Pantomime 231
sich zugleich mit Bestimmtheit und mannigfaltigem Ausdruck als ein sichtbares(Kauzes darstellen lästt. Er kann übrigens aus der (beschichte und Mythologie ent-lehnt, oder ein wirklich erdichteter, z.B. ei» allegorischer sein; er kann ferner nachder herrschenden Stimmung, welche die Handlung ausdruckt und bewirkt, ernstoder scherzend, naiv oder sentimental, und in der Behandlung bald strenger gebun-den , bald wunderbar und phantastisch gebildet sein. EiacntlicbeTragödie aber kanndie Pantomine ebenso wenig als bürgerliches Schauspiel sei». Gebärden näm-lich können nie den strengen Zusammenhang haben, welchen die erstere ersodert;auch sind sie mehr der Ausdruck des lebhaften Gefühls als der Gesinnung und derGedankenwelt. Darum ist auch die Handlung der Pantomimen cinesrheils mehrlyrischer Art (als eine Reihe von Geftihlszuständen), anderntheils mehr äusserlich,d.h. für das Auge bestimmt; dahingegen der Kampf des Gemüths mit einer höher»Nothwendigkeit, welcher doch die Grundlage der Tragödie zu sein schemt, wederäusserlich angeschaut noch lediglich durch Gebärden angedeutet werten kann. Ver-hältnisse des bürgerlichen Lebens aber können durch die Pantomime nur scherzendaufgefaßt werden, oder sie werden durch die Gebärde unwillkürlich verspottet, dasie, sofern sie conventionnell sind, ohne Sprache ihre Bedeutung und ihren Reizfast gänzlich verlieren. Am angemessensten sind daher der Pantomime bei ernsterund scherzhafter Behandlung die allegorischen, idyllischen und phantastischen Stoffe,weil diese ihrer Natur nach eine Handlung von sichtbarer Bedeutung am meistenverstatten. Was das Darstellungsmittel der Mimik, die Gebärden selbst, betrifft,so müssen diese, um zur ästhetischen Form erhoben zu werden, nicht nur sprechend,deutlich, mannigfältig und in Beziehung auf das Darzustellende vollkommen ent-sprechend, sondern auch in ihrem Wechsel und ihrer Folge dem Gesetz übereinstim-mender und wohlgefälliger Bewegung angemessen sein. Theils um diese rhvth-mische Bewegung zu begleiten, theils um den Ausdruck der Gebärden zu ergänzenund zu verstärken, und das Ohr, ohne die Selbständigkeit der Mimik aufzuheben,zugleich mit dem Auge zu beschäftigen, hat man fast überall für nöthig gefunden,mit der Pantomime Musik zu verbinden. Die Musik muß in diesem Falle nichtzu ausgeführt, sondern gedrängt und charakteristisch sein.— Allein die Eurhythmieder Gebärdensprache ist noch nicht strenge rhythmische Bewegung des Körpers,welche mittelst der Füße bewirkt wird. Letztere ist Tanz, welcher fteilich in seinerVollendung nicht ohne wechselnde Gebärden zu denken ist. Wenn durch minnschcnTanz ei, e Handlung dargestellt wird, so entsteht das Ballet. Das Ballet istdaher »inner pantomimisch (ohne -Lprache), wiewol die rhythmische Bewegung desganzen Körpers die Anwendung der Gebärden beschränkt; aber die Pantomimekann auch ohne Tanz sein und wird dann im engsten Sinne Pantomime genannt,denn sie drückt hier Alles durch Gebärden im strengsten Sinne anS. DiePantomimehat den Zweck, die lebendige Menschengestalt übeichaupt in ihrer charakteristischenBedeutsamkeit, dasBallet die reizende Bedeutsamkeit und Fülle wechselnder K örper-formen in harmonisch gemessener Bewegung, in poetischer Mannigfaltigkeit unddramatischer Entwickelung zu zeige». Der Ausdruck pantomimisches Bal-let ist daher entweder ein Wortüberfluß, oder bedeutet ein solches Ballet, in wel-chem streng rhythmische Körperbewegung (Tanz) mit der Darstellung durch Ge-bärdensprache ohne dieselbe abwechselt. Dieser Art sind die meisten Ballett. Pan-tomimen im engern Sinne sind dagegen weit seltener, da die poetische ErsindungS-kunst in diesem Kreise ebensowol als das mimische Talent, welches beim Tanze mehrzurücktritt, heutzutage selten geworden ist, die Tanzkunst hingegen schon dadurch,daß der Tanz zugleich gesellschaftliches Vergnügen ist, zu ihrer Ausbildung mehrVeranlassung erhält. Ausführlicher hat die Theorie der Pantomime Eeidcl imI.Bde. s. „Eharimomos" (Magdcb. 1825) vorgetragen, wo auch Skizzen vonPantomimen mitaetheit weichen. Auch bei den Griechen war jene Trennung der