Band 
Elfter Band. T bis V.
Seite
4
JPEG-Download
 

4

Tuboriten

Tabulatur

farbig drapirt sink »nd koch zugleich den nackten Theil ihrer Carnation behalten,eine ganz unnatürliche Vermischung der Plastik und Malerei entstehe, welche durchkünstliche Beleuchtung wol zu gemalten Reliefs, nicht aber zu Gemälden erhobenwerken könne. Darum, folgert er, erkenne die strenge Kunstkritik nur Tableausin Monochromen oder einfarbigen Figuren, oder in röthlicbgelben Figuren, denenin Thon oder torr.iontt., ähnlich, wie man sie in einem Festspiele von FriedrichKind auf der Bühne nach alten Vasengemälden versucht hat, keineswegs die viel-farbigen (oder Polychromen) an. Dies dahingestellt, so ist gewiß, daß es fürdenkende Künstler nichts Erfreulicheres und Belehrenderes geben könnte als öftereVereinigung zu solchen Bilderdarstellungen, bei welchen Jeder seine Ideen erst durchlebende Gestalten darzustellen suchte, ehe er sie mit Linien entwürfe. Denn nichtallein, daß dadurch immer neue Gedanken in dem Künstler angeregt werden würden,die Natur würde auch die Kunst schwesterlich warnen vor jeder Verrenkung, Un-wahrheit und Übertreibung. Was man bei DalletS und überhaupt in Schauspielengewöhnlich Tableaur nennt, ist hiermit gar nicht zu verwechseln, weil theils dabeileider selten Rücksicht auf eine recht künstlerische Beleuchtung und Anordnung ge-nommen wird, theils aber auch die Stellungen der Tänzer für das Auge des bilden-den Künstlers stets etwas Eckiges und Übertriebenes haben. Eine glückliche Idee,wenn auch nicht gerade im Sinne der Kunst, ist es, daß man die Tableaux in derneuesten Zeit mit einer Räthselaufgabe verbunden und sie dadurch anziehender zumachen gewußt hat. Man hak sie (z. B. in Weimar ) als Sylbenräthsel, wo erstdie einzelnen Sylben, dann das Ganze eigne Grüppirungen bilden, dargestellt.

Taboriten, s. Hussiten.

Tabulakur (fälschlich Tablatur), ein Kunstausdruck, welcher vorzüglichehedem in der ausübenden Tonkunst gebraucht wurde, und den Inbegriff aller mu-sikalische» Schriftzeichen bedeutete, deren man sich bei Verzeichnung eines Ton-stücks bediente. Die Hauptzeichen bestanden in Buchstaben, Ziffern und (später-hin) den die Octave, in welcher ein Ton genommen werden sollte, bezeichnendenLinien. Die übrigen, zur Bezeichnung der Pausen und des Notenwerths erfoder-lichen Zeichen findet man in Walther'SMusikalischem Lexikon", Tab. XXI. Die-ser musikalischen Schrift durch Buchstaben bediönte man sich bis zum 11. Jahrh.,in welchem die eigentliche Notenschrift aufkam. (S. Noten.) Da letztere eineital. Erfindung war, so wurde sie im Gegensatz der erstern die ital. Tabulatur ge-nannt. Doch ist dieser Name bald verschwunden, und man nennt jetzt nur die erstere,d. i. die alte musikalische Schrift durch Buchstaben Tabulatur, oder deutsche Ta-bulatur. Aus derselben schreiben sich jedoch einige noch jetzt übliche Namen undZeichen her, durch welche man die Octave bestimmt, welcher ein Ton angehört.Man theilte nämlich ehemals die Töne in Octaven ein, jede von c bis I> heraufwärtSgerechnet, und unterschied: 1) Die unterste Octave (auch die große genannt), reichend

Die in derselben liegenden Töne wurden und

werden auch noch hier und da mit großen Buchstaben bezeichnet, C, D, E w. 2)Die HeraufwärtS folgende Octave, auch die ungestrichene genannt, deren Umfang

bis ^ I" -

von

M

ist, und deren Töne durch kleine Buchstaben

angedeutet werden, z. B. c, d, e, w. 3) Die dann aufwärts folgende einge-

strichene Octave, von

8

bis

V

, deren Bezeichnung durch kleine

Buchstaben mit einem Striche auf folgende Weise geschieht: c, d, e, f :c. 4) Die