Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
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Wachsfiguren 8

Wachsfiguren und Wachsbildnereien überhaupt warenschon bei den Griechen und Römern gekannt. Dassich jeder Künstlerpüantaüe so wil-lig schmiegende Wachs ward im griech. Alterthum auf die mannigfaltigste Welse be-nutzt; man bediente sich des Wachses zu Abdrücken bei den Siegeln, der gefärbtenWachsstifte bei der enkaustischen Malerei, lind des WachssirrusseS für Marnior-wände »ndStakr.en; auch gab es eine eigne Classe von Künstlern, die mit denBildhauern und Bildgießern durch die niedlichsten Wachsbildnereien nach größernModellen gleichsam wetteiferten, und bei den Kriechen unter der allgemeinen Be-nennung Puppenbildner bekannt waren; die Römer nannten sie >>P,U:,,ii. Wergedenkt hierbei nicht des wächsernen Amors aus Anakreon'S (Gedichten und der sooft nachgeahmten Gruppe dcr Aniorverkäuferiii. Bei dem Schachspiele bestandendieSteme oft aus zierlichen Wachsbildchen. Bilder schöner Knaben, in Wachsbossirt, versierten häufig die Schlafzimmer der Griechen. Am meisten wurde dieWachsbildnerei zu künstlichen Zweigen, Früchten, Blumen und Kränzen ange-wendet. An dem Adonisfeste gebot eine alte heilige Sitte, dem Adonis in jedemHause ein-'u kleinen Garten von Blumentöpfen und Fruchtkörbchen aufzuputzen,aber bei so früher Jahreszeit war es selbst dort fast unmöglich, diese in der Naturzu finden, und Kränze, Füllhörner, Obstschalen lind Fruchtfchnürc von Wachsersetzten den Mangel. Bei teil Zaubergaukeleien des Alterthums wurde» gleich-falls Wachsfiguren gebraucht, und ArtemidoruS erzählt in f. Traumbuche, daßWachskränze den Träumenden Krankheit und Tod bedeuten. Der berüchtigte He-liogabalus setzte seinen Ttschgenossen tauta'ische Schaugerichte von Wachs vor,welche alle die Leckereien täuschend nachbildeten, die er ülbst verzehrte. So wurdenWachsbilder immer nur zu Täuschungen oder zu niedlichen Kleinigkeiten gebraucht.Hetzt werden si-zu Nachbildungen anatomischer Präparate, oder um pomologischeCabinekle daiauS zu formen, sehr passend angewendet: auch zu plastischen Stu-dien und Übungen, sowie zu kleinen halberhobenen Portraits ist das Wachs sehrgeeignet; letztere lassen sich schön und zart darin ausführen, aber lebensgroßeWachsfiguren, wie man wol auch ganze Sammlungen zeigt, deren Portraitähn-lichkeiten maii rühmt, treten aus dem eigentlichen Gebiete schöner Kunst. Ihresprechende Ähnlichkeit kann unser Staunen erregen, aber erfreuend, wie ein echtesKunstwerk, werden sie nie auf uns wirken. Das Scheinleben, welches sie lügen,läßt uns ihren wahren Tod , ihre Bewegungslosigkeit auf eine schauerliche Weiseempfinden. Das echte Kunstwerk lebt ein unsterbliches Leben, weil es zu unsermSinn und unserer Seele spricht, obne unsere Sinne betrügen zu wollen. DieWachsfigur scheint sich an das Sterbliche in uns zu wenden, unwillig wendet sichda unser Geist von dem seelenlosen Gaukelbild? weg, welches, weil» eS mit derBeweglichkeit und Sprache eines AutomakS vereint wäre, uns bis zum Wahnsinnbringen konnte. Die Grenzlinie ist zart, wie weit sich da-S Kunstwerk der Naturnähern darf; sobald sie überschritten wird, kann es nur Widerwillen und Mißbeha-gen erregen. In Florenz bildet man jetzt alle Theile des menschlichen Körpers ingefärbtem Wachs, zum Behufe des Studiums der Anatomie. Es sind einige unddreißig Zimmer im Schlosse mii diesen Wachspräparaten angefüllt, auch Pflanzensieht man da in Wachs mit täuschender Wahrheit nachgeahmt.- Den ersten Ge-danken, Wachsfiguren dieser Art zu verfertigen, hatte gegen das Ende des 17.Hahrh. der Spitalarzt de Nones zu Genua . Er war eben im Begriff, cinen Leich-nam durch Dalsamirung aufzubewahren; da er aber die Fäulniß nicht ganz verhin-dern konnte, so geriekh er auf den Einfall, den Körper so natürlich als möglich inWachs bossiren zu lassen. Ter Abbake Zumbo, ein Sicilianer, der zwar nichtsvon der Anatomie verstand, aber sehr gut in Wachs bossirte, machte, unter Nones'sAufsicht, zuerst den Kopf des Leichnams in gefärbtem Wachs so täuschend nach,daß Alle, die ihn sahen, ihn für den abgeschnittenen Kopf hielten. Zumbo hatte in-