740 Naturwissenschaften
ten, als jene Gesammtheit im Reiche, unt es gibt daher eine Mineralchemie (Stoff-lehre des MineralreichS), eine Pflanzcnchemie (Phytochemie), eine Thiercheim«(Zoochemie), und wenn man die (physischen) Elemente als ein besonderes Naturreichbetrachtet, auch eine El.menkenchemie (welche dieGrundstoffederElemente und derenVerhältniß in einem jeden erforscht und bestimmt). Zu bemerken ist hier beiläufig,daß die Pflanzen , und Thierchemie noch sehr wenig bearbeitet und eigentlich noch >»ihrem ersten Werden ist. wahrendDaS, was man bioherEhemie (allgemeine Chemie)genannt hat. eigentlich nur Elementen-unt Mineralchemie, wenigstens vorzugs-weise ist. Auch die Chemie hat eine dynamische und eine mathematische «Leite;erstere beschäftigt sich mit den Eigenschaften (sinnlichen Merkmalen) der Lioffe undihrer polaren Verhältnisse zu einander, letztere dagegen bestimmt die quantitativen(Größen-) Verhältnisse der Stoffe in den verschiedenen Substanzen oder Körpernund heißt Sköchiometrie. Die Chemie hat. wie eigentlich alle Wissenschaften,vorzugsweise eine theoretische und praktische Leite; von ihrer theoretischen Seite istsie Wissenschaft, von ihrer praktischen Kunst, Scheidekunst (eine zu einseitige Be-nennung!), Erperimentalchemie, in ihrer Anwendung auf Gewerbe technischeChemie. Bei der Physik, um dies nachträglich zu erwähnen, findet eigentlich ganzdasselbe Verhältniß statt; kenn es gibt bekanntlich auch eine Physik als Kunst, dieErperimentalphvsik, und eine Anwendung derselben auf Gewerbe, welche technischePhysik heißen sollte, wofür man aber schon den Name» praktische Mechanik, Ma-schinenlehre (in weitester Bedeutung) hat, in welcher alle niaihemal sch-physikali-sche Wissenschaften in Anwendung kommen. Werden te Nakurdinge als einzelnein jeder Hinsicht, als Individuen in ihrem eigenthümlichen und unterscheidendenCharakter und in ihrer Entwickelung b'krochtet und dargestellt, so ist dies Natur-geschichte. Hier können aber die Naturkörper entweder in ihrer bereits erfolgtenganzen oder iheilweisen Entwickelung, d. h, in ihrer vollendeten oder unvollendetenBildung, erkannt und dargestellt werden, und dann heißt die Darstellung Natur-beschreibung, oder man betrachtet sie in ihrer geschehenden Entwickelung oderwertenden Bildung, d. h, »ach ihrer Entstehung, ihrem Fortschreiten (Wachsthumim weitesten Sinne) und allmäligen Vergeh », so entsteht die eigentliche Natur-geschichte oder diese im engern Sinne des Worts. Hieraus erkennt man zu-gleich, daß Diejenigen irren, welche meinen, es gebe keine eigentliche Naturgeschichte,die Benennung sei unrichtig, es müsse Naturbeschreibung heilen. Der Irrthumberuht auf der Verworrenheit te« Begriffs der Geschichte. Überzeugt man sich,daß die wirkliche Geschichte eines Naturwesens nichts Andres sei als seine Ent-wickelung (seine werdende und vergehende Bildung) mit allen diese Entwickelungbegleitenden Erscheinungen (Begebenheiten), so erkennt man, daß die Natur,eigentlich die Naturen (s. Natur), z. B. die Erde, die Mineralien, Pflanzen undThiere, ebenscwol eine Geschichte haben müssen als die Menschheit, die Völker undeinzelne Menschen. Naturbeschreibung ist also nur ein Theil der Natur-geschichte im umfassenden Sinne. In letzten» ist z, B. die GeologieNami geschichteder Erde, und sie ist einerseits beschreibend, indem sie die Gestalt und Beschaffenheitunsers Planeten im Ganzen lowol als in seinen größer» Theilen darjbcllk, andrer-seits geschichtlich im engern Sinne, indem sie es mit der Entstehung und Entwicke-lung des Planeten im Großen oder Ganzen und seiner vorzüglichsten Theile zu thunbat, und die Ordnung der Entwickelung in den Erscheinungen nachweist. DieGeogenie ist also vorzugsweise Naturgeschichte der Erde. In Beziehung auf diebesondern Products oder Naturindividuen des Planeten theilt sich die Naturge-schichte in ebenso viel besondere Wissenschaften, als ihr Gegenstand, die Gesammk-deir dieser Produkte, in größere Abtheilungen zerfällt, zunächst also, nach denReichen, in 1) die Mineralog ie (Irtlehre, Naturgeschichte der Irden oder Mi-neralien als Individuen des Erdelements), 2) die Phvtologie (Pfl nzenwissen-fchast, Naturgeschichte der Pflanzen, wovon die bisherige Botanik eigentlich nur