8 ObjectivglaS Obligat
auch im Lyrischen: der Künstler soll sich in einem Gegenstände außer sich hinstellen.Offenbar kann nicht jedem Künstler das Gesetz der Objektivität gleich streng vorge-schrieben sei», auch kann und soll die Objektivität die Subjektivität nicht unter-drücken , indem sie dem Werke Antheil und Wärme verleiht. Bisweilen scheintman unter einer objectiven Darstellung bloß eine solche zu verstehen, bei welcher nieder Künstler in keiner -Schöpfung selbst hervortritt oder seine Persönlichkeit durcheine eingestreute Reflexion oder einen Ausbruch des Gefühls einmischt. Daß die-ses nur in der epischen und dramatischen Poesie stattfinden könne, bedarf keinerFrage. Der Epiker und Dramatiker, der mehr in einer Außenwelt lebt, kann sichauch selbst mehr entäußern und bleibt im schaffen unvermischt mit seiner Persön-lichkeit. Bei Demjenigen aber, dessen dichterische Natur sich mehr zum Lyrischenhinneigt, wiick freilich auch in andern Gattungen die objective Darstellung durchdie subjektive Stimmung leicht unterbrochen werden, wie z. B. in Klopstock's„Messias". NI.
Objectivglas heißt in einem Fernrohre dasjenige Glas, welches demGegenstände zugekehrt ist, im Gegensatz des vor dem Auge stehenden OcularS.
Oblaten sind dünne, leicht zerbrechliche Scheiben, aus ungesäuertem Wei-zenmehle gebacken, welche bei geringer Anfenchtung weich und schleimig werden.Daher braucht man sie zur Besiegelung der Briefe statt des Siegellacks, indem sieden Brief nicht schwer machen, und mehre damit versiegelte Briefe bequem in einCouvert geschlossen werden können, auch der Brief, wenn die Oblate trocken gewor-den, ohne Verletzung des Siegels, nicht zu öffnen ist. Ferner bedient man sich derOblate zu allerlei Gebackenem. Vorzüglich jedoch ist ihr Gebrauch beim Abend-mahle statt des Brotes in der katholischen und lutherischenKirche, und daher kommtwahrscheinlich ihr Name, weil das Abendmahlsbrot und der Wein in den erstenJahrh, der christlichen Kirche von den Oblationen (freiwilligen Geschenken an Brotund andern Lebensrnitteln), welche die Glieder der Gemeinden darbrachten, ge-nommen wurde. (s. Opfer.) Die jetzt beim Abendmahle gebräuchlichen kleinen,dünnen, runden, weißen Scheiben von ungesäuerten, Weizenbrot, mit verschiede-nen Aufschriften und Figuren (z. B. dem Crucifix und den Buchstaben I. bi. 1i. I.),scheinen erst in, I i. Jahrh. aufgekommen zu sein, und wurden, wie jene, Oblatengenannt. Die reformirte Kirche (wie die Brüdergemeinde) bedient sich statt dersel-ben größerer Scheiben von gewöhnlichem Brote, die bei der Austheilung ge-brochen werden. Die griech. Kirche hat nach dem Beispiele der in solchenDingen weniger bedenklichen ältern Christengemeinden den Gebrauch deß unge-säuerten Brotes beim Abendmahle beibehalten. (S. Hostie.) L.
Oblaten, Laienbrüdeu, s. Orden, geistliche.
Obligat (von, ital. obli^ui o. verpflichten, verbinden) wird in der Musikvon denjenigen Stimmen oder Instrumenten gesagt, welche entweder allein odermit andern Zugleich die Hauptmelodie des Stücks führen, also nicht bloß beglei-tend sind. Obligat spielen heißt also so viel als die Hauptstimme spielen. Diebegleitenden oder Nebenstimmen könnte man eher weglassen; wollte man aber dieobligate Stimme überschlagen und bloß die Begleitung spielen, so würde diese,als nackter, todter Körper, dem die Seele (die Melodie) fehlte, nur Mißfallenerregen. Nun kann ein Instrument entweder durchaus obligat gesetzt sein, in wel-chem Falle man das Musikstück ein Concert für dies Instrument nennt (daherauch die Ausdrücke obligat und concertirend, obligate Stimme und Concertstimme,obligater Spieler und Concertspieler oft gleichbedeutend gebraucht werden), oderdasselbe kann nur hin und wieder einzelne Solo- oder obligate Sätze haben, wiedies meistens in Singsiücken der Fall zu sein pflegt. Übrigens kann jedes Instru-ment obligate Sätze vorzutragen haben, etwa den Contrabaß ausgenommen, theilsweil die Solospieler auf demselben sehr selten sind, theils und insbesondere, weil