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Tag - und Nachtleben
kern ganz über, der andre aber ganz unter dem Horizonte steht. Jene Gegenden habendaher Einen Tag von vollen »4 Stunden und Eine ebenso lange Nacht in> Jahre.Von den Polarkreisen an nach den Polen hin nimmt die Dauer des längsten Tagessehr schnell zu, in eben dem Maße aber auch die Dauer der längsten Nacht; und wieungleichmäßig diese Theilung zu den verschiedenen Jahreszeiten auch überhaupt aus-falle, so hat doch, nach der Ausgleichung, jeder Punkt der Erdoberfläche während einesJahres die Vvnne 6 Monate über, und ebenso lange unter dem Horizonte. Über diesess. Bode'ü„Anleit. zur allgem. Kennt», der Erdkugel" (st.Aufl., Berl. 1803).
Tag- u n d N a ch t l e b e n. Die tägliche Apendrehung der Erde «Bewe-gung derselben um ihre Ape), wodurch der Wechsel von Tag und Nacht gesetzt ist,ist ein Zeichen und Beweis ihres selbständige» Lebens, in Vergleichung mit demMonde, welcher bei seinem Umlauf um die Erde dieser immer dieselbe Veite zu-kehrt, mithin während des ganzen Umlaufs sich nur ein Mal um seine A-«e dreht.Die Erde lebt, wie alle Planeten, und dieses Leben ist keine bloße Redefigur; allelebende Wesen auf der Erde (die sich ja aus ihr entwickelt haben) sind Zeugen diesesLebens; denn eine in sich todte Mutter kann keine lebendige Kinder gebären. DieErde lebt, wie alle Planeten, in der Wechselwirkung mit der Sonne — ein Lebenim Großen und nach Außen, ein kosmisches (weltige«) Leben; aber sie lebt auchin sich als Planet, d. h. als Gesammtorganismus ihrer Elemente durch die Wech-selwirkung der letzter» unter sich — ein kellurisches Leben, welches als der Gal-vaiiiSmuS (Elektro- und Magneto-Chemismus) der Erde im Großen erkannt wird.Das Leben der Erde nach Außen, in ihrem Wechselspiel mit der Sonne, kann manauch das solare (sonnenhafte) nennen, weil in ihm die Wirkung der Sonne vor-herrscht. Das Tagleben derErde besteht also in dem eigenthümlichen Leben der letz-ter» (dem tellurischen Leben), dem Nachtleben, im Gegensatz. — Wenn nun durchdie Axendrehung der Erde der Wechsel zwischen Tag und Nacht begründet ist, sobesteht dieser Wechsel eigentlich in einer gesetzmäßige» Abwechselung entgegengesetz-ter Lebensarten, in einem wechselnden Auftreten des solarischen und tellurischen,des Tag - und Nachtlebens. Und an diesem Wechsel nimmt Alles Theil, was aufder Erde lebt und ist. In aller Wechselwirkung (Polarität) sind 2 verschiedeneFaekoren (wechselwirkende Kräfte' von verschiedenem Werthe oder Range, ein hö-herer und ein niederer; der höhere, als der beherrschende, drückt dem niedern, alsdem beherrschten, seinen Charakter auf, während der niedere den höher» in seinenKreis herabzuziehen, ihn sich ähnlich oder gleichzumachen (zu afsimiliren) strebt,was ihm aber weniger gelingt. (S. Polarität.) Und so ist auch das Verhält-niß zwischen derSonne und Erde am Tage, durch welcheöWort eben nichts Andresausgedrückt ist, als: Sonnenherrschaft über das Erdleben, überwiegender Einflußder Sonnenthätigkeit anfalle? Irdische in dem Wechselspiel zwischen Sonne undErde, wovon die allgemeinste Erscheinung das Tageslicht (s. d.) und das damitvergesellschaftete Wachen oder wachende Leben der Dinge ist. Mit der Annäherungund dem Hervortreten der Sonne am Morgen, vor welcher die Finsterniß flieht,geht eine große Veränderung auf dem Schauplatze vor, über welchem sie erscheint.Ihr Kommen bringt neues Leben mit, indem sie die Fesseln der Nacht löst und dieDinge den Armen des Schlafs entreißt. Alle Körper kleiden sich in farbige Hüllen,die Wellen des Wassers blinken spielend mit den. Bilde der Sonne, das Pflanzen-reich erhebt sich duftend vor dem zunehmenden Tageslicht, und di während derNacht geschlossenen Blumenkronen eröffnen sich der erscheinenden Sonne. DieThiere kommen aus ihrem Schlupfwinkel hervor, und der Gesang der Vogel erfülltdie erleuchtete Lust, indeß auch der Mensch, den Banden des Schlafs entflohen,das neue Leben der Natur in sein erwachte» «Selbstbewußtsein, denkend und fühlend,aufnimmt, indem er sein Tagwerk beginnt. Mit dem Steigen der Sonne steigertsich auch das Tagleben in allen Reichen der Natur, bis es in der Mittagsstunde