Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Walpole (Horatio)

Erbfolge in England. Als Georg!. (1711) den britischen Thron bestieg, ge-wannen die Whigs wieder die Oberhand bei Hofe; W. wurde zui» Zahlmeisterder Truppen ernannt und erlangte großes Ansehen. 1716 bewirkte sein Bor-schlag, daß das seit Wilhelm III. 3jährig erneuerte Unterhaus in ein 'jährigesverwandelt wurde. 1721 zum Kanzler der Schatzkammer (so viel als ersterMmi-ster) ernannt, behauptete er sich, ungeachtet der heftigen Angriffe seiner (Gegner,20 Jahre hindurch in diesem Posten. Es ist bekannt, welche» großen AmheilEngland damals an allen wichtigen Welthänkeln nahm. König Georg und seineMinister scheuten jedoch den Krieg, und suchten ihm durch Unterbandlungen undmächtige Verbindungen auszuweichen. Allein die Mittel, die sie in dieser Hinsichtanwendeten (starke HülfSgelder an auswärtige Mächte und öftere Ausrüstungengroßer Flotten), waren ll> fache, daß die Nationalschuld, die bei Georgs I. Regie-rungsantritt 53 Mill. Pf. Sterl. betrug, während seiner friedlichen Regierungnicht vermindert wurde. W. wendete aber auch einen Theil des Schatzes zu Be-stechungen an, um sich im Parlamente Anhänger zu verschaffen, die seine Grund-sätze unterstützten. Er erklärte sich über diesen Punkt ziemlich offen in einer be-rühmten Rede, die er bei dem Ausbruche des Kriegs mit Spanien (1710) imUnterbaust Kielt. Überhaupt galten ihm die Mittel gleich, wenn er nur seinenZweck dadurch erreichen konnte. Bei kein allen war W. ein großer Minister;das Wohl seines Vaterlandes lag ihm am Herzen, besonders suchte er den Handeldesselben emporzubringen, und seine Bemühungen blieben nicht ohne Erfolg. Auseben diesem Grunde sichte er auch jeden Krieg zu vermeiden. AIS aber Spanien 1739 den zu Pardo geschlossenen Beitrag medt ei stillte, sah er sich wider seineNeigung genöthigt, der Stimme der Nation nachzugeben und jener Macht denKrieg zu erklären. Man klagte in England vielleicht nicht ohne Grund über seinZögern dabei. Als er aber einmal den Entschluß zum Kriege gefaßt hatte, ergriffer kräftige Maßregeln und bewies sich bei der Wahl der Befehlshaber ganz un-parteiisch. Indessen machte die Nachgiebigkeit, die er gegen die öffentliche Mei-nung gezeigt hakte, seine Gegner, die wenigstens einen halben Sieg über ihn er-halten zu haben glaubten, desto wüthiger; sie trugen im Parlament auf die Ent-fernung des Ministers an, die jedoch nicht erfolgte.' Als aber W. beim wetternFortzange des KrieqS fühlte, daß er auf eine Stimmenmehrheit im Unterhausenicht mehr sicher rechnen konnte, legte er 1712 seine Stelle nieder. Er wurde vomKönige zum Pair von Großbritannien, unter d. N. eines Grafen von Oxford ,erhoben, und erhielt eine jährliche Pension von 4000 Pf. St. Seine Nachfolgerim Ministerio befolgten dieselben Maßregeln, die sie vorher bestritten hatten, aberes fehlte ihnen W.'S Geist. Eme Untersuchung, welche die Gegner des ent-lassenen Ministers über seine Venvalkunq, besonders über die von ihm in den letz-tem 10 Jahren für den geheimen Dienst ausgegebenen 8 Mill. Pf. St. verlang-ten, blieb ohne Erfolg, und W.'S Andenken ist in England noch immer in Ehren.S. ,H>enx>>,5 ukUm lilb uixl .-usniiiGrutn'u r>> N, >!ob. " (aus Origi-

nalpapieren und ungetr. authent. Quellen) von Will. Coxe (Lond. 1798, 3 Bde.).W.'S L>chüler und Nachfolger war Henry Pelham (1745 bis 1754), dessen Der-waltungSgeschichte derselbe Coxe a. d. Quellen beschrieb. Diese ä1e,,,oii-i erschie-nen nach des Vfs. Tode in 2 Bdn. (Lond. 1829, 4.).

WaIpole (Horatio, Lord ), des Vorigen jüngster Sohn, ein witzigerSchriftsteller und Beförderer der englischen Literatur, geb. 1718, gest. 1797.Seine Mutier leitete seine Jugendbildung und brachte ihm eine Abneigunggegen das Hofleben bei. Er studirte auf der Schule zu Eton, wo er mit demDichter Gray ein Freundschaftsbündniß schloß und mit ihm 1739 einen Theilvon Italien durchreiste. Bon 1741 an 4 Mal nach einander ins Unterhaus ge-wählt, zeigte er bei allen Verhandlungen einen festen, unbestechlichen Charakter.