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Müller (Johannes von)
sen, wie sehr sein Werth auch auf dem letzten Schauplätze seines Wirkens aner-kannt ward. Der König Ludwig v. Bauern kaufte alsKronprinzMüller's Grabstätteauf dem Kirchhofe zu Kassel , um ibm ein Denkmal zu errichien. M.'s Äußeres warmehr einnehmend als Ehrfurcht gebietend. Eine kleine fleischige Gestalt, ein run-des Gesiebt, eine heitere, erhabene Stirn und ein Paar hervorstehende, große, blaueAugen voll Munterkeit und zuvorkommender HerzenSaüie milderten die Überlegen-heit seines Geistes. Mit dem Anstande eines seinen Äieltmannes, der in der Un-terhaltung Jeden zu erfreuen und in die angenehmste Lage zu versetzen wußte,verband er die aufrichtige Theilnahme des wahren Menschenfreundes und eineGuimülhigkeit, die, oft zu freigebig im Loben und Wohlthun, oft zu rasch imVertrauen, wol zuweilen gemißbraucht ward und ihn unfähig machte, Ränkeanzusptiine» und Beleidigungen zu erwidern. Besonders nahm er sich gern auf-keimender Talente an und stand mit Rath und That edeln Jünglingen bei, die sichihm anschlösse». Der Orientalist v. Hammer in Wien , die Historiker Psister, vonHormavr und Dippold, von denen der Erstere im Quellenstudium, die beiden an-der» in der Manier der Darstellung seine Schüler wurden, bildeten sich unter fei-ner Leitung bcran. Verheiralhet war er nie; die «Ltelle der Weiberliebe fülltendie Wissenschaften und die Freundschaft in seinem Herzen aus. Freund wurde erjedem Edeln und Gleichgesinnten, der ihm nahe kam, mit ganzer Seele. Diebe-sten unter den Zeitgenossen standen mit ihm in diesem glücklichen Verhältnisse; amnächste» sein würdiger Bruder, der Oberschulherr und Pros. Joh. Georg Mül-ler zu Schaffhausen (HerauSg. der Werke seines Bruders und Vers. mehrer treff-lichen Schriften, geb. 1'58, gest. d. 20. Nvv. 1819); außer ihm Bcnstetten,Gleini, Fr. H. Jacobi, Herdei', H. Füßli, Graf d'Antraigues, A. v. Humboldt,Niklas Voigt, Hcyne und viele andre Gelehrte und Staatsmänner. Wie redlicher es meinte, zeige» seine vertrauten Briefe, die im 4. — 1. und 13. — 18. Bde.seiner Werke aufbewahrt sind und einen Schatz merkwürdiger Notizen und genia-ler Gedanken einhalten. Daß auch der Erzherzog Johann , der bei Saalfcld ge-fallene Prinz Louis von Preußen und der jetzige König v. Baiern unter s. Freundegehörten, gereicht diesen nicht weniger als M. zur Ehre. Allerdings blieb das Ge-fühl seines eignen Werthes nicht ohne Anihei! an diesen BündniHen, und seine vonJugend aufcntschiedene Vorliebe für den Umgang der höchsten stände, s. Freudean hohe» Ehre,istellen, sein Streben nach Ruhm wurden ihm nicht selten als Siolzausgelegt. Doch wird man Den nicht eitel nennen dürfen, der die Vorzüge, die eranerkannt wissen wollte, wirklich besaß. Eine Vereinigung von Genialität undGründlichkeit, von eisernem Fleiß unk schöpferischer Phantasie, von kritischemScharfsinn und willigem Glaub»», von ruhigem Ernst und glühender Empfin-dung: Eigenschaften, wie die Naiur und der menschliche Wille sie selten hervor-bringt und noch seltener in einem Individuum verbindet, wurden an M. bewundert.In einer Zeit, die sich entschieden zur Oberflächlichkeit neigte, drang er in die Tie-fen des Wissens und führte die Werke seiner histor. Kunst aüf dem Grunde und inder Farbe der Zeiten selbst aus, die er beschrieb. So entstanden die „Geschichtenschweizerischer Eidgenossenschaft"; von Anbeginn zwar nur bis auf 1489 fortge-führt, doch reich und groß genug, ihren Verft unsterblich zu machen. Selbstän-digkeit, Tiefe, Vollständigkeit, ein reines, starke» WahrheitSaefühl, das nie ei-ner Neigung dienstbar ward, und eine Bescheidenheit, die ihn auch in mancher alsfabelhaft verschrieenen Quelle noch Goldkörner histor. Wahrheiten sinken ließ, zeich-nen seine Forschung, hohe Wurde und Eigenthümlichkeit, Leben und Feuer, ge-drungene Kraft und fruchtbare Kürze seinen Vertrag aus. Was dieser hier und daDunkles und Schwerfälliges hak, muß eher M.'s Gewohnheit, aus Excerptenvorliegender Urkunden zu compvniren und mit Wenigem viel zu sagen, als irgendeiner Nachahmung zugeschrieben werden. Die durch eigne Studien erworbene