Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
629
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Hier hatte L.Gelegenheit, in den Archiven des Tribunals die Schändlichkeit undBarbarei desselben kennenzulernen. 1191 ward er auf die Verleumdung, daß erein Anhänger der franz. revolutionnairen Grundsätze sei, trotz der Gunst des Pre-mierministers, Florida Blanca, einesaufgeklärten Staatsmannes, in seinen Spren-gel zurückgesendet. Hier unterstützte er arme emigrirte franz. Geistliche auf das thä-tigste, und viele jenerUnglücklichenverdankten nur ihm ihre Erhaltung. Eine Ge-schichte der Auswanderung der franz. Geistlichen, die er in Folge dieser Bekannt-schaften 1793 schrieb, kam ihm imManuscript durch Schuld derCensoren weg undging dadurch verloren. Unterdessen war D. Manuel Abad la Sierra, ein aufgeklar-ter Mann, Großinquisitor geworden, der in der Absicht, die Derwaltungsfonnendieses Tribunals zu verbessern, L. auftrug, einen Plan auszuarbeiten. Ehe L, aberdamit fertig wurde, hatten die Gegner den Sturz des Abad la Sierra bewirkt. EinigeZeit später nahm man in Madrid den Gedanken wieder auf, und L. begab sich dahin,um seinen mit dem Bischof von Talahorra gemeinschaftlich ausgearbeiteten Planvorzulegen. Jovella nos (s. d.). der Minister der Justiz, unterstützte die Sache;man wollte das Verfahren vor den JnquisitionStribunalen öffentlich machen; einungeheurer Schritt! Alles kam darauf an, den Günstling der Königin, den Frip-densfürsten, für das Unternehmen zu gewinnen. Plötzlich wurde aber Jovellanosgestürzt, und die Inquisition blieb wie sie war. *) Bald sollte L. ihren Arm selbstfühlen. Man sing seine Bl iese auf, deutete falsch die unschuldigsten Ausdrücke,verurtheilte ihn zu einmonatlicher Einsperrung in ein Kloster und zu 50 DukatenGeldstrafe, und entsetzte ihn seiner Stelle alsDevollmächtigter des heil.DfsiciumS.So lebte L. bis 180g in Ungnade, dann rief man den geschickten Mann, um einigehistorische Dunkelheiten aufzuhellen, nach Madrid zurück, wo er 1806 zur» Kano-nieus der Hauptkirche in Toledo und 1801, nachdem er seine adelige Abkunft be-wiesen, zum Ritter des Karlsordens ernannt wurde. Als im folgenden Jahre Na-poleon in das Schicksal Spaniens eingriff, ging L. auf Murat's Befehl nachBayonne, wo er die neueVerfassungsurkunde für Spanien mit ausarbeitete, diezu dieses Landes Unglück keine dauernde Wurzel fassen konnte, weil mit derselbendie Priesterschaft ihr Reich zu Ente gehen sah. DieFolgen sind bekannt: L., vonden Ultras verfolgt, mußte, als das Alte restaurirt wurde, fliehen. Früher schonhatten ihn die Tortes als Josefino geächtet. In die Periode der Regierung desKönigs Joseph fällt die HerauSg. vonL.'s , Geschichte der span. Inquisition ", diein mehre Sprachen übersetzt (deutsch von Höck), von ihm noch ein Mal durchge-sehen, dann in franz. Sprache herausgegeben und später von Leonard Gallois ineinem Auszuge bekanntgemacht worden ist, von welchem letzter» Werke wir inDeutschland 2 Übersetzungen erhielten. — Verbannt, seines Vermögens und sei-ner großen und trefflichen Bibliothek beraubt, lebte L. nach dem Sturze der Na-poleoniden in Frankreich bis 1822 in Dürftigkeit. Allein der Haß der Finsterlingegegen den Greis, der einst franz. emigrirte Geistliche so thätig unterstützt hatte,ging zuletzt so weit, daß die pariser Universität ihm, dessen Haupierwerb bei seinerArmuth darin bestand, daß er die Zöglinge einer Pensionsanstalt im Spanischen unterrichtete, diesen Unterricht verbot! Als endlich durch die Herausgabe seinesWerks: „Uoitrailr politlguos kies papes" (von demselb. Vers. wie Galloiö'sWerk ins Deutscheu. d. T.: „Die Päpste als Fürsten eines StaatS:c." übcrtra-

*) Als ein franz. Ultra, Clansel dc Coussergues, öffentlich behauptet hatte, die Inquist»lion habe seit 1680 keine Mensche» menr verbrannt, bewies t, m s. „l.eure « U. 6 l-u-»el etc. »ur I'in^ui-ition ü'Lspsgne" (Paris I817>, daß jenes Gericht allein von 1700—1808 nicht weniger als 1Ü78 Personen auf dem Scheiterhaufen wirklich »Nikon,,neu

ließ!-Und wie lange ist es her, daß dieses heilige Gericht den Leichnam des in leinen

Kerker» gestorbenen Generals Miranda von Hunde» zerreißen und einen basischen Haupt-mast, im Bildniß verbrennen ließ, weil dieser wahrend des Kriege» unter Napoleon eineSchrift übersetzt hatte, die man in Spanien für ketzerisch hielt.