Taufgcsinnte, Mmnomten 13
reiner Christen foitt, ihre Visionen und Offenbarungen in den obengenanntcnGegenden zu verbreite». Sie verwarfen zwar die Vielweiberei, Gütergemein-schaft und Grausamkeit gegen Andersgesinnte, welche in Münster ausgeübt wor-den waren, pflanzten aver die übrigen Lehren der altern Wiedertäufer und eigneirrige Meinungen von der Menschwerdung Christi, zu denen der damalige Sa-cramentsstreit Anlast geben konnte, auf ihre Anhänger fort. Die merkwürdig-sten tiefer anabaptistischen Propheten waren Melchior Hoffmann und DavidHoris. Jener, ein Kürschner aus Schwaben, der sich als Lehrer seiner Parteierst 1k>21 in Kiel, dann 152!) in Einten, endlich in Strasburg herumtrieb, woer 154!) im Gefängniffe starb, bildete besonders durch s. chiliastischen Verheißun-gen einer ihm und s. Jüngern bevorstehenden Erhebung eine eigne Sekte, derenzerstreute Glieder sich u. d. N. der Hoffmannianer lange in Deutschland erhiel-ten, bis ihre Reste endlich den Taufgesinnken zufielen. Daß Hoffmann nochvor seinem Tode widerrufen habe, gestanden sie nie ein. Tiefer und phantasie-reicher zeigte sich David Joris oder Georg, ein Glasmaler aus Delft , geb. 1501und 1534 wiedergetanst, in f. vielen theosophifchen Schriften, die bei aller Ver-worrenheit der Begriffe doch durch Schwung und Innigkeit blenden konnten, undneben schlichten Erzählungen von den seltsamen Erscheinungen und Hähern Einge-bungen, deren Joris sich rühmte, durch einen qeheünnißvollen Vertrag christlicherLehren noch größere Wunder ahnen lassen, als sie ausfprechen. Durch solche Mittelsammelte er, bei dem Bemühen, die streitenden Parteien der Wiedertäufer zu verei-nigen. sich selbst einen Anhang von Stillen im Lande, die, wie dieGichtelianerBöh-me'S Schriften, s. Werke, besonders s. 1542 zu Deventer erschienenes „Wunder-buch" stutirtcn und ihn als eine Art neuen Messias verehrten. Schwankend in s.Meinungen, irrte er lange umher, bis er endlich, um Verfolgungen zu entgehen,1544 u. d. N. Ioh. von Brügge in BaselBürger ward und 1558 nach einem ehr-baren Leben in ter Guneinschast der Refornurten daselbst starb. Erst 1559 kam s.geheungeblicbene Ketzerei an den Tag; ruchlose Lehren und Handlungen wurdenihm meist ohne Grund Schuld gegeben, worauf der baseler Rath ihn veruriheilenund s. Leichnam verbrennen ließ. Ei» Freund dieses Joris warNicolai, der Stif-ter der Familiste», die jedoch nicht unter die Wiedertäufer gehören. Da nach denmünsterschen Unruhen unter den Evangelischen allmälig der Grundsatz geltendwurde, keinen Ketzer, der nicht Empörungen stiftete, am Leben zu strafen, konn-ten diese und ähnliche Haufen von Sonderlinge» ihr Wesen im Stillen treiben,weiln sie sich ruhig verhüllen. Doch bis über die Mitte des 16. Jahrh, standenunter den Wiedertäufern noch Propkete» aus, die häufige Störungen der bürger-lichen Ordnung verursachten, und daher die nicht geringe Zahl der Märtyrer dieserSekte vernicht en mußten, wie denn auch unter den Ketzern, die Alba in den spani-schen Niederlanden hinrichten ließ. nicht wenige Wiedertäufer waren. Der Dul-dung würdig wurden sie erst, nachdem ihr bisheriges verworrenes Treiben derOrdnung, Nabe und bürgerlichen Sitte gewichen war, welche die EinrichtungenMenno's (s. d.) unter ihnen begründet hatten. Dieser besonnene Mann ver-band sie um die Mitte d. 16. Jahrh, zu geregelten Gemeinden, welche u. d. N.Mcnnoniken, Mennisten oder Tausgesinnte, wie sie sich selbst jetzt noch nen-nen, im nördlichen Deutschland und in Holland mir pünktlicher Nachahmungaller Eigenheiten der ältesten apostolischen Kirche ein für sich bestehendes Kir-chenthuin stifteten. Nur konnte er nicht hindern, daß sie schon 1554 überden Grad der bei dem Kircheubanne anzuwendenden Strenge uneinig wurden.Die Strengern belegten jedes einzelne Vergehen wider Sitte und Ktichenordnungmildem Bmiue. und trieben die Folgen desselben so weit, daß auch die eignenEhegatten und Verwandten aller Gemeinschaft mit den Bestrafte» entsagen sollten;die Gelinder» wollten nur bei beharrlichem Ungehorsam gegen die Gebote der heil.