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Öffentliche Meinung Öffentlichkeit
geoffenba.ten Religion durch die Vernunft zu erweisen, kein andres Ergebniß zu er:warten war, als was sich von selbst versteht, Laß nämlich unsere Erkenntniß undAusübung dieser Religion und der aus ihren Quellen hergeleitete kirchliche Lehrbe-griff einer unendlichen Vervollkommnung fähig sei.
öffentliche M e i n u n g ist die zu einer gewissen Zeit vorherrschen-de Ansicht von den gesannntcn Angelegenheiten der Menschheit, insonderheit denbürgerlichen und kirchlichen. Da nämlich Staat und Kirche die beiden Gesellschaf-ten sind, welche die höchsten Zwecke der Menschheit umschließen, so bildet sich indenselben nach und nach eine, Mehren gemeinschaftliche Ansicht, sowol von jenenZwecken selbst als von den Mitteln, sie zu verwirklichen, und diese Ansicht verbreitetsich mit der steigenden Bildung und mit der Vervielfachung der Berührungspunkieund Mittheilungsmittcl immer mehr, sodaß sie den Charakter einer öffentlichenMeinung annimmt und dadurch zu einer wirklichen Autorität in menschlichen Ange-legenheiten wird. Die Macht dieser Autorität ist zwar eigentlich unsichtbar, weil siegeistig ist; aber sie ist eben darum auch desto wirksamer und kann sogar unwidersteh-lich werden. Im Zeitalter der Reformation war es öffentliche Meinung, daß dieKirche an Haupt und Glieder» verdorben sei und einer gründlichen Verbesserung -bedürfe. Darum gelang das Werk der Reformation, trotz dem Widerstände desOberhauptes der Kirche und seiner Anhänger. In unsern Zeiten scheint es öffent-liche Meinung, daß die curop. Staaten einer freien oder stellvertretenden Verfas-sung bedürfen, wodurch die Gewalt der Herrscher in gesetzliche Schranken einge-schlossen werde. Was das -Organ der öffentlichen Meinung anlangt, so ist dies jetztallerdings die Presse, weil durch diese allein der schnellste Gedankenvcrkehr im Gro-ßen vermittelt wird. Indessen würde man sehr irren, wenn nian glauben wollte,daß es vor Erfindung dieses künstlichen Organs gar keine öffentliche Meinung gege-ben hätte. Denn dieses Organ bezieht sich aus ein andres, die Schrift, und dieseswieder auf die Rede, welche eigentlich das ursprüngliche und natür'iche Organ allerMeinungen, also auch der öffemlichen ist. Daher hatten auch Griechen und Rö-mer und die gebildete» Völker des Mittelalters ihre öffentliche Meinung; nur warsie nicht so verbreitet, nicht so entwickelt und ausgebildet, wie es jetzt mittelst derPresse ist. Dies ist auch der Grund, warum despotische Fürsten, welche sich vor derMacht der öffentlichen Meinung fürchten, von jeher nichts Angelegentlicheres ge-habt haben, als die Presse in möglichst engen Schranke» zu halten. Denn da dieöffentliche Meinung nur aus einem freien Gcdankenverkehr hervorgeht, und dieserVerkehr ihr wahrer Lebensguell ist, so pflegt sie Den zu tadeln, der diesen Ver-kehr stört und seine besondere Meinung mit Gewalt zur öffentlichen erhebe»will. Darum hat auch die öffentliche Meinung von jeher die Freiheit zu denken, zured n und zu schreiben in Anspruch genommen. Talleyrand bemerkte in einer Redein der Pairskammer 1821: „Ich kenne Jemand, der mehr Kopf hat als Napo-leon, Voltaire und als alle Minister, die da waren und »och kommen werden.Dieser, Jemand ist die öffentliche Meinung".
-Öffentlichkeit, eine der ersten Bedingungen einer wohkeingerichtetenStaatSgesellschafr. Das, was alle Theilhaber der Gesellschaft betrifft, »Nisse» Alleauch wissen, insofern die Kenntniß desselben ihres Amtes ist. Aber eben die wichtig-sten Angelegenheiten sind ihres Amtes, nämlich die, welche den Geldhaushalt derGesellschaft betreffen. Jeder will wissen, wie das Geld, das er in Staarssteuerngibt, verwendet wird. Was die diplomatischen Geheimnisse der Minister betrifft,so könnte deren Bekanntmachung oft unangenehme Spannungen mit befreundetenMächten veranlassen. Daher werden diese den Abgeordneten des Volks gewöhn-lich erst dann vorgelegt, wenn die Verhandlungen geendet find; und ein besondererAusschuß untersucht die daraufDezug habenden Papiere, ohne sie indeß durch denDruck bekanntjumachcn. Die Öffcntlichkcit betrifft also nur die Angelegenheiten