158 Theodorich
von einem so mächtige» Nachbar befreit zu werten- den Entschluß, Italien zu er-obern. Er zog mit seinen» ganzen Volke, mit Weibern und Mindern auo, erreichte,nicht ohne Schwierigkeiten, (489) die Ufer des Lisonzo hei Aguileja, besiegte denDdoaker in 2Schlachken, verfolgte ihn bis unter dieWälle vonRavenna und nahinMailand und Pavia ein. In der dritten Schlacht (s'>0) »vard Ddoaker ganz über-,wunden u»»d mußte sich in dem festen Ravenna einschließen. Nach einer fast drei-,jährigen Belagerung stiftete der dasige Bischof einen Vertrag zwischen T. undDdoaker, nach welchem Beide mit gleichen» Rechte in Italien regieren sollte».Allein das Verhältniß verursachte gegenseitig Mißtrauen und Argwohn- T. er-mordete bei einem Gastmahle den Ddoaker, unter dem Vorwande, daß dieser ihm»ach dem Leben getrachtet habe, und befreite sich dadurch und durch die Hinrichtungder ganzen Familie Ddoakers von aller wettern Unruhe- Herr von ganz Italien undSicilien, nahm er nun den Titel als König ohne weitem Zusatz an. Dem griech.Kaiser bewies er zwar eine gewisse Ehrerbietung, gleichsam als seinem Oberherrn,blieb aber übrigens ganz unabhängig von ihm. Die Zuneigung der Römer gewanner, indem er ihnen alle ihre Rechte bestätigte. Er zeigte sich in dem Fortgange seinerRegierung als einen Fürsten von großen Eigenschaften; von allen seinen Untertha-nen ward er geliebt; Auswärtige fürchteten s. Macht, die er durch Bündnisse unddurch Verheil athungen noch mehr zu sichern suchte. Seine» lochen gab er den drit-ten Theil der Länkereien Italiens als Lehön, mit der Verpflichtung, Kriegsdienstedafür zu leisten. Unter den Italiener» suchte er die Künste des Friedens und dieHandlung zu befördern; mit ihnen wurde» die Eivilstelien besetzt. DieRegierungS-sorm und StaatSversassung und die Eüitheilung der Provinzen, welche unter denKaisern stattgefunden, behielt er bei, sotaß der Übergang der Herrschaft von denRömer» zu den Gorhen kaun» bemerkbar war. Eine neue Einrichtung war die An-stellung von Unterrichtern in jeder Stadt, u. d.T.Grafen , welche die GerichtSpflegeverwalten mußten. Die Abgaben waren die nämlichen wie bei den Kaisern, dockwurden sie häufig zu Zeiten öffentlicher Noth erlassen. Die gewöhnliche Residenzdes KönigS blieb Ravenna , weil diele Stadt am gelegensten war, um die Einfällebarbarischer Volker zu verhüten; nur bisweilen hielt er sich zu Verona auf. AlsT. im Jahre 50(1 nach Rom kam, wo er mit Freude» empfangen wurde, verboter die Zerstörung und Beschädigung alter Kunstwerke, wies Einkünfte zur Wieder-herstellung der öffentlichen Gebäude an und verordnete eine jährliche AuStheilungvon 120,000 Maß Getreide unter die Armen der Stadt. Auch andre Städte Ita-liens erhielten unter seiner Regierung nützliche und kostbareEmrichtungen und Ver-schönerungen. Man mußte gestehen, daß nach Roms blühendste» Zeiten diesesschöne Land nie so glücklich und wohlhabend war. Zu seiner Vertheidigung gegenfremde Feinde zur See rüstete er eine zahlreiche Flotte leichter Schiffe aus, und dieLandkriege, die er führen mußte, wurden immer schnell geendigt, ohne die RuheItaliens zu unterbrechen. In einem Kriege mit den Burgundern eroberte er Mar-seille und die Landschaften zwischen der Durance, den Alpen und dem mittelländi-schen Meere und der Rhone . Er erhielt im Dccideiit das Gleichgewicht, bis zuChlodwigs Sieg über Alarich; indessen schützte T. sein Volk gegen die Fran-ken und that ihren Fortschritten Einhalt, T. war gleich seinen Vorältern demarianischen Glaubensbekenntnisse zugethan- ohne deßhalb den Völkern, die er be-herrschte, seinen Glauben aufdringen zu wollen. Er begnügte sich mit der Dul-dung der Meinungen, die er begünstigte, Und verletzte nie die Ruhe und die Vor-rechte der kath. Kirche. Indessen betrachtete er doch die Papstwahlen als einen wich-tigen Gegenstand für das öffentliche Wohl ^deßhalb federte er einmal 2 Bewerberum den römischen Stuhl vor sich, und entschied zu Gunsten des würdigsten. DieRegierung dieses denkwürdigen Fürsten warf einen vorübergehenden Glanz ausden Namen der Gothen und schuf eine glückliche Epoche mitten unter den stürmi-