Band 
Neunter Band. R bis Schu.
Seite
274
JPEG-Download
 

274

Rhtgas

hellenischen Freiheitskämpfer, geb. um 1753 zu Vekestini, einer kleinen Stadt inThessalien, zeichnete sich durch Fassungskraft und Thätigkeit schon auf den Lchu-len seines Vaterlandes aus. Da er nicht reich genug war, um unabhängig denWissenschaften leben zu können, so widmete er sich dem Handel, ging nach Buka-rest und trieb daselbst bis 1790 theils Handelsgeschäfte, theils seine Lieblingsstu-dien. Auch war er Secretair des Bojaren Nieolo Brankovano. Der Umgang mitausgezeichneten Männern von verschiedenen Nationen und die Benutzung ausge-wählter Bücherfammlungen trugen zu seiner Bildung viel bei. Die alte griechischeLiteratur entflammte seine Einbildungskraft. Latein, Französisch, Italienisch undDeutsch waren ihm gleich geläufige Sprachen; er schrieb griechisch und Franzö-sisch, war zugleich Dichter und Tonkünstler. Am liebsten beschäftigte er sich mitder vergleichenden Geographie. Damit verband er das tiefste, leidenschaftlichsteGefühl für sein schönes und unglückliches Vaterland, dessen Befreiung von demIocke der Sklaverei sein glühendster Wunsch war. Dieses Ziel spannte jede geistigeKraft in ihm, und so entwarf er den kühnen Plan, durch eine große geheime Ver-bindung Griechenland von der Pforte loszureißen. Mit der größten Thätigkeit ver-band er eine hinreißende Beredtsamkeik, und bei der allgemeinen Achtung, in wel-cher er stand, würd es ihm leicht, den Kern der Nation und angesehene Fremde fürseinen Entwurf zu gewinnen. Unglaublich ist es und dennoch wahr, daß er sogarmächtige Türken, unter andern den berühmten Paßwan Oglu, in seine Verbin-dung zu ziehen wußte. Hierauf begab sich R. nach Wien , wo viele reiche grie-chische Kaufleute und einige Gelehrte von seiner Nation lebten. Don hier aus führ-te er einen geheimen Briefwechsel mit den bedeutendsten Mitgliedern des Vereins inGriechenland und dem übrigen Europa . Auch wird behauptet, daß er mit Bona-parte über Griechenlands Befreiung verhandelt habe. Zu gleicher Zeit gab er einegriechische Zeitschrift Zur Bildung seiner Landsleute heraus; er übersetzte unter an-dern dieReise des jünger» AnacharsiS " und schrieb eine Abhandlung über die Tak-tik und einen Grundriß der Physik für das Leben. Wahren Nationalruhm jedochin ganz Griechenland erwarb er sich durch seine patriotischen Gesänge in der Volks-sprache, die ganz geeignet waren, um die Einbildungskraft der hellenischen Jugendzu entflammen und ihr den stärksten Haß gegen die Tyrannei der Muselmänner ein-zuflößen. Noch jetzt singen die hellenischen Helden, wenn sie zum Kampfe gehen,seine Nachahmung des marseiller Liedes (OIo,i5. rnünu; <lc I» y.itrie"); dtesesLied und das schöne Berglied von Rhigas:Wie lange noch lebt Ihr aufEuernBergen", haben den tiefsten Eindruck auf die feurige, von den Thaten der altenGriechen begeisterte, hellenische Jugend gemacht. Lieder von ihm, Griechisch undDeutsch , sind abgedruckt in Schott und Mebold'STaschenb. für Freunde derGesch. des griech. Volks", Heidelb. 1824. Auch entwarf R. eine Charte vonganz Griechenland mit alten und neuen Ortsnamen in 12 Bl., die auf Kosten sei-ner Landsleute in Wien gestochen wurde. Dieser rastlos thätige Mann, dcr durchdie Kraft seines Genies der wahre Urheber des griechischen Ausstandes geworden ist,endigte in einem Alter von 4 5 Jahren aufeine furchtbare Art. Ein treuloser Freund,der Kaufmann Eleutherios Oikonomos, und der Bischof von Belgrad , Methodio«,gaben den unglücklichen R. und 8 seiner Freunde bei dem Dragoman der tür-kischen Gesandtschaft in Wien als Verschwörer an. R. entfernte sich aus Wien ,ward aber in Triest, wo er sich nach Griechenland einschiffen wollte, nebst 6 An-dern, die ihn begleiteten, verhaftet. Er wollte sich das Leben nehmen; allein derDolchstich war nicht tödtlich. Als er sich gefangen sah, faßte er den Entschluß, alleQualen mit Muth zu ertragen und keinen von Denen, die sich im Geheimnissebefanden, zu verrathen. Die Unterschriften aller der im Vereine Aufgenommenenwaren in einem Hefte enthalten, das er stets wohlverwahrt bei sich trug. Dies zer-riß er in der Nacht und verschluckte die Namen seiner Landsleute, um sie der Vcr-