Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Waisenhäuser 83

fallen dann weg. Aber nach großer ist der Vortheil, der für die Waisen selbst ausihrer Verthcilung an Pflegealtern entstehen muß. Zwar können in einer allgemei-nen Waisenanstalt die Kinder vielleicht mehr Kenntnisse für den Verstand sammeln,aber ibre Gesundheit und selbst ihre Sittlichkeit— für welche letztere in den Wai-senhäusern , ungeachtet der bisweilen zu häufigen RckigionSübungen, nicht immerzweckmäßig gesorgt wird und bei einer zu großen Anzahl gesorgt werden kann —werden unstreitig besser gedeihen. Anstatt der in den Waisenhäusern gewöhnlicheneinförmigen Beschäftigungen werden dieKinder in Privathäusern mehr mit den Ge-schäften des bürgerlichen Lebens bekannt. Nur müssen die Pflegeältern der Waisengehörig ausgewählt, und stets unter einer genauen Aufsicht, die nicht so schwierig ist,als es scheinen möchte, gehalten werden. Die Pfleglinge müssen den Vorstehern derAnstalt von Zeit zu Zeit vorgestellt, und über ihre Aufführung müssen genaue Re-gister geführt werden. Einige Waisenanstalken werden besonders deßwegen ge-rühmt, daß sie die von ihnen entlassenen Waisen auch später noch unterstützen. Sounterstützt z. B. das Waisenhaus zu Frankfurt a, M. Knaben, wenn sie studirenoder als Handwerker reisen wollen, Mädchen, bis sie bei fortdauernder guter Auf-führung das20.Z. erreicht haben und Gelegenheit finden, sich zu verhcirathen. Allediese und andre löbliche Einrichtungen können auch bei der Vertheilung der Waisenaußer den Häusern fortbestehen. DieMehrheitderStimmen hatsich in den neuernZeilen für die parkielleErziehung derWaisenkinder erklärt, und man hat an mehrenOrten die Waisenhäuser abgeschafft und dagegen die Waisenvertheilung eingeführt.Der Erfolg davon ist eine bedeutende Ersparniß der Ausgaben und eine sehr vermin-derte Wterblichkeit unter den Kindern gewesen. Nun können zwar einsichtsvolle undmenschenfreundliche Vorsteher von Waisenhäusern vielen Gebrechen derselben ab-helfen und das Wohl der ihnen anvertrauten Jugend wesentlich befördern; aber esbleibt immer mißlich, das Wohl oder Wehe einer zahlreichen Zeigend von den Ein-richtungen und dem guten Willen eines einzelnen, vielleicht mit andern Geschäftenbelasteten Mannes abhängen zu lassen. Sollen Waisenhäuser noch ferner beibehal-ten werden, so ist für die physische Pflege der Zöglinge inehr Sorge zu tragen, alsbisher gewöhnlich geschehen, vorzüglich aber darauf zu sehen, daß die Zahl der Kin-der nicht zu hoch anwachse. Unter einer großen Menge vonKindern ist dieGefahrder physischen und moralischen Ansteckung, auch bei dem besten Willen, nicht immerzu vermeiden. Ein großer Fehler, der sich bei vielen Waisenhäusern findet, ist der,daß man Waisen, preßhafte Arme undZüchtlinge in einerund derselben Anstalt ver-einigt, wie dies unter andern bis 18k 1 in dem 1730 errichteten Armen- und Wai-senhause zuTorgau derFallwar. S.Rulf: „Wie sind Waisenhäuser anzulegen?"(Gött. 1783); Riecke: „Soll man Waisenhäuser beibehalten ?" (Stuttg. 180k);Pflaum: „Über Einrichtung der Waisenhäuser" (Stuttg. 1815). Die Schrift:„Die Waisen imGroßherzogth. Sachsen-Weimar ", von Günther (Weim. 1825)enthält die Geschichte der Versorgungsanstalt der Waisen durch Privaterznhung inFamilien, nebst ihrem Erfolge binnen 40 Zähren. Zn Hamburg besteht ein wohl-eingerichtetesWaisenhauS unter derunmittelbaren Theilnahme der Bürger, welckiesich besonders bei dem Kinderfeste, genannt das Waisengrün, zu äußern pflegt. S.Meno^GüntherKiehn: „Das hamburgerWaisenhaus"(Hamb. 1821, Th. 1,).

Ähnliche Anstalten sind die fast überall weit früher als die Waisenhäuser ent-standenen Findelhäuser, in welchen ausgesetzte und gefundene neugeboreneKinder erzogen werden. Gewöhnlich sind sie aus unsittlichem Beischlafentstanden.So sehr es nun die Pflicht des Staats ist, bülflosen menschlichen Geschöpfen Bei-stand zugewähren, so darfman doch bezweifeln, ob er seine Anstalt dazu so einrich-ten solle, daß darin das Laller und der Leichtsinn gegen alle unangenehme Folgenund Besorgnisse, die aus ihnen entstehen, gedeckt werde ? Es scheint vielmehr einergesunden Politik gänzlich zuwider, dem Laster Unterstützung zu gewähren; dieEviiversalions-kvicon, Bd. XII. 3