§32
Loder
Holland Pasquille zogen die englische Regierung in den Druck gegeben zu haben.Durch tiefe Verleumdung verlor er seine Stelle im Cvllegium zu Oxford . NachdemTodeKarls li. wollten seine Freunde sich für ihn verwenden; er aber antwor-tete; man bedürfe keiner Verzeihung, wenn man keine Verbrechen begangen habe..Darauf ward er in die Sache de« Herzogs v. Monmouih verwickelt, obgleich ernicht in dergeringsken Verbindung mit demselben stand. Jakob II. verlangte sogarvon den Generalftaaten, daß sie ihn ausliefern sollten. L. war daher gezwungen, sichzu verbergen, bis seine Unschuld anerkannt sein würde. Aber kaum war Jakob ll.vom Prinzen v. Oranien , seinen, Schwiegersöhne, vom Throne gestoßen, als L. aufderselben Flotte, welche die Prinzessin, nachmalige Königin v. England, dorthinbrachte, in sein Vaterland (1689) zurückkehrte. Vermöge seines Rufs hätte er nun«us wichtige Staatsämter Anspruch machen können: er begnügte sich jedoch milderStelle eines Commissairs bei demCommerzcollegium derengl.Colonien, welche ermit dem größten Beisalle bekleidete. Da aberdie Luftvon London seiner Gesundheitpachtheilig zu sein schien, legte er 1700 jene Stelle nieder und begab sich 6 Stundendavon, zu einen, seiner Freunde, wo er i» Ruhe seine übrigen Tage verlebte. Hierhatte er das Vergnügen, den Sohn seinesFreundeS nach dem von ihm entworfenenSysteme zu erziehe» und dasselbe durch die Erfahrung mit dem größten Erfolge ge-krönt zu seken. Erstarb 1704 und ward zu Oakes, in derGrafschaftEssex, begra-ben. Locke stand in seinem Daterlande edensowol wegen seines patriotischen Eifersund seiner Einsichten als wegen seiner Philosophie i» Ansehen. Wir besitzen eineMengeWerke in engl. Sprache von ihm, diezuleht in London 1801 (lOBde.) er-schienen sind. Die merkwürdigsten sind: „Der Versuch über den menschl. Verstand"(deutsch vonTennemann, Leipzig 1796 u.1797, 3Thle.), von welchem L. schon vorder Erscheinung s. Werks einen Auszug in Leclerc's„lH bl. „nivers."(Thl.8, 1688)
' Mitgetheilthatte; s. „Troctat überdie bürgerl. Regierungsverfassung", in welchemder Verf. die uneingeschränkte Gewalt verwirft; 3 Briefe über Religionsduldungwurden zuerst lateinisch geschrieben, kamen aber nachher auch englisch heraus (die«euern Anhänger der Toleranz, unter Andern Voltaire , haben aus diesem Werke ge-schöpft); „Gedanken über die Erziehung der Kinder" (deutsch von CarolineRu-holphi, Braunschw. 1788), aus welchen Rousseau fürs. „Emil", sowie aus dem„Tractat üb. die bürgerl.Regieriingsverfassung" fürs.„Gesellschaftlichen Vertrag"Viele Ansichten entlehnt hat (diesesWerk iil auch ins Französische, Holländische undFlamändische übel s); „Das vernünftige Christenthum ", eine Schrift, welche Sätze«Nthält, die, streng genommen, den Verf. des Socinianismus verdächtig machenkönnten. Er behauptete u. a., in der geoffenbarten Religion sei nichts enthalten,was irgend mit den Begriffen der Vernunft im Widersireire wäre; auch hätten Je-sus Christus und s. Apostel keinen andern Glaubensartikel gelehrt, als an Jesus ,den wahren Messias zu glauben; Paraphrasen über einige Epistel» des Paulusenthalten Beweise des Studiums der heil. Schrift, welchem er sich in den letztenJahren f. Lebens gewidmet hatte; nachgelassene Werke enthalten Abhandlungenüber verschiedene philosophische Gegenstände. Da L. eine ausgebreitete Kenntnißder Sitten aller Völker besaß, so wählten ihn die engl. Colonien in Amerika zu ihremGesetzgeber und beeiferten sich, den Vorschriften, welche er für sie entwarf, gesetzlicheKraft zu geben. Er war großherzig, in aller Hinsicht ein edkerMensch undvon deräußersten Gutmüthigkeit. Locke S Leben ist von Leckere in dessen „blloxv b,8t." ge-schildert worden. Ein Nachkomme s. Schwester, Lord King, gab aus Familien-papieren Locke's Leben heraus (London 1829),
iLoder (Ferdinand Christian v.), Anatom und philosophischer Arzt, k. ruff.wirklicher Staatsraih. Leibarzt des Kaisers zu Moskau , Ritter des St. Wkadimir-und des St.-Aniie,»Ordens, Präsident des Kirchenrathes der ältesten evangek. Ge-meinde desruss.RetcheSzuSt.-Mtchael,»MtzSkau und der zu derselben gehörigen