Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
591
JPEG-Download
 

Müller (Ioh. Gotth. v.) Müller (Ioh. Friedr. Wilh.) 591

einer unserer gelesensten Romanendichter. Sein Kreis ist der des täglichen Lebens,welches er imSiegfried von Lindenberg" (zuerst 1179), imRinge" (1111) undin denKomischen Romanen aus den Papieren des braunen Mannes" (1184 fg.,8 Bde.), stets in den Schranken sittigen Anstandes sich haltend, mit vieler Wahr-heit und natürlichem Hausverstande, oft auch mit Witz und guter Laune geschilderthat. Ab>r s. Wahrheilesinn verschmähte den Reiz der Erfindung und Mannigfal-tigkeit; seiner Natürlichkeit fehlte es an Anmuth, und, den Zweck der Belehrungzu sehr im Auge behaltend, ermüdete er oft durch moralische Abschweifungen. Manbehauptet, daß er in seinem nahen Unigange die Originale mancher Schilderungengefunden habe, die ihn deßhalb anfeindeten. Weniger lebendige Darstellung undeine unerfreuliche Eintönigkeit bereiteten s. spätern Schriften (Selim der Glück-liche", 1192,Friedrich Brack", 1193, u. a.) eine so kalte Aufnahme, daß überihren Mangeln das Verdienstliche s. früher» Werke fast vergessen wurde. M. starbzu Ztzehoe am 23. Juni 1828, >m 88. Z. s. Alters.

Müller (Johann Gotkhard von), Pros. und Ritter in Stuttgart , einerder trefflichsten Kupferstecher Deutschlands , geb. 1141 zu Bernhausen in Wür-tembeig, sollte Theologie studiren; allein s. Neigung Zur Kunst führte ihn nachS tuttaark. Da sein großes Talent sich bald entwickelte, so erhielt er vom Herzogeinen schalt, der ihn in den Stand setzte, 1110 nach 'Paris zu gehen. Hiermachte er unter unsers berühmten LandSiiiaiins Wille Leitung die schnellsten Fort-schritte. Sechs Zähre später nahm ihn die dortige Akademie zu ihrem Mitgliedeaus, bei welcher Gelegenheit er die Bildnisse der beiden Professoren dieser Akademie,des Lerambert und falsche, als Reeeptioneblätler lieferte. Gleich darauf riefihnder Herzog nach Stuttgart zurück und ernannte ihn zum Pros der tasigen Kunst-schule. Hier lieferte M. von Zeit zu Zeit die Meisterwerke, durch die er sich berühmtgemacht hat. Vor alle» verdient den Vorzug s. Bildniß Ludwigs XVI., welches inHinsicht der Reinheit und Zartheit des Grabstichels, der neuen Ausführung undder vortrefflichen Haltung den Berwick'schen Kupferstich noch übertrifft, ungeachtetman letzter,, hinsichtlich der Ähnlichkeit vorziehen will. -Leine Hauptblätter im hi-storischen Fache sind: das Treffen bei Bunkershill, wobei Gen. Waren sein Lebenverlor, nach einer Zeichnung Trunibull's, und die Madonna della Sedia, imch Ra-fftet, die er für das Unsre l>un,,ms lieferte. Für das Becker'sche Augusten,» hat erebenfalls mehre Blätter gearbeitet. Zn der von ihm in Stuttgart gestifteten Ku-pferstecherschule haben sich mehre treffliche Künstler gebildet, vorzüglich sein Lohn(s. d. sg. Arr.).

Müll e r (Johann Friedrich Wilhelm), des Vorigen Sohn, k. würtemb.Hofkupferstechcr und Professor an der». sächs. Akademie eer Künste in Dresden ,war geb. zu Stuttgart 1182. Zn früher Zeigend unlergruben die bösartigstenPocken seine Gesundheit und ließen den Keim einer unheilbaren Kränklichkeit zu-rück, die sich schon in s. Zünglingsjahren als Hypochondrie äußerte. Aber dieseHindernisse hemmten keineswegs die frühe Ein Wickelung seines tiefgreifenden, le-bendigen Geistes. Er besuchte das Grmnasium zu Stuttgart bis zu s. 18. Zohreund empfing nebenher von s. Vater Unterricht m der Geometrie unk Perspecuve.Immer mehr neigte er sich aus freiem Triebe der Kunst zu. Seine Versuche mitdem Grabstichel gelangen über Erwarten, w>e euie Copie nach Edrlmk und einezweite nach Macrer bezeugt. Gleich darauf stach er das Portrait von Hufeland,nach Tischbein. Aber nicht auf das kunstgerechte Eingraben m Kupfer beschrankteer sich; er hatte nach s. Vaters Anweisung und Vorgang das Zeichnen für dennoch wichtigern Theil seiner Kunst erkannt und wandte allen Fleiß an, sich miniermehr kann zu vervollkommnen. 20 Z. alt, ging er nach Paris , um dort den aka-demischen Unterricht zu genießen. Sein brennender Eifer für t:e Kunst verleiteteihn hier schon m übermäßigen Anstrengungen, die eine bedenkliche Erschlaffung