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Zwölfter Band. W bis Z.
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Westfälischer Friede

zu Hamburg Präliminarien festgesetzt, welche besonders den Ort und die Art derConferenzen betrafen. Die wirklichen Friedensverhandlungen fingen aber erst 1644an, und wurden zu Osnabrück zwischen den kaiserl., relchsständischen und schwedi-schen Gesandten, zu Münster zwischen dem Kaiser, Frankreich und andern fremdenMächten, jedoch immer in gewisser Verbindung untereinander, und so, daß die anbeiden Orten angenommenen Artikel für Einen Tractat gehalten werden, und keinTheil ohne den andern Frieden schließen sollte, betrieben. ^Frankreichs Bevollmäch-tigte in Münster waren der Duc de Longueville, d'Avaux und Servien. Mazarin und Lyonne gaben ihnen ihre Verhaltungsregeln. Schwedischer Seikg unterhandel-ten Oxenstierna (der Sohn des Kanzlers) und Salvius, welche auch den Tractat inOsnabrück unterzeichneten. Die kaiserl. Bevollmächtigten waren der Graf Ioh.Ludw. v. Nassau, der Grafv.Lamberg und die Rechtsgelehrten Volmar und Crane;doch in den letzten 18 Monaten war die -Seele des ganzen Werkes der Graf Maxi-milian v. Trautmannsdorf. Unter den spanischen Bevollmächtigten wurden Saa-vedra und Brun für die geschicktesten gehalten. Die Generalstaaten schickten 8 Be-vollmächtigte; die Eidgenossenschaft den wackern Bürgermeister von Basel , Ioh.Rud. Wetstein. Unter den Protestant. Gesandten zeichneten sich der braunschweigi-sche, Jak. LampadiuS, und der würtembergische, Ioh. Konr. Barnbühler, aus.Venedigs Gesandter, Contareno, und der päpstl., Fabio Chigi (nachher PapstAlexander VII. ), traten als Vermittler auf. Adam Adanii, der Gesandte desFürst-bischofs von Korvey, war derGeschichkschrciber des Congresses. Rang- und Titel-streitigkeiten hielten die Eröffnung des Doppelcongresses lange hin. Die fürstlichenGesandten wollten gleich den kurfürstlichen de» -Titel Excellenz haben; daher derkurbrandenburgische Gesandte einst vor Ungeduld ausrief: „Wir könnten wol etwasGutes mit einander ausrichten, wenn nur die gottlose Excellenz nicht wäre!" Wäh-rend der Verhandlungen wurde der Krieg fortgesetzt. Der schwedische General Tor-stenson drang 1645 in die kaiserl. Erbländer ein und erfocht am 24. Febr . einenwichtigen Sieg bei Iankowih. Der letzte kriegerische Auftritt fand da statt, wo derKrieg angefangen hatte: bei Prag . Königsmark eroberte (15. Juli 1648) die so-gen. kleine Seite dieser Stadt. Dies gab den langen schmierten Unterhandlungenden AuSschlag, und der Friede ward den 24. Oct. 1648 zu Münster , wohin kurzvorher auch dieBevollmächiigten von Osnabrück , welche früher zum Schlußqekom-men waren, sich begeben hatten, völlig abgeschlossen. Durch ihn wurde die Skaaks-und Religionsverfassung Deutschlands auf einen festen Fuß gesetzt; die Landesho-heit der Reichsstände ward anerkannt. Sie erhielten das Recht der Bündnisse un-ter sich und mit fremden Mächten, nur nicht gegen Kaiser und Reich; auch solltenohne ihre Einwilligung die bisher vom Kaiser so häufig verhängten AchtSerllärungennicht mehr stattfinden. Das Kurhaus Pfalz erhielt die Pfalz am Rhein zurück, unddie 8. Kurwürde wurde für dasselbe errichtet, welche jedoch, im Fall die bairische Linieausstürbe (was 1717 geschah), wieder erlöschen sollte, indem Pfalz alsdann in diebair. Kurwürde zurücktrat. Die seil dem Religionsfrieden (1555) zum Vortheil derProtestanten gemachten Veränderungen erhielten nun festen Bestand, mit der Be-stimmung, daß Alles so verbleiben sollte, wie es mit dem Anfange des (sogen. Nor-mal-) Jahres 1624 gewesen war. Der 1. Jan. d. I. war der Normaltag für denBesitzstand der säcularisirten Güter; das ganze Jahr galt für den Besitzstand der Re-ligionsübung und der an Mittelbare zurückzugebenden mittelbaren geistlichen Güter.Nur fürÖstreich galt diese Bestimmung nicht; für diePfalz, Baden undWürkem-berg galt 1618 als Normaljahr. Den Reformiricn wurden gleiche Rechte mit denaugsburg . Confesssonsverwandten bewilligt. De» Landesherren wen de zum Gesetz

*> Die Trennung geschah, theils um Rangstreitigkeite» zwischen Frankreich und Schwe-den zu vermeiden, theils aber auch, weil die Schweden nichts mit dem päpstl. Nuntius,der den Frieden vermitteln helft» sollte, zu thun haben wollten.