Odeon
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wichtigste Ausfuhrartikel ist Korn aus der Ukraine . Die Handelshäuser machenihre Unternehmungen entweder auf eigne Rechnung oder in Commission. Im erstenFalle machen sie mit dem Gutsbesitzer den Contract, seinen Weizen ihnen gegeneinen bestimmten, zu gewissen Fristen zahlbaren Preis zu liefern, oder der Gutsbe-sitzer gibt dem Handelshause den Auftrag, seinen Weizen gegen bestimmte (1 bis 2)Procente Commissionsgebühren zu verkaufen. Diese Conkracte werden zum Theilin Kiew während der Contractzeit, d. i. zwischen dem 15. und 25. Jan. a. St., aufdie vorige oder künftige Ärnke abgeschlossen, und die Gutsbesitzer schließen Contract«über 5 — 20,000 Tschetwert (1 Tschetwert beinahe 2 dresdner Scheffel). DasGetreide kommt nach O. meist auf Karren oder Wagen mit Ochsen, die in Zügenreisen und von Zeit zu Zeit Halt machen, um die Ochsen aus den Steppen am Wegeweiden zu lassen, weßhalb die Fracht sehr wohlfeil ist. Ini Sommer sieht man ofteinige hundert Wagen an einem Tage in O. ankommen. Vom Auslande wurdenfrüher Aufträge zum Gelreideeinkauf mit drei vom Hundert gegeben, was aber jetztseltener geschieht, da mehre auswärtige Häuser ihre Einkäufe durch eigne Csmman-diten besorgen, und die zunehmende Mitbewerbung die Commissionen herabgesetzthat. Der Weizen wird nach der Türlei, Italien, Frankreich, Spanien und Eng-land ausgeführt. Trieft, Livorno, Marseille, Barcelona und London sind die vor-nehmsten Plätze, mit welchen O. in unmittelbarer Verbindung sieht. Die übrigenaus der Ukraine gezogenen Gegenstände der Ausfuhr sind Flachs, etwas Bauholzund seit einiger Zeit Talg und Rindshäute, die nach England versandt werden, in-dem man die Häute zusammenheftet und mit Talg ausgießt. Die bedeutendstenEinfuhrgegenstände sind Colonialwaaren und Fabricate aller Art, engl. und franz.Luxuswaaren, besonders in den glänzenden Läden der schonen Straße Richelieu .Von deutschen Handelsplätzen ist Wie» der einzige, mit welchem O. unmittelbareWechselgeschäfte macht; der Speditionsplatz zwischen Deutschland und O. istBrody, wohin alle Briefe zur weiter» Beförderung gehen. Der Handel beschäftigttheils Ausländer, besonders Engländer, Franzosen und Italiener, welche die reichereClasse des Handelsstandes bilden, aber meist mit auswärtigen Häusern in gesell-schaftlicher Verbindung stehen, theils Juten und Armenier. Die Zahl der jährl.ankommenden Schiffe beträgt gegen 800, wovon die Hälfte aus russischen undbeinahe ein Dritttheil aus britischen besteht. Der einheimische Gewerbfleiß ist imWerden; doch gibt es bedeutende Brauereien und Branntweinbrennereien, einigeWollen-, Seiden-, Tabacks- und Lichtfabriken; wahrscheinlich wird ter durch Mit-bewerbung erschwerte Gewinn in, Handel mehr Anregung zum Kunstfleiße geben,da auch die Regierung dieses Streben begünstigt, und kein lästiger ZunftzwangHemmungen bringt. Es sehlt jedoch an Handwerkern, und überhaupt ist dertechnische Kunstfleiß noch weit zurück, da der rohe, nur auf den leichtesten Geld-gewinn gegründete Kausmannsgeist selbst die Ausländer in solcher Befangenheithält, daß für Verbesserungen im Gewerbbetriebe wenig Empfänglichkeit herrscht.Der literansche Verkehr wird theils durch die in ganz Rußland hinsichtlich auslän-discher Geisteserzeugnisse geltenden Beschränkungen erschwert, theils auch durch dieauf einem Handelsplätze gewöhnlichen Verhältnisse wenig ermuntert; doch findetman nicht nur russische Bücher bei mehren Kaufleuten, sondern auch in der voneinem Franzosen (Collin) gegründeten Buchhandlung neue stanz., ital. und selbstdeutsche Bücher. Dem Herzog von Richelieu ward in O. ein Denkmal errichtet.Das Tageblatt: „I.e messuAer clo l-, Ilu^le ineriilionsle", bezieht sich aus ört-liche Handelsangelegenheiten, nimmt aber auch Aufsätze über Landbau, Gewerb-ssamkeit und Künste auf. Im letzten Kriege mit der Pforte kam die Pest nach O.;doch der Gouverneur GrafWoronzoff that ihr durch zweckmäßige Anstalten Einhalt.
O d e o n , O d e u m , bei den Griechen und später auch bei den Römern einzu poetischen und musikalischen Wettstreiten bestimmtes öffentliches Gebäude.Eonversationj «Lexico». Bd. Vlll. 3