Band 
Achter Band. O bis Q.
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Offenbarung 37

wird dieser Überlieferung die Wahrheit nicht absprechen. So wenig als ein Kindohne fremde Nachhülfe in den Besitz der Kenntnisse und Einsichten gelangt, aufwelche esalsMannfortbaut, ebenso wenig konnte dasMenschengeschlecht in seinerKindheit die, wenn auch noch so rohen, Anfänge der Kunst und des Wissens ohneAnleitung finden; und sei iinmerhin diese Anleitung in den Kenntnissen und Fer-tigkeilen, die das sinnliche Wohlsein betreffen, dem Bedürfnisse und Nachahmungs-triebe der Urmenschen durch Gegenstände und Erscheinungen der äußern Natur ge-geben worden, vermochte denn diese Natur auch ihre sittlichen Kräfte in Bewegungzu sehen und ihnen Aussichten in die übersinnliche Welt zu öffnen? Den, gemeinenVerstände, der nur aus sinnlicher Erfahrung erkennt, ist dieWelt ein Räthsel; dasWort dieses Räthsels, die Kunde von Gott und seinem Verhältnisse zu der Welt,konnte nur Gott selbst geben. Was Menschen davon wissen, das hat er ihnen selbstdurch unmittelbare, mündliche Offenbarungen mitgetheilt, ohne die sie entweder nieoder doch nicht so früh und so sicher zu dieser Kunde gelangt wären. Gott aber nahmbei seinen Offenbarungen Rücksicht auf die Fassungskräfte der Menschen, »ach derenallmäliger Entwickelung sich 3 Zeitalter der Offenbarung oder der göttlichen Erzie-hung des Menschengeschlechts unterscheiden lassen. Die frühesten Offenbarungen,un patriarchalischen Zeitalter, sind den Stammältern aller Völker gemein, und ihreStrahlen leuchten durch die Dännncrung aller uns bekannten heidnischen Mythenhervor, die bei näherer Beobachtung als mehr oder weniger wunderlich ausgespon-nene Phantasien über die einfachen Religionsbegriffc der Urwelt erscheinen, und, wasdie heil. Schrift sagt, bestätigen:daß Gott sich nirgends unbezeugt gelassen habe".Rein erhallen und nach und nach vervollständigt wurden diese ältesten Vorbegriffeim Mosaischen Zeitalter durch fortgesetzte Offenbarungen Gottes an einzelne Auser-lesene, die uns die Bibel als Propheten des israelit. Volks von Moses bisMaleachikennen lehrt. Vollendet hat Gott seine Offenbarungen endlich durch Christum, dessenReligion für alle Völker bestimmt und das letzte (s. Inspiration), vollkommenste,bis zum Ende der irdischen Dinge ausreichende Wort GvklcS au die Menschen ist.So hat die Offenbarung das Menschengeschlecht von seiner Kindheit an bis zumMannesalter aiiferzoge» und unterrichtet, und nun, seit 18 Jahrh, aus dieserSchuleentlassen, soll es ini Lichte dieser empfangenen Belehrungen nur dahin arbeite», daßsolches Licht allen Einzelnen kund, klar und heilsam werde. Die Bestätigung die-ses, in der Bibel ausgesprochenen und durchgeführten göttlicben Planes der Men-schenerziehung durch die Offenbarung lesen wir aus den Blättern der Weltge-schichte, wenn wir anders den Geist, der in ihr waltet, verstehen. >L7ie beweist dieMöglichkeit einer unmittelbaren Offenbarung Gottes an das Mensel engeschlecht,indem sie die Wirklichkeit dieser Thatsache darstellt, ebensowie die Welk selbst fürdie Möglichkeit des Wunders ihrer Entstehung durch den Willen Gottes keinenandern Erfahrungsbeweis hat als die Thatsache ihre« Daseins. Weil aber hiervon Beziehungen des Unendlichen zum Endlichen die Rede ist, so wird der gemeineMenschenverstand, für den Ersteres gar nicht da ist, niemals aufhören, die Mög-lichkeit einer unmittelbaren Offenbarung Gottes in Zweifel zu ziehen, zumal dadiese außer den Religionswahrhcitcn, die die Vernunft durch eigne Thätigkeit fin-den könnte, auch noch gehcimnißvolle Lehren (Mysterien) verkündigt, welche derVernunft zwar nicht widersprechend, aber doch unbegreiflich, und daher von Den-jenigen, welche mit ihrer Vernunft, wie unentwickelt sie noch immer sei, das Ge-biet alles wirklichen Seins im Himmel und auf Erden ausmessen, mithin auchnichts Neues Mehr erfahren zu können glauben, kurzweg verworfen worden sind.Gleichwol haben gerade diese theoretisch-unbegreiflichen Religionslehren von ihrerpraktischen Seite so viel Gewicht für das menschliche Herz, daß sie dasselbe, trotzden nachdrücklichsten Warnungen und Bcsehdungen eines sich Philosophie nennen-den seichten und trivialen VerstandeSraisonnements, standhaft festhält. Denn