L) st t n d e, eine befestigte gutgebaute Stadt ini Königreich der Niederlande,Provinz Westflandern, mit 11,000 Einw. und einem Hafen an der Nordsee , inwelchen größere Schiffe nur mit Hülfe der Flut einlaufen können. Rathhauü undBörse sind ansehnlich. Die Festigkeit der Stadt wird dadurch befördert, daß sieunter Wasser gesetzt werden kann. Sie ist merkwürdig wegen der Belagerung, dievon 1801—4 dauerte und damit endigte, daß die holländische Besatzung sichan den spanischen General Ambrosius Spinola ergeben mußte. Die hier 1723von Kaiser Karl VI. angelegte Handelsgesellschaft erregte die Eifersucht der Eng-länder und Holländer und mußte nach dem wiener Vertrage 1731 aufgehobenwerden. 1745 zwang der franz. Marschall v. Löwendahl die Stadt binnen 10Tagen nach Eröffnung der Laufgräben zur Übergabe, und sie blieb bis zum aachnerFrieden 1748 in franz. Besitz. 1757 vertraute Maria Theresia die Bewahrungdes Platzes einer franz. Besatzung an. Joseph II. erklärte Ostende 1781 für einenFreihafen, wodurch die Handelsthätigkeit und die Anzahl der Fremden sehr ver-mehrt wurden. Der Krieg zwischen Frankreich, Holland und England trug da-mals viel zur Aufnahme des Orts bei. Noch lebhafter wurde das Gewerbe derStadt in den ersten Jahren des RcvolutionSkriegeS; als aber die Franzosen sich inden Niederlanden behaupteten, blockirten die Engländer den Hafen. Jetzt begün-stigen den Handel Canäle, welche Ostende mit Gent, Brügge und Nieuport ver-binden. Auch hat L>. eine Handelskammer, ein Handelsgericht, em Seebad,Schiffbau, Linnen-, Segeltuch - und Tabacksfabriken.
Osteolith, Knochenversteinerung. (S. Geognosie u. Urwelt.)
Osteologie, die Knochenlehre, ein Theil der Anatomie (s. d.).
OstercykluS, s. Calender.
Ostermann (Heinrich Johann Friedrich, Graf). Dieser russ. StaatS-minister war der Sohn eines luther. Geistlichen in Bockum , einer Stadt in der Graf-schaft Mark. Nachdem er in Jena studirt hatte, trat er 1704 in die Dienste des rus-sischen Diceadmirals Eruys, eines geborenen Holländers, der ihn dem Monarchenempfahl. Alle Regenten Rußlands , denen O. diente, sehten das vollkommensteVertrauen in ihn. Zn Gemeinscbaft mit Katharinen und Scbaphiroff zog er denKaiser am Pruth aus der gefährlichsten Lage. Mit nicht mindererGeschicklichkeitunterhandelte er 1721 den nvstädter Frieden. Peter selbst gab ihm das Zeugniß,daß er nie einen Fehltritt in Erfüllung seiner Pflichten gethan, ernannte ihn zumGeheimenrath und erhob ihn in denFreiherrnstand. Unter der Regierung Katbari-na'Sl. wurde O.Reichsvicekanzler und wirkl.Geheimerrath. Aufihrem Sterbebetteernannte sie ihn zum Oberhofmeister ihres Nachfolgers, Peter H., und zum Mit-gliede des Raths, der während der Minderjährigkeit des Prinzen die Regierung füh-ren sollte. O. leitete die Erziehung des jungen Kaisers nach bester Einsicht undschrieb für ihn den bekannten vortrefflichen Studienplan. Er erhielt dafür von sei-nem Zöglinge, der in seinem 15. Z. starb, 1730 die Grafenwürde, Die KaiserinAnna machte ihn zum Cabinetsminister. Da aber seinem hellen Blicke die Verwir-rung und der Parteigeist, welche am Hofe immer mehr zunahmen, keineswegs verbor-gen blieben, so suchte er sich durch Zurückgezogenheit, die er mit Kränklichkeit ent-schuldigte, vordem drohenden Ungewikkcr zusichern, und erschien nur, wenn in wich-tigen Fällen die Monarchin ausdrücklich s. Rath hören wollte. Nach ihrem Tode,1740, wollte er ganz abtreten, aber der Herzog v. Kurland , damaliger Regent, hieltihn zurück. Die Regentin Anna, des Kaisers Mutter, ernannte ihn zum Großadmi-ral. Als ein eifriger Freund Preußens hatte er mächtige Große, unter diese» den Ge-mahl der Regentin, den Prinzen Anton Ulrich v. Braunschweig , welche sämmtlichder östr. Parkei anhingen, zu Gegnern; allein s. Stellung schien gesicherter zu sein,nachdem er, um der Regierung mehr Festigkeit zu geben, Denjenigen beigetreten war,welch« die Großfürstin und Regentin Anna selbst auf den russischen Thron setzen