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Streitkräste aufstellen möge, so gilt doch dafür der allgemeine Grundsatz, daß jedeMilitairversassung wesentlich nur darauf gerichtet sei» könne, die Ausstellungeiner hinlänglichen Macht gegen äußere Gefahr mit der möglichsten Schonungder innern Verhältnisse zu vereinigen: eine Aufgabe, die bei dem jetzigen Standeder Heere immer schwierig bleibt, übrigens aber der verschiedensten Modificatio-nen fähig ist. Da natürlich der verschiedene Stand der Bildung, der häuslichenund öffentlichen Einrichtungen, selbst die Landes - und Volküart verschiedene Maß-nedmungen erheischen, so haben wol z. K. Diejenigen, die als einziges Heil all-gemeine, unbedingte Verpflichtung zum Kriegsdienst anpreisen und dabei Sparta und Rom fortwährend im Munde führen, wabrscheinlich vergessen, daß die Spar-taner ihre Heloten, die Römer Sklaven hatten, die in des Hausherrn Abwesen-heit, eingeschüchtert wie sie waren, auch unter dem Regimenke einer Frau ihrePflicht thaten und den Boden bebauten, sodaß die Arme der Bürger und ihreAussicht zur Noth entbehrt werden konnten. Je weiter der wahre oder eingebil-dete Bedarf an Sireikmikteln das Maß Dessen überschreitet, was der Staat ei-gentlich leisten kann, desto schwieriger wird auch die Feststellung der Ergänzungsein, und der Sache nach wird, wie die Dinge jetzt stehen, die Eonscription dochbeibehalte» werden, wenn auch unter andern Benennungen, da die Werbung, beider gegenwärtigen Stärke der Heere, viel zu kostspielig und in keinem Falle hin-reichend sein würde. Was endlich die Formen der Militaireinrichtungen, dieKriegSzucht:c. betrifft, so versteht es sich auch bei ihnen von selbst, daß nur da et-was Ersprießliches z» hoffen sei, wo das Naturell des Volkes und seine Eigen-thümlichkeiten berücksichtigt werden; denn ei» russisches Heer bedarf andrer Ein-richtungen und Zuchtgesetze als ein preußisches, und Kroate» und Tiroler mögennicht in Linienrezimenter gesteckt sem, wie dies bei jenen Joseph, bei diesen Bai-ern, zu ihrem Nachtheil erfuhren.
Militärwissenschaften umfassen alle Kenntnisse, diezur Füh-rung des Kriegs erfodert werden. Es gibt davon schon mehre encyklopädische Über-sichten von Cancrin , Auracher, Krug u. A. m., die theils sehr gelehrt, theils über-laden sind. Das Wesentliche folgt aus dem Begriffe der Sache selbst. Krieg istder durch Waffengewalt zu entscheidende Streit zweier oder mehrer Völker. Da jedePartei ihre Federungen von der ander» anerkannt wissen will, so hat der Kriegkeinen andern Zweck als Vernichtung des Feindes in der Art. daß dem Sieger nochein Rest von Kräften bleibt, um seinen Vortheil zu benutzen. Jeder Staat mußsich immer in der Lage befinden, einen Krieg mit Nachdruck führen, ja sich gegendie Übermacht behaupten zu können, wozu Vorbereitungen nöthig sind, die, inihrer Allgemeinheit aber zur Staatsverwaltung überhaupt gehörend, gewöhnlichunter dem Namen Kriegsverwaltungskunst begriffen werden, obwol dieses Wortkeinen deutlichen Begriff der Sache gibt. Wir übergehen sie daher, wie auch diesonst dahin gerechnete Heerversorgung (vgl. Militairökonomie), da beidejetzt nicht eigentlich Gegenstand des wissenschaftlichen Studiums zu sein pflegen.Vor Aufzählung der Kriegswissenschaften im engern Sinne mag noch des in un-sern Tagen oft zur Sprache gebrachten Unterschiedes zwischen Taktik und Stra-tegie gedacht werden, obwol selbst die genaueste theoretische Feststellung desselbenniemals praktischen Nützen gewähren wird. Wenn man unter Strategie, demSinne des Wortes nach, überhaupt die Kunst des Feldherrn, d. i. die Kriegfüh-rung begreift, so ist dies ganz richtig; aber ebenso gewiß ist es, daß sie in diesemSinne nie ein Theil der erlernbaren Kriegswissenschaften sein könne. Will mansie aber, wie häufig geschehen, zur Theorie einer gewissen Art von Bewegungenmachen und auf diese Weise von der Taktik unteiffcheiden, so ist dies ein vollende-ter Irrthum, und der geistreiche Verfasser des „Kriegs für wahre Krieger" hatsehr Recht, wenn er sagt: „Wer mit Bülow meint, daß Strategie außerhalb, Tak-