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Waisenhäuser
dert Jahren, der Indigo in Westindien und Südamerika stärker gebaut uud häu-figer in Europa eingeführt worden ist. Der Indigo wird vorgezogen, weil er al-lerdings eine schönere Förde gibt; die Färbung mit Waid ist dagegen dauerhafter,und die Färber können denselben nicht ganz entbehren.
Waisenhäuser, eine der wohlthätigsten Anstalten für die Menschheit,um verlassene und hülslose Geschöpfe dem Verderben zu entreißen und sie zu nütz-lichen Mitgliedern der Gesellschaft zu bilden. Der Staat hat die größte Verpflich-tung, für die Erziehung der Waisen zu sorgen, weil sie seines Schutzes und seinerFürsorge mehr bedürfen als die Kinder der noch lebenden Bürger. Außer dem Mit-leiden , das ihr hülstoser Zustand in Anspruch nimmt, erfodert es selbst der Vor-theil des StaatS, sich ihre Erziehung angelegen sein zu lassen, um nützliche Bür-ger und gute Hausmütter aus ihnen zu bilden. Die Geschichte der Entstehung derWaisenhäuser ist dunkel. Bei einigen alten Völkern waren öffentliche Erziehungs-anstalten errichtet, in welche wahrscheinlich auch Waisen aufgenommen wurden.Was man bei den Römern unter pueris und z,uelli>i .>lii>w»ti>,ii, verstand, kannnicht wohl mit unsern Waisenhäusern verglichen werden. Trojan, der zum Bestender Waisen sehr viel that, die beiden Antonine und Alexander SeveruS machtenStiftungen für sie. Doch waren es unstteitig keine eigentliche Waifenerzie-hungsanstalten. Erst nachdem die christliche Religion sich mehr verbreitet hatte,werden auch Anstalten für Waisen öfter erwähnt, ihre eigentliche Verfassung ist je-doch nicht bekannt. In der Folge gaben die durch Handel und Gewerbe reich undblühend gewordenen Städte, wie in vielen andern nützlichen Einrichtungen, soauch hierin ein löbliches und nachahmungswürdiges Beispiel. Dies gilt vorzüg-lich von den großen Handelsstädten in den Niederlanden. In Deutschland findensich in den Reichsstädten die ersten Anstalten dieser Art, doch reicht ihr Ursprungnicht über das 16. Jahrh, hinaus. Man halte bis dahin die^anz verlassenen vatcr-und mutterlosen Geschöpfe bei einzelnen Bürgern in die Kost gegeben, fand abermit der Zeit diese Einrichtung nachteilig und zweckwidrig, und so wurden dennWaisenhäuser errichtet, wo die Kinder unter einer gemeinschaftlichen Aufsicht erzo-gen werden konnten. Zu Augsburg wurde 1572 ein Waisenhaus errichtet. Einsder berühmtesten in Deutschland ist das von A. H. Franke (s. d.) zu Halle 1698errichtete. In den neuesten Zeiten hat man für die vaterlosen Kinder gewisser Clas-sen von Staatsbürgern besondere Erziehungsanstalten errichtet (militairische Er-ziehungshäuser in einigen Staaten; Erziehungshäuser für die Töchter von Mit-gliedern der Ehrenlegion in Frankreich ), die zum Theij einen bestimmten Zweck derErziehung haben. — Was man früher nachtheilig gefunden hatte, die Waisen beiPrivatleuten in Kost und Erziehung zu geben, hat man in spätern Zeiten als Vor-theilhaft für den Staat sowol als für die Kinder selbst angesehen, und es erhobensich eine Menge Stimmen wider die fehlerhafte Einrichtung der Waisenhäuser: einVorwurf, von dem freilich wenige dieser Anstalten frei geblieben sind. Die Ham-burgische Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe gab da-her 1779 als Preisaufgabe eine auf Erfahrung gegründete Vergleichung, welchevon diesen beiden Arten von Erziehung der Waisenkinder am Vortheilhaftesten sei,auf. Die Gesellschaft erkannte den beiden Abhandlungen von Stark und Hamm :„Über die Erziehung der Waisenkinder in gewöbnlichen Waisenhäusern oder durcheinzelne Beköstigung" (Haniburg 1780) den Preis zu. später erschien die Schriftvon Goldbeck: „Über die Erziehung der Waisenkinder" (Hamburg 1781). Durchsehr ins Einzelne gehende Berechnungen ist dargethan worden, daß es für den Staatoder die Anstalten selbst weit vortheilhafter sei, die Kinder in auswärtige Verpfle-gungen zu geben. Die bedeutenden Kosten für Unterhaltung der oft großen undweitläufigen Gebäude, der Aufseher oder Lehrer, die Zuschüsse, die bisweilennothwendig werden, wenn die Einnahme zur Deckung der Ausgabe nicht hinreicht,