12 Wackerbarth
Geheimerrath und Bürgermeister war. Dieser mit Hardenberg-NovaliS verwandteGenius mußte ebenso früh als Jener von der Tode scheiden, und hinterließ unsnur wenige, aber vielversprechende Proben seines liebenswürdigen Geistes, welcheauch mehr ohne Einfluß auf andre Geister geblieben sind. Als Knabe schon zeigteW. die herrlichsten Talente, die durch eine sorgfältige Erziehung entwickelt wurden.Früh gewann er einen gleichgesinnten Freund in Ludwig Tieck (s. d.), mit wel-chem er einen Theil der Schuljahre in Berlin und die Univcrsitälsjahre in Halleverlebte. Er hatte sich eigentlich den Rechten gewidmet, und nach vollendeten Stu-dien ward er als Referendar bei dem Kammergerichle in Berlin angestellt. 1197erschienen von ihm die „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders ",zu welchem Tieck die Vorrede, „Sehnsucht nach Italien ", „Brief eines jungendeutschen Malers" und die „Bildnisse der Maler" geliefert hat. Diese literarischeErscheinung ward in Deutschland, besonders aber in Rom von den daselbst leben-den deutschen Künstlern, mit enthusiastischem Beifall aufgenommen und brachte diebereits Wurzel fassende Vorliebe für die ältern Meister und ihre Werke der Ent-wickelung um Vieles näher. Der in dieser Schrift herrschende Geist strebte in sei-nen künstlerischen Ansichten der zergliedernden Kritik entgegen, und drang Mit le-bendiger Beredtsamkeit auf andächtige Begeisterung und religiöse Gefühle. Dabeiempfahl der Vers. mit eindringlicher Warme das Studium der meist vernachlässig-ten Künstlergeschichte und vorzüglich die Lesung des Dasari. Nach der Erscheinungjenes Buchs harten sich beide Freunde vorgenommen, die Geschichte eines Künstlerszu schreiben. So einstanden „Franz Sternbald's Wanderungen", herauSgeg. vonL. Tieck 1198. In einem gewissen Sinne, besonders in Beziehung auf den Planund den 1. Theil dieses Werks, gehört unserm W., nach Tieck'S Zeugnisse, einTheil des Ganzen, obgleich ihn s. Krankheit hinderte, die Stellen wirklich auszu-arbeiten, die er übernommen hatte. Seine Krankheit endete 1198 mit einen, her-ben Tode. Unbestimmte Sehnsucht und die Glut seiner in der Kunst schwelgendenPhantasie harten ihn vor der Zeit verzehrt. Doch müssen wir mit Liebe und Rüh-rung seiner gedenken, wenn wir auch mit Göthe und seinen Kunstfreunden (s.„Kunst und Alterthum in den Rhein - und Maingegendcn", 2. Heft) darüber einigsind, daß jene Lehre auf Manche einen sehr nackttheilizen Einfluß geäußert hat, in-dem sie dabei der Kunstregeln und gründlichen Studien überhoben zu sein glaubten.Den Nachlaß von W. gab Tieck 1199 in den „Phantasien über die Kunst" heraus,in welchen der 1. und 5. Aufsatz, nämlich die Schilderung, wie die alten deutschen Künstler gelebt haben, und die PeterSkirche, von W. herrühren. Die sämmtlichenAufsätze von W. sind vor Kurzem in einer neuen AuSg. der „Herzensergießungen "erschienen. Tieck hat im 2. Hefte s. „Poetischen Journals" W.'s Andenken inrührenden Lwnekten gefeiert. lab.
Wackerbarth (August Joseph Ludwig, Grafv.), geb. d. 1. März 111gzu Kusehendorf in der Niederlausitz , stammt aus einer alten Familie, die ihren Sitzauf den, Familiengute Kogel im Herzogthume Sachsen-Lauenburg hatte. Seineerste Erziehung empfing er im älterlichen Hause; dann besuchte er, 12 I. alt, dieStadtschule in Muskau, die lat Schule zu Kamenz , studiere hierauf 2 Jahre inWutenberg und ebenso sänge in Göttingen , und erwarb sich überall Achtung undFreundschaft. Nachdem er noch ziemlich 1 Jahr in Leipzig zugebracht hatte, be-reiste er England, fuhr nach Amerika, nach Ostindien, und kehrte über London ins. Vaterland zurück, wo er sich abwechselnd in Wien und Dresden aushielt. Vonda machte er wieder mehre Reisen, u. a. nach Italien und in die Türkei . Seit 1801wohnte er größtentheils zu Hamburg und Ratzeburg ; später machte er Reisen nachParis, wo er wegen einer unglaublichen Foderunz an Sachsen-Lauenburg undHa-nover, die er schon vergeblich beim Reichskammergerichte zu Wetzlar angebracht,mit dem Kaiser Napoleon seltsame Austritte hatte, da dieser ihn immer mit