Band 
Elfter Band. T bis V.
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774
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1.4

Voltaire

fessor per Physik, im I. 1119 aber an die Universität zu Pavia versetzt. Hier be-schäftigte er sich vorzüglich mit der Lehre von der Elektricität, und erfand (schon1111) das beständige Elektrophor und das Elektroskop, wodurch er die Theorie vonder Elektricität fester begründete. Dann leitete ihn die Beobachtung von Luftbla-sen , die aus einem stehenden Gewässer aufstiegen, auf wichtige Entdeckungen inder Lehre von den Gasarren. Hieraus entstanden das elektrische Pistol, das Eu-diometer, die Lampe mit entzündlicher Luft, 1182 der Condensawr u. a. Physik.Erfindungen mehr, die B.'s Namen berühmt machten. Bald wandte sich seineForschung zu den großen Erscheinungen in der Atmosphäre, namentlich über dieNatur desHagels u. s w. Er untersuchte und beschrieb das Feuer zu Velleja undPietra Mala. In der Folge erhöhte seinen Ruhm die Erfindung der nach ihm be-nannten Säule, durch welche er die Entdeckung Galvani s der Wissenschaft aneig-nete. (S. Galvanismus.) 1111 hatte er die Schweiz und Savoyen , dann1182 mit «carpa Zugleich Deutschland, Holland, England und Frankreich bereist.Joseph II., Haller und Voltaire zeichneten ihn durch ihre Achtung aus. Nach sei-ner Rückkehr führte er in der Lombardei den Kartoffelbau ein. Die königl. Gesell-schaft zu London ließ aufihn 1194, bei Gelegenheit seiner Abhandlung über denCondensawr, eine Schaumünze prägen. 1801 reiste er nach Paris , wo seine Er-findung der elektrischen Säule solche Bewunderung sand, daß ihm der erste Consulein Geschenk von 6000 Fr. machte. Das stanz. Institut ernannte ihn 1802 zuseinem Associe und widmete ihm 2 Medaillen. Dieselbe Auszeichnung erwies ihmdie königl. Gesellschaft der Wissenschaften in London . D. war hierauf der Abge-ordnete der Universität Pavia auf der Versammlung in Lyon. Napoleon ernannteihn zum Grafen und Senator des Königreichs Italien. Er gab ihm den Orden derEhrenlegion und der eisernen Krone. Auch war V. eins der ersten Mitglieder desitalienischen Instituts. 1804 legte er sein Lehramt nieder. 1815 ernannte ihnder Kaiser Franz zum Dwector der philosophischen Facultät bei der Universität zuPavia . Als Mensch war V. bescheiden, religiös, einfach; ein guter Familien-vater, ein trefflicher Bürger. Einen glänzenden Ruf nach Petersburg lehnte er ab.Er verlebte s. letzten Tage m Como . SeineBakerstadt hat N.'sBüste in dem Lyceumaufgestellt, undcineDenkmünze aufihn prägen lassen. Vinc.Antinori gab die(4ul-lerionv üeUo o>>vro «Icl <üav. tüonte Xleisunclio Voll.»" (Florenz 1816, 5 Bde.)heraus. Vgl..diebüo^io ,i>o,!,Iv <Iel 0»>ls Xles.e. Vnltr,", von Giov. Zuccala,Professor der Ästhetik und der ital. Literatur zu Pavia (Bergamo 1821).

Voltaire (Frau, ois Marie Arouetde). Wenn irgend ein Mensch bewie-sen hak, daß dem Geiste die Herrschaft der Welk gebühre, und daß vor der Geistes-bildung aller irdische Glanz verschwinde, so ist es dieser ausgezeichnete Mann, deresunternahm, unter einem Volke und zu einer Zeit, wo man sonstGelehrte und Künst-ler nur für edlere Domestiken derGroßen hielt, ihnen einen selbständigen Rang derAchtung zusichern. DieWirkung dieses Strebens ging aufdie ganze gebildete Weltüber, und nie hat wol ein Dichter, einPhilosoph, ein Geschichtschrelbereines solchenPublicums sich zu erfreuen gehabt als V., nie ein Mensch durch bloße Geisteskraftseiner Naiion ein solches Übergewicht, selbst in politischer Hinsicht erworben als V.Er war geb. zu Chatenay bei Paris den 20. Febr. 1691, und so schwächlich, daß ererst den 21.Nov. d. I. getauft werden konnte. Seine Familie nannte ihn Voltaire ,um ihn von s. ältern Bruder zu unterscheiden, welcher den Familiennamen behielt.Sein Vater, Franeoiü Arouet, Notar des Chatel'tS und zuletzt Schatzmei-ster der Rechnungskammer, besaß ein nicht unbeträchtliches Vermögen, wodurcher in den Stand gesetzt wurde, dem Sohne eine ganz vorzügliche Erziehung zugeben, «eine erste Bildung erhielt V. in dem Iesuitencollegium Ludwigs X IV.unter Por,'-e und Le Iay. Schon hier zeigte er Talente, welche zu den größten Hoff-nungen berechtigten. In seinem 8. Lebensjahre vermochte er Lafontaine'sche Fa-