Band 
Zehnter Band. Schw. bis Sz.
Seite
431
JPEG-Download
 

431

Spanien seit 1823

derten zum Theil in noch starkem Ausdrücken die Geschäftsträger von Rußland ,Östreich und Preußen, während England sich begnügte, durch s. Gesandten SirWilliam A'Court den Cortes zum Nachgeben zu rathen, und indem es s. Neu-tralität denselben zusagte, zugleich s. Vermittelung anzubieten.

Dies Alles reizte dasNationalgefühl der constitutionnellen Partei heftig auf.Nicht Spanien ", bemerkten spanische Blätter,sei es, welches s. von 180814 befolgte, von den Mächten damals beifällig aufgenommene Politik im In-nern und Äußern seit 1820 geändert habe; wohl aber hätten die Mächte, welchedie heilige Allianz bilden, die Politik gänzlich geändert, welche sie in der oben be-zeichneten Periode geleitet habe". Über die Noten der fremden Minister erklärtesich die spanische Regierung in einem Eircularschreiben vom 9. Zan. 1823, an diespanischen Geschäftsträger bei den Höfen von Wien, Berlin und Petersburg ,worin sie die Rathschläge der Cabinette mit Stolz zurückwies und am Schlüssesagte:Die spanische Nation werde nie irgend einer Macht das Recht, sich in ihreAngelegenheiten zu mischen, zuerkennen, und die Regierung werde sich nie vonder Linie entfernen, welche ihre unwandelbare Anhänglichkeit an das 1812 be-schworene Grundgesetz ihr verzeichne". In den Cortes vereinigten sich jetzt die Par-tei der Exaltados, deren Wortführer Galiano war, und die der Gemäßigten, anderen Spttze Augustin ArguelleS stand, zu der standhaftesten Behauptung der Con-stitution. Die merkwürdigen Sitzungen vom 9. und vom 11. Jan. zeigten, daß alleAbgeordnete, 145 an der Zahl, hierüber cinmüthig dachten. Indeß verschloßdie Antwort der spanischen Regierung auf die Note des franz. Gesandten nichtganz den Ausweg zu friedlichen Verhandlungen, wie? aber ebenso bestimmt jedeunmittelbare Einmischung in die innern Angelegenheiten Spaniens und in die Fest-stellung seiner Verfassung zurück. Hierauf erfolgte die von den Continentalmäch-ten des Congresses zu Verona angedrohte Abbrechung aller diplomatischen Verbin-dung mit Spanien . Der russische, der preuß. und östr. Geschäftsträger verließenMadrid , und der franz. Gesandte ward abberufen in Folge der kriegerischen Stel-lung, welche Frankreich nach der Rede, mit welcher der König t,e Sitzung derKammern am 28. Jan.eröffnet hatte, gegen Spanien annahm. An deins. Tagehoben die Cortes die Handelsverhältnisse mitÖstreich, Preußen und Rußland auf.

Während jetzt 100,000 franz. Krieger, mit den b'o,ck>8 (Glaubenssoldaken)verbunden, bei Perpignan und Bayonne sich versammelten, riefen die Cortes dieactive Miliz zu den Waffen, um mit den Linientruppen Dienste zu thun, und dieRegierung ließ die wichtigsten Grenzplätze in Vertheidigungsstand sehen; die Aus-rüstung eines Heers aber kam nickt zu Stande, weil die Linientruppen undMili-ze» auf mehren Punkten von den Guerillas der Feolas, oder FacciosoS, beson-ders von Besswres's Scharen fortdauernd beschäftigt wurden. Der Minister desInnern, Gosco, erklärte daher dem Könige Ferdinand am 17. Febr., daß er ihmwegen des drohenden Einfalls fremder Heere vorschlagen müsse, den Sitz der Re-gierung nach einem a. Punkte desKönigreichS zu verlegen; allein der König ver-warf den Vorschlag und entließ die Minister am 19. Darüber gerieih Madrid inUnruhe, und die heftige Partei schlug vor, eine Regentschaft zu errichten, woraufder König die Minister wieder bestätigte. Seitdem verhielt er sich meistens lei-dend; auch schloß er nickt die Sitzung der außerord. CoiteS am 19. Febr., nocheröffnete er die vierte Sitzung der ord. Cortes am 1. März, in Person, sondernließ beide Feierlichkeiten dui ch tenMinistervoll,ziehen. An dems. 1. März erhieltendie bisherigen Minister auf ihr wiederholtes Ansuchen abermals ihre Entlassung, daaber die neuernannten Minister die Ernennung theils nicht annahmen, theils ihrenPosten bald wieder aufgaben, so traten kievorigen ihreStellen aussNeue an, nach-dem sich der Konig, ihrem Wunsche zufolge, entschlossen hatte, s. Sitz nach Se-villa zu verlegen.