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Elfter Band. T bis V.
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Taufgefurnte, in Münster

Schweiz und den Niederlanden seit 152! merkbaren Vermehrung ihres Anhangssetzten die Obrigkeiten bald scharfe Maßregeln entgegen. In Deutschland ergingenseit 1525 kaiserl. und Reichstazsverordnunze» gegen die Wiedertäufer, an Vielenwurde die angedrohte Todesstrafe vollzogen, was auch in der Schweiz und denNiederlanden geschah; nur der Landgraf v. Hessen begnügte sich, sie einsperrenlind unterrichten zu lassen. Dennoch sammelten sich immer neue, durch die Rei-sen ihrer Propheten und Lehrer zusammenhängende Haufen dieser Leute, derenLehre aus folgenden Sätzen bestand: Die (Gottlosigkeit herrsche überall, einneues Geschlecht heiliger Menschen müsse gegründet werden; ihnen ohne Un-terschied des Geschlechts sei die Gabe der Weissagung und Auslegung göttlicherOffenbarungen verliehen, daher bedürfe es für sie keiner Gelehrsamkeit, denndas innere Wort gelte mehr als das äußere; kein Christ solle Processe führen,obrigkeitliche Amter verwalten, schwören, und etwas Eignes haben, sondernAllen Alles gemein sein. Mit solchen Meinungen kamen Joh. Bockhold oderBockelson , ein Schneider aus Leyden, und Joh. Matthias oder Matthiese». einBäcker aus Harleni, 1533 nach der eben für die Reformation gewonnenen StadtMünster in Westfalen , wo sich bald ein Theil des aufgeregten Volkes, u. A. auchder evang. Prediger Rolhmann und Rathöherr Knipperdolling , zu ihnen schlu-gen. Vergebens ließ der Magistrat ihnen die Kirchen verschließen; sie erstürm-ten mit ihrem täglich wachsenden Anbringe das RaihhauS und erzwängen gegenEnde d. I. einen Vergleich, der die Freiheit der ReiligionSübung beider Parteiensichern konnte. Doch verstärkt durch unruhiges Gesinde! aus den benachbartenStädten, machten sie sich gewaltsam zu Herren der Stadt und jagten die Ge-genpartei hinaus. Marthiesen trat als Prophet auf und überredete das Volk,sein Gold, Silber und a. bewegliches Gut zum gemeinen Gebrauche auszulie-fern, und alle Bücher außer der Bibel zu verbrennen, verlor aber bei einemAusfalle gegen den Bischof von Münster , der die Stadt belagerte, das Leben.Nun warfen sich Bockhold und Knipperdolling zu Propheten auf. Die Kirchenwurden zerstört, 12 Richter, wie in Israel , über die Stämme bestellt, undauch diese Regierungsform bald wieder umgeworfen, indem Bockhold sich u. d.N. Johann von Leyden zum Könige des neuen ZionS (so nannte» die i»ün-sterschen Wiedertäufer ihr neues Reich) erheben und förmlich krönen ließ. Seitdiesem Zeitpunkte (1531) wurde Münster ein Schauplatz aller Ausschweifun-gen wilder Schwärmerei, viehischer Wollust und unmenschlicher Grausamkeit.Die Einführung der Vielweiberei, das Loslassen aller Zügel gesetzlicher Ord-nung mußte dem beihörten Volke die Rohheit, Habsucht und Raserei seines jun-gen Tyrannen und s. täglich wachsende Gefahr von Außen verbergen. Bock-hold lebte in fürstl. Pracht und Schwelgerei, ließ Manifeste zur Empörung ge-gen auswärtige Rezenten, gegen den Papst und Luther ausgehen, drohte mit sei-ner Rotte alle Andersdenkende zu vernichten, machte sich den Seinen durch häu-fige Hchinchtungen furchtbar und wußte, während Hunger und Seuchen in derStadt wütheten, den Taumel der unglücklichen Bewohner zu einem hartnäckigenWiderstände gegen die Belagerer zu benutzen. Von diesen wurde Münster end-lich d. 2l. Juni 1535 durch Verrätherei, jedoch nicht ohne tapfere Gegenwehr,wobei u. A. auch Rotbmann das Lebe» verlor, eingenommen, und dem Reicheder Wiedertäufer ein Ende gemacht. Bockhold, Knipperdolling und Krechtiugwurden mit glühenden Zangen zu Tode gemartert und dann in eisernen Kä-sigen am LambertuSthurm zu Münster zum Schrecken aller Rebellen aufgehenkt.Indessen hakten einige von den 26 Aposteln, welche auf Bockhold'S Befehlausgegangen waren, sein Reich zu verbreiten, hier und da Eingang gefunden;auch fuhren mehre von der münsterschen Rotte unabhängige Lehrer der Wie-derlaufe und des schwärmerischen Glaubens an die Stiftung eines neuen Reichs