Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Moskau

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Franzosen in Moskau führen wir noch Folgendes an. Napoleon erwartete vor derSiadi vergeblich Abgeordnete, die ihm die Schlüssel von Moskau übcrbiingen soll-ten. Endlich erschien eine Art von Depvta'ion, die aus etwa 12 schlechtaek.eidetenLeuten aus dem Volke bestand, daher Napoleon gar nicht aufste achwte. Ein jungerRusse, der den Einfall gehabt hatte, einen Aufruf im Namen Napoleons zu ver-fassen, ward vom Volke ermordet. Als die Vorhut des franz. Heeres am 14. Sept.in Moskau einrückte und nach dem Kreml zog, stürzte plötzlich ein russ. Bauer her-vor und erschlug einen reich gekleideten poln. Ofsicier, den er für Napoleon gehal-ten hatte. Noch wollten einige Bürger den Kreml venbeid'gen; aber Murat ließKanonen auffuhren, und jene fielen im Kampfe der Verzweiflung. Am folg.Tage,d. 15. Nachmittags um 3 Uhr, zog Napoleon mit femen (Karten in die verlasseneStadt und begab sich in den Kreml . Aber schon stiegen in der Ferne Rauchsäulenauf, und bald brannte es zugleich an 560 Orten. Vergeblicv suchte man zu lö-schen und He Ordnung wiederherzustell n. Bald stand ganz Moskau in Feuer.Als nun keine Rettung möglich war, verließ Napoleon den Kreml und eilte nachdem Lustschlossc Pcti owskoi, eine Stunde vor ter Stadt. Sein letztesWort war:Wo ihr nicht r.tbn könnt, da plündert!" Nun folgten Gräucl auf Gräuel!Moskau brannte bis zum 21. Sept. Endlich kehrte am 1. Oct. mit der Ordnungdie Ruhe in tie große Brandstätte zurück. Ader rings um die verheerteheilige"Stadt rief die Rocke das Volk auf zur Ei mcrdung der Französin, und bald fehltees dem Heere, mitten unter den geraubien Schätzen, an den nothwendigsten Be-dürfnissen des Lebens. Von 150,000 Kriegern, die in Moskau eingerückt waren,halte Napoleon in 5 Wochen 40,000 M. v rloren. Also ward der Abzug unver-meidlich. Er dauerte von, 10. bis zum 22. Oct. und erfolgte unter neuen Aus-bruchen der Rohheit und Raublucht. Am letzten Tage sollte auch der Kreml in dieLuft gesprengt werden; doch gelang tüS nur zum Theil. Von ungefähr 2800 stei-nernen Häusern waren 525, und von 8600 hölzernen Gebäuden nur 1707 übrig-geblieben. Der gesammte Verlust an Brand-unk Kriegeschäden in der Stadt unddem Gouvernement Moskau wart auf 321 Mstl. Rubel geschäht. Die Regie-rung c,nannte eine Entschädigungscommission; all,in mehre Eigenthümer, die dasMeiste verloren hatten, reichten ihre Angaben nicht ein. So betiug u. a. der Ver-lust der beiden Grafen Ratumowski, des Generals Aprapin, des Grasen Butturlin,dess n aufeine Mill. geschätzte Bibliothek ganz verbrannte, und des Gi asen Rostop-schin, an Häusern und Gerüche über 5 Mill. Rubel. Seit der Befreiung des Lan-des haben tie Russen so thätig an der Wiederherstellung von Moskau gearbeitet,daß es sich schöner als vorher aus seiner Asche erhoben hat. Schon ist es so volk-reich wie vorher (11,000 Häuser, 8911 Kramläden, 270,000 Einw., darunter14,721 vom Adel, 4388 Geistliche, 12,104 Kaufleute 22,191 MilikairS, 72,758

die pcln. Kreuze zurückgezogen und dort überwintert hätte? Er hätte seine Armeebehalten und die Nüssen im nächsten Frühling aufs Reue angegriffen, wahrend diesenvon ihrer schrecklichen Heldenthat nichts übriggeblieben wäre als der Untergang ihrerHauptstadt. Staats - und Kriegskunst riechen vielmehr, ihm das Weilen in Moskau anziehend zu macben, und keineswegs, ihn durch Verbrennung der Stadt zum schnellenAbzüge zu zwingen. Allein angenommen, daß Moskaus Untergang zum Verderben derfranz. Armee nöthig geachtet ward, so war das ergriffene Mittel ebenso unsicher in derAusführung als in der Wirkung. Eine Well stadr wie Moskau abzubrennen, ist nicht soleicht geschehen. Und ward der Brand früh genug gehemmt, um 2 Dritttheile, dieHalste odernurein Drirrrheil der Stadt unversehrt zu lassen, so ließ sich voraussehen, daßin dem geretteten Theile noch Vorräthe genug für Napoleons Heer übrigblieben. Dies warselbst noch jetzt der Fall, obwol dasffeuer, angefacht durch heftigen Wind, sich viel weiterverbreitete, als man mit Grund voraussehen konnte. DerV ürile" des Grafen Nostop-schin hat übrigens nicht bloß ein franz. Emigrirter und 'Augenzeuge, Surrugues (Ueurs--url'inceiiciir Ue51orcou etc.",Paris 182 ;), widersprochen, sondern auchButturlinins.,,Gesch. des Kriegs I8i2sg." nimmtan, daß der Brand absichtlich veranstaltet worden sei.

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