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Perspective (Luft.)
Gegenstände, nach dem Verhältnisse ihrer Entfernung gegen den Sehenden, zu-rückwerfen, und zeigt- wie diese Gegenwinde sich im Fatbenton abstufen, nachdemVerhältnisse der Zwifthenluft, welche dieselben voni Auge des Beschauers sondert.Wenn wir in eine weite Ferne blicken- so sehen wir nur die allernächsten Gegen-stände in ihrer wahren Farbe und ungeschwächten Beleuchtung. An den entfern-tem mischen sich - nach dem Verhältnisse der zunehmenden Entfernung, Licht undFarbe mehr und mehr mit der Farbe der von Dünsten erfüllten Luft, die wie einunendlich zarter Duft alle Gegenstände umfließt- bis diese am fernsten Horizontganz in den bläulichen Luftton verdämmern, sodaß wir nur noch ihre Hauptformenwahrnehmen, indem ihre Farbe mit der Luftfarbe verschmilzt. Das Verhältnißdieser Abstufung richtet sich nach der größer» oder geringern Reinheit der Luft. Zemehr diese mit Dünsten geschwängert ist, desto stärker, je reiner sie ist, desto sanf-ter und unmerklicher sind die Abstufungen der Haltung, in welcher die Gegenständeerscheinen. Bei der Luftperspective schwächen sich die Tinten, wie bei der Linear-perspective die fliehenden Linien sich verkürzen. Besonders erhalten die beleuchtetenTheile des Gegenstandes gebrochenere, schwebendere Farbentöne; der beschattetenSeite kommt oft der Widerschein oder Reflex zu Hülfe. Ist der Grüd der Dich-tigkeit der Luft gegeben, so lassen sich auch die Grade dieser Abstufungen bestimmen,denn sie erfolgen nach eben den Gesetzen, wie die Abstufung der Große in der Li-nearperspeckive aus einem gegebenen Abstandspunkte. Da aber diese Grade sichdoch nicht so mathematisch genau angeben lassen, wie in der Linienperspective, somuß der Künstler den Maßstab dafür im Auge haben, und erlangt ihn durch auf-merksames Beobachten dieser Wirkung in der Natur. Durch die Luftperspectivein einem Gemälde wird zweierlei bewirkt: erstens, daß jeder Gegenstand, nachMaßgabe seiner Entfernung vom Auge, in Farbe und Beleuchtung den Grad vonDeutlichkeit erhält, der ihm auf seiner Stelle gebührt; zweitens, daß die verschie-denen Löcaltöne sich in einen Hauptton vereinigen, welcher nichts Andres ist, alsdie allgemeine Farbe der Luft und des sie durchströmenden Lichts, welche sich zwi-schen dem Auge Und dem Gegenstände befindet. Die Löcaltöne der Gegenständewerden durch die Farbe des allgemeinen Tons der Luft mehr oder weniger gebrochen,nachdem dieser selbst Mehr oder weniger gefärbt ist. Die Farbe der Luft ändert sichaber nach dem Stande des Sonnenlichts und nach der Beschaffenheit der im Lust-raume aufgelöst schwebenden Dünste. Der Maler wählt für seinen Hauptton dieFarbe, welche der Hauptempfindung und dem Charakter, welcher in jenem Ge-mälde herrschen soll, ani gemäßesten ist. Aber was für einen Hauptton er auchwählen mag, so muß die Haltung doch immer nach denselben Gesetzen erfolgen,und dieselbe optische Wirkung, nämlich den Schein des verhältnismäßigen Hervor-rretens und ZurückweichenS der Gegenstände und die harmonische Verschmelzungaller Töne in einen Hauptton, bewirken. Eine richtige Haltung (s. d.) ist zurWahrheit und Schönheit eines Gemäldes gleich unentbehrlich. Sie gibt ihm dentäuschenden Schein der Wirklichkeit und die reizende Harmonie der Natur. Beider Landschaftsmalern ist die Luftperspective besonders nothwendig. Die altdeut-sche und die altitalienische Schule bis aufPietro Perugino entbehren sie fast ganz.Für Anfänger ist Dalencienne's „Praktische Anleitung zur Linear - und Luftperspec-tive" (aus dem Franz. vonMeynicr, mit36Kpftn., Hof1863) deutlich und an-schaulich. Theoretisch, nach geometrischer Methode sind Segncr's „Anfangs-gründe der Perspective" (Berl. 1779). Für Künstler, welche die Theorie nichtbrauchen wollen, ist Mönnich's „Versuch über die Perspective" (Berl. 1794).Noch hat man von Bürja: „Der mathematische Maler" (Berl. 1795); vonWerner eine praktische „Anweisung, alle Arten von Prospecten selbst ziehen zu ler-nen" (Erfurt 1781); und von Zacoby eine „Praktische Anleitung zur Perspek-tive" (mit Kpfrn., Leipz. 1821).