Nassau-Siegen (Karl Heinrich Nicolaus Fürst v.) 689
men. Jede Kammer hat gegen die andre ein unbedingtes Veto, welches aber vondem Hofe beseitigt werken kann. Die Nothwendigkeit ein. S so bedenklichen Rechts,wodurch der Zweck der ganten landständischen Verfassung vereitelt werden kann(denn die Landstände sind ja doch überhaupt nur ein Correclivmikiel gegen möglicheMißgriffe oder Unthätigkeit der Reg erung), ist ein großes Argument gegen dasSystem der 2 Kammern sowol überhaupt, als vorzüglich in Staaten von mäßigemUmfange. Die Sitzungen der LandeSdeputirten sind öffentlich; ihre erste Ver-sammlung wurde 1818 gehalten, von welcher die Sitzungsprotokolle gedruckt sind(Wiesbaden 1818, Fol.). 37.
Nassa u-S iegen (Karl Heinrich Nicolaus Otto, Fürstv.), dessen ansAbenteuerliche grenzende Lebensereignisse mit seinem Eintritt auf die Welt began-nen, stammte aus der kathol. Linie des Hauses Siegen ab und war 1745 geb.Sein Großvater, Emanuel Ignaz, hatte sich mit Charlotte de Mailly de Neslevermählt, und diese gebar einen Sohn, Maximilian, dessen Geburt sie dein Vaterverheimlichte. Erst »ach dem Tode des Letzter» ließ sie ihn u. d. N. Nassau-Siegenin die Statusregister einiragen. Der kaiserl. Hofrath in Wien weigerte sich in»dessen, den jungen Maximilian als solchen anzuerkennen, und wollte in Charlottenur eine Frau sehen, die die ärgerliche Lebensweise ihrer Familie— wer kenntnicht die Chateauroux , ihre Nichte, Ludwigs XV. erste Maitresse? — zur Schautrage. Der Vormund des jungen Nassau , von dem wir hier sprechen, brachtedie Sache bei dem Parlament in Paris vor, und dies entschied am 3. Juni 1756für seine rechtmäßige Herkunft. Der Hoftarh in Wien hatte indeß über die Güterdes nassauischen Hauses längst verfügt. Die Nothwendigkeit, sich selbst eine Bahnzu eröffnen, bestimmte den jungen Fürstensohn, im 14. Jahre als Freiwilliger infranz. Kriegsdienste zu treten , die er als Rittmeister unter den Dragonern verließ,um Bougainville (1766 — 69) auf seiner Reise um die Welt zu begleiten. Ausden Armen der Königin von Olaheile ging er mit den, Ritter v. Oraison nach Afri«kas Wüsten, wo er einen Kampf mit einem Tiger tapfer bestand. Nach der Rück-kehr trat er als Oberster eines Infanterieregiments wieder in franz. Dienste undsuchte hier 1779, jedoch umsonst, die Insel Jersey wegzunehmen. Desto mehrGelegenheit sich auszuzeichnen verschaffte ihm der Krieg zwischen Spanien undEngland. Nassau eilte zur Belagerung von Gibraltar , bestieg eine von Arcon'Sschwimmenden Batterien und entging durch Schwimmen dem Tode, dem er' sich,mehr als jeder Andre, ausgesetzt hatte. Spaniens König belohnte ihn mit einergroßen Geldsumme und deni Patente dcü Generalmajors seiner Armee, mit demTitel eines Granden der ersten Classe. Wo der Kanonendonner in Europa er-tönte, war auch Nassau. Graf Sögur empfahl ihn der Kaiserin Katharina II .Sie vertraute dem tapfern, vielversprechenden Manne den Befehl über ein Geschwa-der, das gegen die Türken kreuzen sollte. Auf dem schwarzen Meere griff er ander Spitze von Galeeren und stachen Fahrzeugen die viel stärkere Florte des Kapu-dan Pascha an, nahm einige schiffe desselben, steckte andre in Brand und zer-störte in mehren Gefechten die ganze dort stationirte Seemacht der Pforte. DieKaiserin belohnte die Siege ihres Viceadmirals edelmüthig. Er Hütte das Zndi-genat von Polen erhalten und sich mit Charlotte GoIka, der Tochter eines reichenWoiwoden, vermählt. In dem Betrachte ging er'als Katharinens Gesandter,denn diese dachte damals noch nicht an Polens Zerstückelung, nach Wien , nachMadrid und Versailles, um diese Höfe von Friedrich Wilhelms Absichten auf Thorn und andre Punkte Polen « zu unterrichten. In dem Kriege gegen Gustav >11. trugsie ihm den Befthl ihrer Flotte im sinnländischen Meerbusen auf. Nassau schlugdie schwedische Scbeerenstotte und trieb sie in den Busen von Biborg, wo er sie undGustav selbst, der sie befehligte, gefangen zu nehmen glaubte. Aber dieser griffan; Nassaus Linie ward durchbrochen; 46 seiner Galeeren wurden in Grund ge-
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