8 Wachsen
Richtung desselben und die Qualität der Producte des Wachsthums. Zu einemnormalen (naturgemäßen, zeitgeregelten) Wachsthum gehört ein gewisses Maß deräußern Bedingungen, im Verhältnisse zur besondern Natur der organischen Dinge.Daß z. B. ein zu setter Boden bei reichlicher Feuchtigkeit und zu viel Wärme dasWachsthum vieler Pflanzenarten übertreibt (zu sehr beschleunigt), wobei die Organeund deren Substanz nicht die gehörige, naturgemäße Tonfistenz oder Reise erlan-gen können, weil unter solchen Umständen der Trieb desStängelS und des Laubes(die vorzugsweise Organe des Wachsthums sind) aus Kosten der Blüthe und nochmehr der frucht begünstigt werden muß, ist leicht zu begreifen. — Andre Er-scheinungen in Beziehung auf das Wachsthum der Thiers und Menschen, z. B.daß durch viele Bewegung (angestrengteM iSkelthätigkeit), durch große Reizbarkeitdes Nervensystems, und vieles Denken , selbst bei guter Kost, in der Regel Ma-gerkeit des Körpers bedingt ist, welche daher sowol bei Lebensarten, die schwere kör-perliche Arbeit, als bei solchen stattfindet, die mit vieler Geistesanstrengung ver-bunden sind; daß im Gegentheil bei vieler Ruhe des Geistes, Gemüths und Lei-bes, wozu phlegmatische Temperamente geneigt sind, zumal in Verbindung mitreichlicher Kost, die Eorpulenz, d. h. die Productio» der organischen Masse, be-günstigt wird, daß heftige Gemüthsbewegungen, starke Leidenschaften, zumalwenn sie oft erregt werden, die Gesundheit nothwendig stören müssen, und vieleandre hierher gebörige Erscheinungen erklären sich nun leicht aus dein in diesem Ar-tikel entwickelten gegenseitigen Verhältnisse der pflanzlichen und thierischen Natur,welche im thierischen Organismus in stäter und inniger Wechselwirkung begriffensind, und auf deren harmonischem Wechselspiele die Gesundheit beruht. — Manspricht auch in geistigen Dingen von einem Wachsthum, und im Allgemeinen fas-sen wir in diesem Worte das Unsichtbare der Natur, ihre thätigen (lebendigen)Kräfte zusammen. Auch der menschliche Meist ist kein von der Natur verschiedenes,von ihr getrenntes Wesen; man kann ihn sehr schicklich die bewußte Natur nennen,und alle Thätigkeiten desselben sind in der bewußtlosen Natur schon vorgebildet.Daher entspricht jedem Systeme des leiblichen Organismus ein Vermögen derSeele, mithin auch den pflanzlichen (produktiven oder reproduktiven) Systemen eingeistiges Vermögen, durch dessen Thätigkeit der Geist wächst und wachsend sich bil-det. Es ist das sinnliche Wahrnehmungsvermögen und die schaffende (reproduktive)Einbildungskraft, die jenen leiblichen Systemen entsprechen, und das Gedächtnißhält den angeeigneten Stoff in einer bestimmten Form fest, wie die pflanzlichenKräfte des leiblichen Organismus den assimilirten körperlichen Stoff in einer be-stimmten Gestalt. Aufnahme des geistigen Stoffs, den der Unterricht darbietet,Verdauung des aufgenommenen Stoffs und Absonderung zur Bildung der Kennt-nisse sind Vorgänge des pflanzlichen Vermögens im menschlichen Geiste, und wiedie Jugend die Zeit des leiblichen Wachsthums ist, vermöge der vorherrschendenThätigkeit der pflanzlichen Systeme, so ist dasselbe Lebensalter die Zeit des geistigenWachStbums, des Lernens, bei welchem die vegetativen Vermögen des Geistes vor-waltend thäk-g sind. Verstand und Vernunft, als höhere Vermögen des intelligen-ten Geistes, gelangen später, im Jünglings- und Mannesalter, zur völligen Entwi-ckelung, wie die thierischen Systeme des leiblichen Organismus, welche jenen Ver-möge» entsprechen, ebenfalls in den genannten Lebensaltern erst zur vollen Reife ge-langen. Dieser Pa-allelismus (Gleichlauf) kann aber hier nicht näher erörtert wer-den. Es offenbart sich daher in der Entstehung des Sprachgebrauchs in dieser Bezie-luing die bewußtlose (dunkle) Anerkennung der Einheit des Geistes mit der Natur,kraft welcher sich das Geistige mit dem Leiblichen wie von selbst parallelisirt, indemman häufig den jugendlichen GeistmireineredelnPflanzevergleicht, welche bei zweck-mäßiger Nahrung (Unterricht und Erziehung) wächst und gedeiht, später Blüthentreibt, und endlich Früchte trägt (in menschlicherGeistesbildungu. Kunstfertigkeiten).