Band 
Achter Band. O bis Q.
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338 Pedant Pegasus

Pedant ist Der, welcher steif an einer gewissen beschränkten Form, Regeloder Ansicht hängt und mithin der Freiheit des Geistes im Beurtheilen und Han-deln keinen Einfluß gestatten will. Pedanterie oder Pedant ismus ist daherdas ängstliche Hängen an gegebenen Formen oder Ansichten. Der, sagt Kant,dessen Verfahren mit Dem, was er gelernt hat, den Zwang der Schule (alsoMan-gel der Freiheit im Selbstdenken) verräth, ist der Pedant, er mag übrigens Ge-lehrter oder Soldat, oder gar Hofmann sein. Dies und die Erfahrung, daß indem Kreise der Gelehrten die Pedanterie ani häufigsten anzutreffen ist, und nament-lich unter Schulmännern und Sprachforschern, deren Wirkungskreis den meistenKleinigkeitsgeist (Mikrologie) begünstigt, am leichtesten einheimisch wird, scheintuns der Grund zu sein, warum man jenen Ausdruck im Deutschen durch Schul-fuchs überseht, und unrer einem Pedanten vorzugsweise einen gelehrten Pedantenzu verstehen pflegt. Der angeführte Denker sagt sehr schonend von dem letztem,er sei noch der erträglichste Pedant, weil man doch Etwas von ihm lernen könne,dahingegen die Peinlichkeit in Formalien (Pedanterie) bei jenen (d. i. bei Hofleutenund Soldaten) nicht allein nutzlos, sondern auch wegen des Stolzes, der dem Pe-danten unvermeidlich anhängt, obenein lächerlich werde, da es der Stolz einesIgnoranten sei. Indessen ist es doch traurig, eine solche Derkrüppelung des Gei-stes an Denen wahrzunehmen, deren Aufgabe die geistige Ausbildung ist, und einängstliches Hängen an der Form gerade da zu finden, wo Freiheit und geistigeSelbstthätigkeit am meisten erwartet wird. Auch schadet die Beschränktheit desPedanten oft mehr, als all sein Wissen nützen kann. Darum aber muß man nichtvag und in seinem Wissen oberflächlich sein, um dem Tadel der Pedanterie zuentgehen. Gelehrter Pedant ist aber nicht nurDer, welcher den Gegenstand seinesWissens nur nach der strengen Regel betreibt (Formalist), sonder» auch Derjenige,der überhaupt Alles nach den beschränkten Ansichten seines Faches betrachtet undzu formen sucht, auf andre Gegenstände und Wissenschaften von dem Stand-punkte der sinnigen vornehm und stolz herabsieht, oder in blinder, selbst gurmüthi-ger Eingenommenheit für die Gegenstände seines Wissens die freie unbefangeneWürdigung andrer verloren hat, sowie endlich auch Derjenige, der seine Schul-gelehrsamkeit auskramt, wo sie nicht hingehört, besonders in dem gesellschaftlichenLeben, und wo eS nicht dem Wissen, sondern dem Handeln gilt. Einseitigkeit biszum Kleinlichen und Geschmacklosen, Ängstlichkeit bis zum Mechanismus, steifeBedächtigkeit im Handeln bis zur lächerlichen Unbeholfenheit in schwierigen undüberraschenden Fällen, Stolz, Eitelkeit und festgewurzelte Vorurtheile gegen allesFremdartige sind die gewöhnlichen Züge des Pedanten; dagegen Liberalität derDenkungsart, gesundes, vielseitiges Urtheil, Witz und Geschmack, Freiheit imHandeln und praktischer Takt ihm fremd sind. I .

Pedell (beäell»5, vom Sächsischen iüüelo, wovon auch Büttel, ein Aus-rufer, Bote), ein Diener öffentlicher Behörden, besonders bei den Universitätennoch üblich.

Pegasus, das beflügelte Roß der Alten, welches Medusa gebar, nach-dem Neptun (in Roßgestalt) auf einer blumigen Flur sich mit ihr vermischt hatte.HesioduS erzählt, als Perseus die schwangere Medusa enthauptet habe, seien ausihr hervorgesprungen Chrysaor (ein Riese) und das Roß Pegasus (Andre sagen, essei aus ihrem Blute entsprossen), so genannt von den Quellen Quellroß)

des DceanS, an welchem es geboren war. Gleich nach der Geburt lassen einigeDichter den Pegasus von der Erde zu dem Sitze der Unsterblichen aufsteigen, wo erDonner und Blitz des Zeus trägt. Auf ihm reitend, erlegte Bellerophon, nachPindar, die Chimära und bekriegte glücklich die «olvmer und Amazonen. Bei denSpätern ist die Fabel des Pegasus noch ausgeschmückter. Er ward nach Korinth an die Quellen der Pyrene versetzt, wo er wild umherschwärwte und von Belle-