Band 
Neunter Band. R bis Schu.
Seite
253
JPEG-Download
 

253

Rheinschifffahrt und -Handel (181618)

ihr einzusetzende unmittelbare Verwaltung der Rheinschissfahrt leiten; 3) endlichals oberstes administrativ-gerichtliches Collegium, mehre ihr ausdrücklich zugewie-sene Fälle untersuchen und entscheiden, (gleichfalls, aber vorübergehend und a»keinen gewissen Zeitpunkt gebunden, erhielt sie die Bestimmung, das PensionS-wesen sowol der alten Rheinzoll-, als der seit 1804 angestellten Rheinschifffahrts-beamten zu liguidiren und den Etat definitiv abzuschli-ßc», auch Alles, was dieauf das RheinschifffahrtSoctroi angewiesene Renten betrifft, in Ordnung zu brin-gen. Die Commission hielt ihre erste Sitzung zu Main ; am 15. 'Aug. 1818.Sie führte die Verhandlungen in franz. Sprache. Unter den nach und nach auftre-tenden Bevollmächtigten machte sich bald der bairische Staatscommissiair v. Naubemerklich. Die natürliche politische Stellung der einzelne» Commissionsgliederdeutete auf einen Verband zwischen den Commissairen von Preußen, Hessen undBaden, vermöge ihres gleichförmigen Staatsinteresse. In Frankreichs und Hol-lands Bevollmächtigten logen, obwol sie die Zukunft als Seehandels-Nebenbuhlerbezeichnete, manche Assimilirungsstoffe. Den beiden andern Commissairen bezeich-nete die nautisch.mercantilische Politik eine neutrale Stellung als ihre regelmäßigeBahn. Ganz anders gestalteten sich dagegen 2 Parteien, theils durch den gehei-men GeschäftSeinsiuß des ehemaligen Generaldireckors Eichhof, theils durch per-sönliche Vei hälrnisse der einzelnen Commissaire. Der bairische Commissair hielt sichmit seinem Scharfsinne ganz richtig m der Mitte. Preußen fand sich säst isoln >;doch schmiegte sich nach und nach Hessen , nach einem richtigen diplomatischen Tak-te, an diese» kräftigen und preiüwürdigen Verfechter der deutschen Schifffahrtsfrei-heit gegen den niederländischen SchifffahrtS - und Handelömonopolientruck. Derehemalige RheinschifffahrtSdirector trug, stakt, seiner eigentlichen Bestimmung undseinem frühern Amte gemäß, der Gemeinschaft z» dienen, das niederländisch -fran-zösische Panier. Der Ccntralcommission blieb daher an deni geraden, besondersin der Comptabilität der Rheinschifffahrisadminisiration sehr geschickten und erfah-renen Generalsecrctair Hermann ihr einziger, allem Parreigeiste fremder, ihr un-mittelbare Dienste leistender Beamter. Zm ersten, anderthalb Zahre daueiii-den Acte der RheinschifffahrtSverhandlungcn erblickt man, ohne vorhergegangeneVereinigung über die anzunehmenden Grundlagen, siebenfache Entwürfe einer in-terimistischen Znstruction. Nur darin hatten alle, welche von den Gliedern derniederländischen Partei auSsiossen, oder auf welche der Generaldirector Eichhofeinen Einfluß ausübte, eine gemeinschaftliche Tendenz, daß, gänzliche Aufhebungdes Stapels zu Mainz und Köln noch vcr der definitiven Übereinkunft eintretensollte. Was hätte aber, muß hier jeder Unparteiische fragen, die niederländischeRegierung noch auf dem Rheinstrome zu suche» gehabt, wenn ihr der diplomatischeKunstgriff, durch Stapelaufhebung auf einmal Alles in Allem schon während desprovisorischen Zustandes zu gewinnen, wirklich geglückt wäre? Die deutschen Rhein-uferstaaten hätten das ganz gleichgültige Recht, ihre Schiffe etwas weiter auf demRheine , d.h. aus der holländischen Strecke, fahren zu lassen, mit dem Verluste desgrößten Theiles ihrer bisherigen Handelsschifffahrt erkaufen, sich von den hollän-dischen Zwischenhändlern alle über die See bezogene Güter direct bis an die äußersteGrenze des Rheins zuführen lassen, alle vormals besessene und in dem pariser Frie-den beabsichtigte mercantilische Dölkerperbindungen und Benutzung der ursprüngli-chen Märkte aufheben, dennoch schwere Abgaben in Holland bezahlen und in demSacke, welchen es an den Rheinmündungen zuschnürt, für immer stecken bleibenmüssen. Nur ein glücklicher Zufall und Preußens guter Genius bewahrte Deutsch-land vor einem so verderblichen provisorischen Zustande, der vielleicht ein halbesJahrh, gedauert haben würde. Glücklicherweise hatte nämlich der niederländischeCommissair den Muth nicht, den siebenten, schon von der Majorität der Central-commission (wahrscheinlich um nur zu irgend einem Resultate zu gelangen) accep-