Spurzheirn 53?
Einfalt wacker bei. Das Schöne und Nute schmückt eS gern mit naivem Bild undGleichniß, wahrend es dem Laster und der Thorheit asten erdenklichen Schimpfanhangt. „Was versehet, das lehrt!" — Nutzen: Es lehrt Lebensphilosophie,wenn nicht zusammenhängend, doch allseitig; wenn nicht gelehrt, doch bündig, hellund klar, Auskunft gebend über Manches, worüber Gelehrtheit und Systemeschweigen. Es überredet anspruchtos und hadert nie, aber ehe er sich's versieht,schlägt es den Schulsuchs aufs Maul. Es nährt den Witz, übt den Verstand,frischt das Gemüth an und erfreut den Scharfsinn. Es ist auf dem Wege durchsLeben ein kluger, heiterer Gesell, der dich weder in Leid noch Freud, weder imSchimpf noch Ernst im Stiche läßt. „Sprüchwort, wahr Wort". — Gebrauch;Es ist nicht eben gar leicht, sich der Sprüchwörter zierlich, recht und tüchtig, zu rech»ter Zeit und Statt zu bedienen; sie wollen überall nur als Würze, nie als Nah»rung gereicht sein. Sie wollen Schrift und Rede nur kräftigen und schmücken, wieedles Gestein in edlem Metalle, wie Gold in Purpur erfreut. Im vertrauten Ge-spräche jedoch und im Briefsiyle mag das Sprüchwort gern dreist, frank und freifein, verschmähend das Blatt vor dem Munde. Heiter, geistreich, klug und witzigaber mag es gern überall erscheinen. Wenn dich nun die Sprüchwörter anfechten,zu reden, so wehre ihnen nicht, sondern gebrauche ihrer wie guter Wehr' und Waf-fen. „Wer's kann, dem kommt's". — Verwandte des Sprüchwortes sind:derDenkspruch, Apolog, Einfall, dieSentenz, Fabel, Scherz-, Witz- und Schimpf-rede, und überhaupt Alles, was bildlichen Ausdruck und gleichsam eine Persönlich-keit hat. „Trau, schau wem!" — Eine Literatur der Sprüchwörter fehlt uns noch.Sammlungen derselben haben geliefert: I. Ray („silomplete collectiv» oskin^-1,8>, l'rovcrb«"); unter den Deutschen: der „Freidank ", Agricola, Eyring, Bebek,Gruter u. A. m. Die beste neuere ist Sailer, „Die Weisheit auf der Gasse, oderSinn und Gebrauch deutscher Sprüchwörter" (Augsb. 181V). Eine vollständige,kritische Sammlung der deutschen Sprüchwörter ist noch zu erwarten. „Was langewährt, wird gut!" Eine Vorarbeit ist Nopitsch's „Literatur der Wprüchwörter"(Nürnb. 1820). (Dgl. Castelli.)
Spurzheim (Kaspar), l)., Mitarbeiter und Begleiter des v. Gast aufdessen Reisen durch Europa , den 31. Dec. 1716 in Longvich, 2 Stunden vonTrier, geboren, studirte Medicin zu Wien und machte mit seinem Lehrer Gast vonWien aus 1805 mehre Reisen durch Deutschland. In Paris beförderten sie ge-meinschaftlich zum Druck zuerst ein älcmvire und nachher den 1. Dd. und die ersteHälfte des 2. BdS. des großen Werkes: „ängtoinie et pbvsiolo^ie clu Systemsnerveur cn -ss-iier-,! et clu cervegu e» pgrticulier". — S. trennte sich Von Gast1813, reiste nach England, Irland und Schottland , hielt in den größere» StädtenVorlesungen und suchte seinen Ansichten über die Verrichtungen der Gehirntheike,welche von denen Gall's in mehren wesentlichen Punkten abweichen, Eingang zuverschaffen. Er fand eifrige Gegner, aber auch warme Anhänger. In Edinburg bildete sich (Febr. 182») ein Verein (?>neiioIoF>cgl «ociesiv) zur Untersuchungder Gchirnlehre, der im April 1821 den ersten Bericht seiner Verhandlungendrucken ließ. 1>. S. selbst gab heraus: „7 be pl>vsionnomic»l System ok l). 6allmist 8purAiei„>" (2. Ausg., Lond . 1815); dasselbe Werk abgekürzt, oder „Out-line« os tlie pbvsio^nomioal System" (ebendasi); „On inssuil^" (Lond. 1817);„lsramiii.ition of lbe objectiv»« etc." (Edinb. 1817); und vie»v os tbskleinen tni v principl,. oseclucslion" (Edinb. 1821). Bei seinem letzten Aufent-halte in London 1817 ließ er sich als Licentiat des k. Collcgiums der Ärzte von Lon-don aufnehmen, ging aber im Juli deff. I. nach Paris zurück. Hier hat er seit-dem ein Werk: „8ur lg lolie", ein andres: „8ur >a pbrenologie", und einen„bs«gi pl>,lo,opbi<r»c «ur b, »,t>»c ,nörgle et intellectuell« üe 1 bomine"erscheinen lassen. Er hält daselbst jährlich 2 Lehrvorträge: 8ur I'snstomiv, la