Zur Zeit der Zusammenkunft Josephs II. und der Kaiserin von Rußland ,1181, ward der Prinz v. L. der treueste Unterthan des Erstem und der ergebensteHöfling der Letztem genannt. Er begleitete sie auf der Reise nach Cherson . Nachdem 'Ausbruche des Türkenkriegs befand er sich als Geschäftsträger Ost eichs beidem russ. Heere; in der Folge befehligte er einen Theil des Heeres unter London ,welches Belgrad belagerte und einnahm. Obgleich er sich dabei sehr rühmlich be-nommen halte, mußte er doch nachher die Ungnade des Hofs erfahren. Aber nochauf dem Sterbebette rief ihn Joseph ll. zu sich und überhäufte ihn mit Zeichen seine»Wohlwollens. 1192 verlor er s. ältesten Sohn in dem Gefechte von Boux in derChampagne. Seit geraumer Zeit lebte der Fürst in ländlicher Ruhe in Nußdorf beiWien in einem heitern Greisenalter. Hier starb er am 13. Dec. 1814. Noch lebtvon ihm eine Enkelin, Sidonia, seit 1801 an einen Grafen v. Potocki vermählt.Sechszig bedeutungsvolle Jahre unserer Geschichte mit ihren Staatsmännern, Krie-gern u. Schriftstellern waren an diesem merkwürdigen Manne vorübergegangen, inderen Begebenheiten er bald als handelnde Person thätig eingegriffen, bald sie alsgeistreicherBeobachter in Denkschriften und Briefen den Zeitgenossen und der Nach-welt überliefert hat. So hat er z. B. die Schlachten von Kolin, Görlitz, Breslau ,Leuthen, die Belagerung von Schweidnitz , an denen er rühmlich Theil genommenConvcrsatwns-Lericon. Bd. VI. 38