15.8
Molina
Molla
seine?ische in das nach der Restauration wieder aufgehobene Museum der frans.Denkmäler gebricht, wo sie sich in einer antik geformten Urne Mit der Inschriftbefand: ,,71 Oicrc c<u <I> 1 »« ce tombcan". 1799 wurde das Hans, worin ergeboren worden, mit s. Büste und mit der Inschrift geziert: ,,.le->n - I!,,pli.-Us-le öleiliärc c.t II<- ,1-iiu; cetlc i».si<i,.u". Man kann M.'s Werke alseine (beschichte der -Titten, Moden und des Geschmacks seiner Zeit und als dastrcneste Gemälde des menschlichen Lebens betrachten. Geboren mit einem beob-achtenden Geiste, geschickt, die äußern Zeichen der Leidenschaften und ihre Bewe-gungen in den verschiedenen Zustanden aufzufassen, nahm er die Menschen wie siesind, und zeigte als ein geschickter Maler die geheimsten Falten ihres Herzens undden Ton, die Gebärden, die Sprache ihrer mancherlei Gefühle. „Seine Lust-spiele, gehörig gelesen", sagt Laharpe, „könnten die Erfahrung ergänzen, nicht weiler vorübergehende Lächerlichkeiten, sondern weil er den Menschen, der sich nicht ver-ändert, gemalt hat. M. ist von Allen, die je geschrieben haben, Derjenige, der denMenschen am besten beobachtet hat, ohne sich den Schein davon zu geben. Erscheint seine Menschenkenntniß mehr gefunden als studirt zu haben. Die ErispineRegnard's, die Bauern Dancourt's erwecken auf dem Theater Lachen. Dufresnyzeigt Verstand in seiner originellen Wendung. Der Spieler und der Legatarsind schöne Werke. Aber nichts von Allem reicht an Moli re; er hat einen phy-siognomischen Zug, den man nirgends anders findet. Man erkennt ihn in seinengeringsten Posten wieder, denen immer Munterkeit und Moral zum Grunde liegt.Er gefallt ebenso sehr beim Lesen als bei der Darstellung. Man hat wol gemeint,"daß er zu stark auftrage und überlade. Ich habe den so oft wiederholten j.auvroInn.ime im „ kartuld" tadeln hören; ich habe nachher dieselbe Scene und nochstarker gesehen, und es hat mir eingeleuchtet, daß Lächerlichkeiten und Leidenschaf-ten nicht überladen werden können. Moli re ist ein Schriftsteller für gereifteMänner und Greise. Ihre Erfahrung begegnet sich mit seinen Beobachtungen,und ihr Gedächtniß mit seinem Genie". — In seinen häuslichen Verhältnissenwar M. nicht ganz glücklich; er, der sich auf der Bühne über die menschlichenSchwächen lustig machte, konnte sich vor seiner eignen Schwäche nicht bewahren.Eine heftige Liebe bewog ihn, sich mit der Tochter der -Schauspielerin Bejjrt z»verheirachen, und dadurch zog er den Spott, den er so oft auf Hintergangene Ehe-männer geworfen hatte, auf sich selbst. Glücklicher war er in dem Umgänge mitseinen Freunden und mit den Großen. Der Marschall Vivonne, der große Eondc,Ludwig öllV. selbst lebten mit ihm in jener Vertraulichkeit, die ebenso sehr dasVerdienst als die Geburt ehrt. Mit Racine, dessen Wohlthäter er gewesen, ver-uneinigte er sich zwar später, aber Beide achteten sich gegenseitig darum nicht we-niger. — Als Schauspieler war M. in den kochkomischen Rollen, wie Arnolphe,Orgon, Harpagon ic., unübertrefflich. Bret hat 1773 seine Werke zu Paris m6 Bdn. mit anziehenden Eonnnentaren herausgegeben. („Moliere'S Lustspieleund Possen für die deutsche Bühne", von Zschokke, Zürich 1805 u. 1806, 6 Bde.,mit M.'s Biographie.) L>. Pachereau's „llist. cls la .ic ct lies ou. ra^er <1alUoliärc" (Paris 1825).
Molina (Ludwig de), Molinisten, s. Gnade und Ianscn.
MolinoS, s. Äuietismus.
Moll, weich, bezeichnet theils die Tonarten, die von ihren Grundtönendurch die kleine oder weiche Terz aufwärts steigen und daher Molltonarten genanntwerden, theils auch die Dreiklänge mit der kleinen Terz, die man »reiche Drei-klänge, zuweilen auch Mollaccordenennt. (S. Ton, Tonarten.)
Mo lla, eine geistlich-richterliche Würde bei den Türken. Der Mollahat die bürgerliche und peinliche Gerichtsbarkeit in den Städten und ganzen Di-stricten zu verwalten und ist Oberrichter, im Gegensatze des Kadi oder Unrerrich-