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Pest
Iosephus geschildert. In Rom herrschte die Pest 77 unter Despasian, unterMarcAurel170, wo sie fast ganz Europa und 2lsien durchzog; unter Commodus 189,und vorzüglich unter GallienuS 262, wo in Rom in einem Tage allein an 5000Menschen gestorben sein sollen. Seit diesen Zeiten zog die Pest immer in Italien ,Griechenland, Asien und Afrika herum und brach vorzüglich in volkreichen Städtenaus, z. B. in Konstantinopel unter Iustinian 644, wo an 1000 Todtengräberzur Beerdigung der Todten nicht zugereicht haben sollen. Diese fürchterliche Pestsehte ihre Verwüstungen 50 Jahre mit nur kurzen Unterbrechungen fort; 565 er;schien sie als0(!5tiü ingnin-iria in Trier, 588 in Marseille . Im 7. Jahrh, war siein Sachsen. 823 warsiein ganz Deutschland , und875 — 77 besonders in Lachsenund Meißen äußerst verheerend; ebenso 964. Im 11. Jahrh, brach sie wenigstens6 Mal m Deutschland , meist nach oder mit Hungersnoth, so heftig aus, daßmanglaubte, die Gottheit wolle das ganze Menschengeschlecht vertilgen. Weil man sieübernatürlichen Einflüssen zuschrieb (zuweilen hatte man die Juden in Verdacht,als wenn sie durch Vergiftung der Brunnen w. sie verursacht hätten), so dachteman noch immer nicht an kräftige Vorkehrungen zu ihrer Unterdrückung. Im12. Jahrh, hielt sie wol über 25 Jahrein Deutschland an; im 13. brachten die vonden Kreuzzügen zurückkehrenden Soldaten sie nach Europa und Deutschland . 1247—50 durchwanderte sie ganz Deutschland als sogen, schwarzer Tod, in welcher Hefttigkeit und Ausbreitung sie später nie wieder erschien. Im 15. Jahrh, raffte sie1406 in Sachsen, besonders in Meißen, 1420 in Augsburg, 1429 wieder in Leip-zig u. a. viele Menschen weg; in der zweiten Hälfte dieses Jahrh, wüthete sie inganz Europa, z.B. in Paris, 1450 in Dresden, 1451 in Köln , in Mecklenburg,besonders in Roftockw., 1463 in Thüringen und 1472 beinahe in ganz Sachsen ,später in den Niederlanden , und war durch schreckliche Zufalle ausgezeichnet. DieGeschichtschreiber der damaligen Zeit stellen uns die grausendsten Gemälde mensch-licher Noth und Härte auf. Im 16. Jahrh, herrschte die Pest wieder in ganzDeutschland, 1504 in Sachsen, besonders in Leipzig , wo sie auch 1519 wiederaufloderte, 1533 in Nürnberg, 1535 in Augsburg, 1540 in Dresden , 1541in Wien, 1547 in Ulm, Lübeck w., 1598 in Freiburg . Zugleich verbreitete sicheine schon im 15. Jahrh, aus England nach Deutschland gebrachte pestartigeKrankheit, der englische Lchweiß, durch die Seestädte in das Innere von Deutsch-land, die Niederlande, Frankreich und Italien . Ungeachtet mehre Anstalten ge-troffen, z. B. Pesthäuser errichtet wurden, so herrschte die Pest doch noch das17. Jahrh, hindurch in Deutschland, namentlich in Lachsen, vorzüglich in Leipzig von 1607 mehre Jahre, abermals 1624, 1630 und 1632; in Dresden 1632und 1633; 1637 in Meißen; 1644 in Leipzig ; 1666 und mehre Jahre in denRheingegenden; 1680 abermals in Sachsen, namentlich in Leipzig . Da in denGegenden des Orients, in Griechenland , der ganzen europäischen und asiatischenTürkei die Pest nie ganz aufhört, so kam sie durch den Handel im mittelländ. Meereunaufhörlich nach Italien, Frankreich und Deutschland, sowie durch Ungarn, Polen ,Siebenbürgen . Die Grenzcordons und die Quarantainen in den Seestädten wur-den anfangs nicht so streng beobachtet; so wurde noch 1720 durch ein levantischeSSchiff die Pest in Marseille und in der ganzen Provence verbreitet. 1795 und1796 hatte sie sich über die türkischen Grenzländer und weiter ausgedehnt; ihrwurde aber bald durch Arzte, wie Schraub und Hildenbrand, und thätige Vorkeh-rungen der Regierungen Einhalt gethan. (S. des Erstem „Geschichte der Pest inSirnuen".) Zuletzt brach sie 1816 in der neapol. Stadt Noja aus.
Die ältesten Völker glaubten durch Opfer, die Christen durch Processionenund Gebete die Pest zu entfernen. Die alten Ärzte versuchten mancherlei Metho-den; aus dieser Zeit schreiben sich viele schweißtreibende Mittel her. Durch dieForschungen und die Aufopferung vieler würdigen Ärzte ist man jetzt der Natur