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Achter Band. O bis Q.
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Phantasie ^

in der Wirklichkeit gefunden werden mag, so wird das S innliche an ihr sich doch aufFunden, Töne, das (Geistige auf die innern Veränderungen unserer Seele und unsereVerhältnisse zur Welt beziehen. Sehr richtig sagt daher Kant in seiner ..Anthropo-logie": „Wir können uns für ein vernünftiges Wesen keine andre Gestalt als schick-lieb denken als die Gestalt eines Menschen. Daher macht der Bildhauer oderMaler, wenn er einen Engel oder Gen darstellen will, jederzeit einen Menschen.Zede andre Figur scheint ihm Theile zu einhalten, die sich seiner Idee nach mirdein Bau eines vernünftigen Wesens nicht vereinigen lassen (als Flügel, Krallen,Hufe :c.); die Größe dagegen kann er dichten, wie er will. Ebenso bleiben wirauch bei dem allgemeinen Typus unsererPflanzen- und Thierwelt stehen, wenn wirdie srlbstgeschaffcne Welt der Dichtung beleben und bevölkern wollen". Die Stoffeund Grundformen der körperlichen und geistigen Natur werten mitbin der Phan-tasie von der Natur gegeben; von ihr wird die Phantasie in ihrem Wirke» ange-regt. 'Aber nur die nachbildende Einbildungskraft hält sich näber an die Erfahrung;die Phantasie erhebt sich über die Erfahrung. Sie äußert sich nämlich 1) als Eoin-binatiousvermögcn, indem sie gegebene Formen, mehr oder weniger willkürlichoder originell, zu neuen Bildern, denen kein Erfahrungsgegenstand durchaus gleicht,verbindet. Unwillkürlich nämlich wirkt sie, wo man den Gedanken mehr leidendüberlassen ist, lind die Vorstellungen sich nach den, Naturgesetz der Vergesellschaf-tung gleichsam von selbst zusammenfinden, besonders wenn die erregte Nerve,i-rhätigkeit auch ohne Anregung der Sinnesorgane Bewegungen in der Seele hervor-bringt. Der Traum (wo jedoch die Einbildungskraft sich oft auch reproducriv äußert)und der durch geistige Getränke bewirkte Rausch, das sogenannte Phantasiren derFieberkranken, die Träumerei des Wachenden, welcher der Phantasie sich so un-umschränkt überläßt, daß er nur seinen Einbildungen nachhängt, und sie auf wirk-liche Erfahrungen überträgt, sind solche Zustände. (S. Pkankasmcn.) Zn denletzter» Fällen wird jedoch nicht alle Willkür und alles Selbstbewußtsein aufgeho-ben, wie bei den Geisteskrankheiten höherer Grade oder im starken Rausche der Fallist, bei welchen! eine unumschränkte Herrschaft der Einbildungskraft und Verwech-selung der eingebildeten mit der wirklichen Welt eintritt. Mit Willkür und Be-wußtsein äußert sich die Phantasie, wenn sie entweder zu einem bestimmten ZweckeVorstellungen zu neuen Bildungen verbindet (wie bei der Erfindung solcher Gegen-stände, welche den sogenannten nützlichen Künsten angehören, z. B. gewisser Ma-schinen), oder ohne einen solchen Zweck zu haben, sich gleichsam den Eingebungeneines höher» Geistes überläßt und nach diesen ein anschauliches Ganzes bildet.Dort wird sie noch durch den Verstand (das Vermögen der Zwecke) beherrscht; hierwirkt sie herrschend in dem Chöre der Geisteskräfte und wird in vorzüglicher Bezie-hung auf Poesie das Dicbtungsvermö gen genannt. Sie ist aber auch 2) dasVermögen der Grundanschauungen (des Raumes und der Zeit, der Gestalt, Dauer,des Grades, der Zahl w.), welche Vorstellungen uns nicht durch Erfahrung gege-ben werden; daher sie auch reine Anschauungen heißen, und die Einbildungskraft,insofern sie Quelle derselben ist, transcendental genatmt wird. Ohne dieseAnschauungen wären die Combinationen der Phantasie unmöglich, daher sie imVorzüglichen Sinne productiv ist.

Die Phantasie schließt sich an die gegebenen Gegenstände noch näher an, wennsie dieselben in der Vorstellung bloß vergrößert, verkleinert oder wiederholt vorstellt.Hieraus erklärt sich wol der Hang vieler Menschen von großer Einbildungskraft zuUebertreibungen; ebensowie die Phamasie, durch Neigungen und Abneigungen (z.B.Neid) angeregt, auch absichtlich oder unabsichtlich gewisse Gegenstände verkleinert.Mehr entfernt sich die Phantasie von den Sinnesanschauungen, wenn sie die Ge-genwände selbst oder ihre Theile in andrer Ordnung zusammenstellt, oder wenn sieTheile verschiedener Gegenstände in ein Bild faßt und ihre Eigenschaften und Ver-