656 Nacht (iiihlholog.) Nachtiiiaylsbulie
gegen verursacht die Schiefe der Ekliptik zwischen den Polen und dem Äquator eineungleiche Dauer der Nächte und Tage. Hier fällt nur 2 Mal im Jahre, und zwarum den 21. März und 23. Sepi., die Lag. und Nachtgleiche ein. Die kürzeste undlängste Nacht fällt zur Zeit der Sonnenwenden, den 2l. Juni u. de»21.Dec. DieVerschiedenheit der Dauer der Nächte ist um so größer, je näher ein Ort nach denPolen liegt. Unter dem Polarkreise gibt es ein Mal im Jahre einen Tag ohneNacht und eine Nacht ohne Tag. Unter den Polen selbst herrscht eine Nacht voneinem halben Jahre, welcher am Nordpol um die Zeit der Frühlingsnachrgleiche,und ani Südpol um die Zeit der Herbstnachtgleiche ein ebenso langer Tag folgt.Die genaue astronom. Bestimmung des Anfangs der Nacht richtet sich nach demAugenblicke, wo der Mittelpunkt der Sonnenscheibe unter den Horizont hinabsinkt,indem die Strahlenbrechung (s. d.) bekanntlich die Sonne noch am Horizonterscheinen läßt, während sie schon untergegangen ist. Die darauf erfolgende Abend;dämmerung macht die Scheidewand der Nacht in astronomischer Bedeutung und inder Sprache des gemeinen Lebens. Vgl. Walch's „Einleii. in die mathem. Geo-graphie^ (Gott . 1807, 3. Auch).
Nacht (Mythologie), die Tochter des Chaos, Schwester des Erebus, mitwelchem sie den Tag und den Ather zeugte. Alles Unbekannte, Dunkle, Schreck-liche gehört zu ihrer Nachkommenschaft, mithin Tod und Schlaf, Träume, Schick-sale, Krankheiten und Plagen; ferner Zank, Streit, Zwietracht, Kr,eg, Mord,Betrug und Tadelsucht. Auch die Hespei iden werden ihre Töchter genannt. Siebewohnt abwechselnd mit dein Tage einen schauervol/en Palast in der Unterweis.Nach orphifchen Sagen war sie auch Göttm der Liebe. Die neuere Mythologie läßtsie auf einem Magen über den Himmel fahren und gibt ihr einen bestirnten Schleier.Cornelius hat sie neuerlich in der Glyptothek m München in Fresco dargestellt (s.„Kunstbl.", 1821, Nr. 07).
Nacht (heilige) heißt in der Kirchengeschichte die Nacht vor Weihnachten,Ostern und Pftngsten, in der die Christen der ersten Jahrh, zusammenkamen, um zusingen und zu beten. Zu der Ostei nacht taufte man die Kakechumenen. AllerhandMißbrauche entsprangen aus jener Nachtfeier, und die Kirche schaffte solche daher ab.
Nachtfalter, 0! achtvögel, s. Schmetterlinge.
N a ch t g l e i ch e, s. Äquinoclium.
N a ch t m a h l s b u l I e, IlnlU >>> ilociu, Domini, diemerkwürkigileallerpäpstl. Bullen, da sie die Anmaßungen der Päpste und die vorgeblichen Rechte,welche diese sowol als unumschränkte Oberherren der Kirche als auch selbst überweltliche Fürsten zu behaupten suchten, am vollständigsten darlegt. Sie gründetsich aus ältere Verordnungen der Päpste, durch welche alle Ketzer u. Ketzerbeschützerohne Unterschied, sowie Dtejemgen, die der Geistlichkeit Steuern zu Slaatsbedürf-»iffen aufl.gten, feierlich in den Kirchenbann gethan wurden. Seit dem 14. Jahrh,wuide sie von mehren Päpsten nach und nach umgebildet und verändert. PapstPius 1. befahl, sie am Gründonnerstage in allen Kirchen abzulesen, weil mehrekeuhol. Fürsten Protestanten in ihrem Lande duldeten und der Geistlichkeit Beiträgezu den öffentlichen Lasten abfederten. Philipp II. und die Republik Venedig aberverboten die Bekanntmachung, da sie bei erschöpftem Schatze die Geistlichen nichtschonen konnten, und selbst Kaiser RudolflI. und der Erzbischof von Mainz woll-ten eine den landesherrliche» Rechten so nachtheiltge Bulle nicht annehmen. Auchin Frankreich sank sie Widerstand, besonders aber erregte sie in Neapel seit 1508große Unruhen, da sie ohne des Königs Genehmigung von Bischöfen und Mön-chen verbreitet, und nach dem Ausspi uche des Papstes der Regierung das Recht,neue Auflagen auszuschreiben, streitig gemacht wurde. Trotz jenes Widerstandeserhielt diese Bulle noch 1627 durch den Papst Urban V Ul. ihre neueste Gestalt.Der Papst epcommunicirt und verstricht, von Gottes wegen und kraft der den