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Zehnter Band. Schw. bis Sz.
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Symbol 801

die Gewalt des Bösen in die Kirche selbst eindrang, and das Unkraut der Ketzereiwuchernd emporschoß, da bedurfte es neuer Symbole, welche die Kirche nun imGegensatze gegen ihre abtrünnigen und widerspenstigen Kinder auszustellen hatte,und da es hier mehr die Lehre als das Leben galt, so mußten die Symbole auchvornehmlich als Lehrvorschristen erscheinen, wiewol auch jene andre Art Symbolenie ganz fehlte. So ist das Ansehen der Kirche, der Synoden >c. nur symbolisch zubegreifen, und so wurde späterhin der Kelch eine sehr sinnreiche Devise der Protestant.Kirche. So lange die Kirche ihre äußere Einheit zu erhalten wußte, waren dieseLehrvorschristen in jenen Symbolen der herrlichen Kirchenversammlungen der erstenJahrhunderte enthalten. Der fabelhafte Ursprung des apostol. Symbols, nach wel-chem jeder Apostel ein Gericht auf die reichgeschmückte Glaubcnstafel auftrug, istnicht weniger sinnreich, als der vermuthlich wahre, nach welchem es nur eine allmä«lige Erweiterung derTaufformel ist, den Werth und die temporaireNothwendigkeitdesselben sehr schön begreiflich macht. Sehr wichtig bleibt für die ganze Kirche da«nicüische Symbol, sowie die Kirchenversammlung, welcher es seinen Ursprungverdankt, ein merkwürdiger Wendepunkt in der Kirchengeschichte ist. Endlich wardie Zeit gekommen, wo die Kirche einer großen Wiedergeburt, um durch Verwand-lung einer Hähern Entwickelungsstufe sich zu versichern, bedürftig, vornehmlich in8 Hauptparteien zerfiel, die, wol sich gegenseitig ergänzend, in ihrer Geschiedenheitaber, für eine Zeit lang wenigstens, den Cyklus des kirchlichen Lebens bestimmensollten; und wo wären nur Symbole, und zwar Lebrsymbole, nothwendiger gewesenals gerade hier? Lehrsymbole, für welche chre Vertheidiger gern in den Tod zu ge-hen bereit waren! Dies war die eigentliche Zeit der symbol. Bücher, und die wirk-lich magische Kraft derselben hat sich nirgends sichtbarer erwiesen als in rem Kampfeder Protestanten gegen die Katholiken und in den Streitigkeiten der Protestantenunter sich selbst. Hier war man, ob man es auch nicht aussprach, von der Kraft desSymbolischen lebhaft ergriffen, und die Strenge, mit welcher man an dem Wortund dem Buchstaben festhielt, und die uns in unserer weiten Entfernung von jenerlebendigen, feuerreichen Zeit als Intoleranz erscheint, war die natürlichste Folge desneuerwachten, jugendlichen Lebensund der gegenwärtigen Offenbarung des Allesschärfer als ein Schwert schneidenden Geistes. Das augsdurgische Bekenntniß,das die Protestanten auf dem Reichstage zu Augsburg (1530) Karl V. überreichten,steht als ein höchst merkwürdiges Zeichen des Widerspruchs und ein Fall und Auf-erstehen Vieler im christlichen Israel da, und mit ihm als Fahne und Feldzeschreistritt der Lutheraner doch am Ende siegreich 30 lange, schreckensvolle Jahre. Wirbegreifen hier leicht, wie späterhin in den meisten proiest. Ländern auch der Reli-gionseid, Eid auf die symbolischen Bücher, von den Lehrern der Kirche gefoder! wer-den konnte, was übrigens da erst nöthig sein mochte, als die Flamme des kirchlichenLebens schon zur grdßern Ruhe gekommen war. In Sacdsen wurde er erst 1612gesetzlich geboten, Nachdem vorher von den lutherischen Theologen nur die Unter-schrift der augsburgischen Tonfession verlangt worden war. I» Zeiten, wo das rechteinnere Leben der Kirche schon-fast ganz ausgelöscht war, hat man über die verbin-dende Kraft der symbol. Bücher gestritten. So, als der berühmte Ant. Friedr.-sching ihre Gültigkeit anlastete, und später (1788), als das preuß. Rclig'onöedictaus todter Asche einen Funken anzublasen vergeblich sich bemühte. Unsere Ansichtvom Symbolischen dürfte für diesen Streit wenigstens die Acten zum Spruche hin-länglich instruiren. Daß die Vertreter der Kirche das Recht haben, von Zrdem, derihrer Kirche angehört, zu verlangen, daß er ihre Symbole mit allen Kräften umfasse,und mit der heiligsten Überzeugung daran festhalte, die auch den Tod nicht weigert,geht aus der Natur des Symbolischen unwidersprechlich hervor. Erst in und durchdas Symbol ist die Kirche entstanden, und das Symbol ist wirklich vox l)e>, gött-liche Offenbarung für das Individuum, dem es angehört. In dieser Beziehung ist