Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
883
JPEG-Download
 

Niobe

88 '.

Verfertiget war man schon damals ungewiß; Einige, wie Pkinius, nanntenSkopas, Andre den Praxiteles, Winckelmann erklärte sich fiir Skopas. Eben«wenig Gewisses ist über d'e ursprüngliche Zusammenstellung der einzelnen Figu-dn auf uns gekommen, und sie war bisher um so schwieriger zu errathen, als^hre davon, die beiden sogen. Ringer, der Pädagog (den Fabroni für den König^wphjon nahm) und die eine Tochter, die Gölhe für eine Erato hält, von den.Wchsten Kunstkennern für gar nicht zu dieser Gruppe gehörig (obschon sie alle anwen, Orte und zu einer Zeit gesunden wurden) erklärt worden sind. Die kreis -lvrniige Stellung sämmtlicher Statuen um die Hauptfigur der Mutter, wie sie"ö Montfaucon abgebildet liefert, beruht ebensowol als die von Ramkohr ange-.°w,nene Zusammenstellung bloß auf einer Vermuthung, die nicht nur Lurch keineAutorität unterstützt wird, sondern der eine genaue künstlerische Ansicht und Unter-suchung der einzelnen Figuren sogar geradezu widerspricht. Dagegen hat der jungeArchitekt Cockerell in einer Schrift 1816 die höchst wahrscheinliche Hypo-rsse aufgestellt, daß diese berühmten Statuen, auf einer Linie pyramidal nebenwan^r gruppirt, die Verzierung eines antiken Tempel-Frontispiz gebildet haben.?fse Vermuthung wird durch die Analogie in der Kunstgeschichte des Alterthums.""kommen bestätigt, indem es durch die Ruinen des Parthenon zu Athen , durch." Entdeckung der Statuen des Tempels des Jupiter Panhellenius zu Ägina ,h ch den Theseustempel und andre Beispiele, wie auch aus den BeschreibungenPaulanias vvm Frontispiz des Tempels des Jupiter OlpmpiuS, und des Dio-r von Sicilien von dem des olympischen Zupiter zu Agrigrnt bekannt ist, wie sehrdie griech. Baukünstler liebten, die F, ontons ihrer Tempel auf solche Weise aus-schmücken. Was aber jene Vermuthung fast zur Gewißheit erhebt, sind die)"3ebnisse der Untersuchung, die der britische Künstler mit den einzelnen Statuen^ "st angestellt hat. Der Charakter ihrer Stellung zu einander, ihre nach den Li--eines Dreiecks zu beiden Seiten absteigenden Höbmmaße, die vollkommen zuZusammenstellung paffenden Bewegungen, in denen sämmtliche Figuren dar-L^llt sind, indem sie alle gegen den Mittelpunkt , den die Mutter als die höchstewt»e bildet, streben, und dann die auffallende Vernachlässigung, ja absichtlichvollendete Ausarbeitung der Rückseite der mchrsten dieser Statuen, die offenbarh^t, daß der Künstler sein zur Aufstellung an die Wand bestimmtes Werk ledig-y? auf die Ansicht von vorn berechnet harte, machen es augenscheinlich, daß diese»'"ppe zu einem solchen architektonischen Derschönerungszwecke bestimmt war.d Eerell hat diese Anordnung durch eine von ihm selbst in Sicin geätzte Zeichnung^'"eutlicht, bei deren Anblick kein Kenner der bildenden Kunst lüugnen wird, wasi,^cr st treffend über die künstlerische Schönheit derselben bemerkt. §S geht dar-hsagt er, eine schöne Compositron hervor, in welcher die Mythe der Niobe ein^unterbrochenes Bild darstellt. Die Combination so mannigfachen Ausdrucks,^ "och dii selben Empfindungen darstellt, gewährt eine große außerordentlicheS"g, "d d>e ganze Geschichte auf den ersten Anblick erkennen und bringt ineele "cs Beschauers die Idee der erzürnten Gottheiten hervor, in dem Augen-wo sw von der Höhe herab ihre unheilschwangern Pfeile abschießen. Die' der Eleganz und Zierlichkeit der Composition sind gut beobachtet. Sechs^ m auf jeder Seile ebenmäßig geordnet, und die zugleich durch sehr abwech-^lejt ^wegungen und Ausdruck wunderbare Contraste erzeugen; 'Alter, Ge-«l,^wt, Handlung, Nacktes und Gewänder sind im schönsten Gegensatze mit ein-,-^os Giebelfeld erscheint reich verziert, und der Raum zwischen den ein-l«j,§igtlren gleich getheilt. Das Unausgefüllte durch den nahe der Mutter ge-Sohn ist vielleicht eine der Schönheiten, die den Eindruck der Zusammen-^ "g noch erhöhen. Das erhabenste und zugleich reizendste Bild in der ganzenPosition aber ist in dem Mittelpunkte, der gleichsam magnetisch die Seitenge-

56 *