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Nation
wird auch ihr Nationalcharakter und die Nationalehre fester und entschiedener sichauösprechen, ohne durch Trennungen und innere Reibungen derGlieder der Nationverwischt oder geschwächt zu werden, wie dieses z.B. bei den Deutschen der Fall ist.Letzteres ist oft der Grund, warum man einer Nation sogar den Nationalcharaktervöllig abgesprochen hat; obgleich, wie schon aus dem -Obigen hervorgeht, wo nurimmer eine Natron besieht, sie auch nicht ohne diesen gedacht werdm kann, nurdaß derselbe sich mehr oder weniger ausgezeichnet äußert und hervortritt. Ja,das Bestehen einer Nation scheint nur durch Staatseinheit, Nat or.altugend undReligion vollkommen gesichert. Don dem Nationalcharakter scheint nochwichtig anzuführen, welchen Einfluß er auf das Individuum habe, oder wie er sichzur Individualität verhalte, und wie man ihn demnach aufzufassen hak. WasErsteres anlangt, so ist der Nationalcharakter nicht Etwas, das sich dem Indivi-duum so nothwendig aufdringt, daß nicht ein Individuum durch seine Richtungdemselben mehr oder weniger entgegenwirken könnte. Daher gibt es auch Indi-viduen verschiedener Nationen, welche sich in »ationellen Zügen ähnlich sind wieGlieder einer Nation, Am meisten wirkt der Nationalcharakter auf Diejenigen ein,welche sich desselben nicht bewußt werden, mithm auf die kräftige und unverdorbeneMasse des Volks, welche, verftinerr durch gesellige Verhältnisse, den kräftigen Cha-rakter ihrer Nation noch nicht abgeschliffen hat. Daraus folgt also das Zweite,daß mau das Edle des Nationalcharakters in dem kräftigern und unverdorbener»Volke, feine Schattenseiten aber unter den höhern Ständen sinke und aufzufassenhabe. Weil aber eine Nation nicht bloß aus allen ihren gleichzeitigen, sondern auchaus allen ihren nach einander lebenden Gliedern besieht, und jeder Charakter, alsoauch der Nationalcharakter, oder die besondere Richtung und Individualität, welcheeine Nation als Ganz-ö zeigt und wodurch sie ebensowol ihre Glieder verbindet,als sie sich eben dadurch von andern Nanoncii unterscheidet, in dem Lebe» der Na-tion sich allmälig entwickelt; so muß, wer den Charakter einer Nation entwickelnwill, auch ihre Vergangenheit und Gegenwart kennen. Im letzter» Falle ist eserst vollkommen möglich, die ursprünglichen Züge des Nationalcharakters von denabgeleiteten, sowie das Wesentliche von den zufälligen Äußerungen einer Nation,und was einer Nation eigenthümlich angehört (das Nationale), von Dem, was siemit andern gemein hat, zu unterscheiden. (Über verschiedene Nationalcharakteresiehe Kant's ,,Pragm. Anthropologie".) Hier bleibt noch immer die Frage übrig,ob der Nationalcharakter Etwas sei, was die Natur aus der Nation gemacht, odervielmehr Etwas, was die Nation aus sich selbst gemacht und sich selbst gegeben habe.Denn ob zwar Abstammung und Spräche die Grundlagen der Nationalität sind,welche jedes Nakionalglied ohne sein Zuthun empfängt, so laßt sich doch das Gege-bene weiter fortbilden Und zur eigenthümlichen Gestalt erheben. Darum pflegenwir auch z. B. zu sage»; Dichter und Philosophen bilden die Sprache. Alleinauch hier darf die herrschende 'Wechselwirkung zwischen Freiheit und Natürnoth-wcndigkeit nicht übersehen werden. Wo nämlich in irgendeiner Nation ein Mannaufsteht, der nach Außen lehrend, bildend oder hcri schenk wirkt und dem Staate,der Grinst, der Wissenschaft auf lange.Zeit seinen Geist einhaucht und feiner Sphäreknien neuen Schwung gibt, da wird derselbe erst aus dieser Nation entwickelt undgebildet, und das Gesammtleben der Nation wirkt auf «hn (denn in den, Geniussind Empfänglichkeit Und SelbstrhaNgkeit in gleicher ckdraft vochanden) ebensokräftig ein, als er mit Freiheit das Gesammtleben seiner Nation ergreift, es eigen-thümlich gestaltet oder n> irgend eurer Sphäre kräftig ausprägt. Von großen Gei-stern sogt man, sie stehen übet eurer Nation. Dies heißt ebensowol: m ihnen lebtund ftaumel: sich die Nationalkraft in eigenthümlicher Form (Individualität) undwirkt rn der besondern Sphäre, alsr sie bilden Und leiten die Nation und bestim-men so t«n Nationalcharakter durch chr ftvieo Wirken. Was Ersteres anlangt, so