Melodie
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Fall ist, gegen da- Ebenmaß der Musik, so muß sich der Setzer mik Wiederho-lungen und Versetzungen einzelner Worte zu helfen suchen. Höchst zweckwidrigsind die Schilderungen körperlicher Dinge, welche der Dichter nur dem Verständeund nicht der Empfindung vorlegt. Noch unstatthafter lind Schilderungen ein-zelner Worte, welche dem Ausdnicke des ganzen Textes widersprechen. Wie,wen» der Dichter sagte: Weinet nicht, und der Tonsetzer wollte nun auf dem erstenWorte Tone setzen, die etwa das Weinen nachahmen sollten? Und doch trifft mandergl. Verstöße gegen eine vernünftige Behandlung des Texte- nur zu häufig an.Endlich ist noch anzumerken, daß gewiffe Fehler gegen die Natur de- TakieS dieMelodien höchst unangenehm und widrig machen, z. B. wenn man Dissonanzenauf Takttheile anbringt, welche dieselben nicht vertragen. Im Dreivierteltaktkönnen z. B. die Vorhalte oder zufällige Dissonanzen, wenn die Rückungen durchViertel geschehen sollen, in der Regel nur aus dem ersten Viertel angebracht wer-ten. Geschoben aber in diesem Takte die Rückungen durch Achtel, so können dieDissonanzen auf dein ersten , dritten und fünften Achtel stehen. Hingegen fallendie Dissonanzen im Sechsachteltakte auf da- erste und vierte Achtel und werdenmit dem zweiten oder dritten, fünften oder sechsten vorbereitet. Ausnahme machtdie Gegenbewegung. Beim Vertrag der Melodie ist auf stärke und Schwäche,Schweifung lind Abstoßen der Töne sowie anfalle vorhin berührte Punkte zusam-mengenommen zn sehe». Nicht sehr wahrscheinlich ist, daß der Mensch durchNachahmung der Vogel auf die Melodie oder den Gesang gekommen sei; es istwahrscheinlicher, daß der Gesang auch allmäligeS Erzeugnis; des Menschen sei,denn die einzelnen Töne, woraus der Gesang gebildet wird, sind Anker»,igen leb-hafter Gefühle, die dem Menschen, indem er Vergnüge», iLchmerz oder Traurig-keit durch Töne äußert, oft auch die Natur wider seinen Willen auspreßt. DerMensch ist geneigt, sowol den fröhlichen als den traurigen Empfindungen nachzu-hängen und sich in denselben gleichsam einzuwiegen. Wir sehen, daß Kinder,die noch nicht- von Gesang wissen, wenn sie in vergnügter oder trauriger Snm-mung sind, sich durch dazu passende Töne darin zu unterhalten suchen. Durchdiese Töne bekommt das Gefühl gleichsam etwas Körperliches, woran es sich fest-halten und wodurch es sich eine Fortdauer verschaffen kann. Diele allein abermachen den Gesang noch nicht aus. Denn erst wenn abgemessene Bewegung undRhythmus hinzukommen, entsteht der eigentliche Gesang, und eine Wiederholungsolcher Töne ohne bestimmte Wiederkehr und Abwechselung mit klänge und Kürzescheint die Fortdauer der Empfindung und das Beharren in derselben nicht bewir-ken zu können. Es ist daher keine seltene Erscheinung, daß das Kind, sowie auchder rohe erwachsene Mensch, mit der Wiederholung leidenschaftlicher Töne eine ge-wisse gleichförmige Bewegung des Körpers, ein regelmäßiges und in gleichen Zei-ten wiederkehrendes Hin-und Herwanken desselben vci bindet, worin der Ursprungdes Takts (s. d.) zu suchen ist. Nichts ist bequemer, uns eine Zeit lang m einerund eben derselben Empfindung zu unterhalten, als eine gleichförmige, in gleicheZeiten abgetheilte Bewegung, wodurch die Aufmerksamkeit auf den Gegenstandgefesselt wird. Und so läßt sich einigermaren der Ursximng der Melodie erklären,den man als eine in bestimmter gleichförmiger Bcwegung fortfließende Folge ge-fühlvoller Töne bestimmen kann. Gesang oder Melodie kann übrigens nichtallein durch die menschliche Stimme, sondern auch auf den Instrumenten hervorge-bracht werten. Aber der Gesang der menschlichen Stimme ist freilich der ur-sprünglichste und vollkommenste, weil er, als lebendiges Erzeugniß dcS menschli-chen Geiste-, jedem Ton aus das genaueste die besondere Abstufung, die der Äf-ftet erfoderr, geben kann. Da nun in der Melodie die mit unwiderstehlicher Kraftbelebten Tone liegen, die man als Äußerungen einer empfindenden Seele erkennt,so hat der Gesang vor allen andern Werken der Kunst den Vorzug, daß er Gefühle