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Zwölfter Band. W bis Z.
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236 LLcstfälischer Friede

gemacht, dieTonfessionen, die nicht die ihrigen wären, wenigstens nicht zu verfolgenoder zu bedrücken. Als nun endlich alle Schwierigkeiten, welche dem Duldungssy-stem entgegengestellt worden, überwunden waren, umarmten sich die Gesandten derReichsstände und vergossen Freudenrhränen. Mehre geistliche Stifter wurden säcu-larisirt und einzelnen -Ständen als Entschädigung überlassen. Der Kaiser willigte indiese Maßregel, um keins von seinen Erbländern verlieren zu dürfen. An Frankreich wurde Elsaß abgetreten, Schweden erhielt Vorpommern, Bremen , Derden, Wis-niar und die Wumme von 5 Mill. Thlrn. für seine Truppen. Brandenburg erhieltdie facularisirken BiSkhümer Halberstadt, Minden , Kamin, und die Anwartschaftauf Magdeburg. Mecklenburg erhielt die säcularisirten BiSthümer Schwerin undRatzeburg; Hanover, abwechselnd mit einem kakh. Bischof, das Bisthum Osna-brück und einige Klöster; Hessen-Kassel die 'Abtei Hirschfeld und 600,000 Thlr.Die vereinigten Niederländer wurden von Spanien als eine freie Nation, »nd dieSchweizer als unabhängig vom deutschen Reiche anerkannt. Frankreich u. Schwe-den erklärten sich für Gewährleister dieses Friedens. Die feierliche VerwahrungPapst Innoc.nz's X. gegen diesen Frieden, besonders in Rücksicht auf den Verlustdes päpstlichen Stuhls durch die Säcularisakion der Stifter, machte kein Hinder-niß; aber die gänzliche Ausführung aller Bedingungen desFriedenS fand mancher-lei ^Schwierigkeiten. Der Krieg dauerte sogar »och fort zwischen Frankreich , ver-bunden mir Savoyen, und Spanien, verbunden mit Lothringen ; ebenso zwischenSpanien und Portugal . (S. v. Woltmann'S „Geschichte des westfälischen Frie-dens", 2 Thle., Leipz. 1808.) — Die Zeit und das spätere Schicksal Deutschlands haben übrigens gezeigt, daß, so viel auch diplomatische Talente und zum Theil selbstguter Wille bei diesem Friedenswerke thätig waren, dennoch für dieNationalemhetldes deutschen Reiches, und damit für die Kraft und die Würde desselben, i» Münster und -Osnabrück das Todesurtheil unterzeichnet worden war. Indeß war diesgroßtentheils eine Folge der Territorialpolitik, welche Deu'schlands Fürsten schonlängst unter sich verzwistet und dem Einflüsse des Auslandes dahingegeben hatte.Wäre Ferdinand II. nichtunduldsam, sonder» in demselben Grade ÜaatSklng ge-wesen, so stand es nach dem Frieden zu Lübeck (1629, mit Dänemark ) ganz in sei-ner Gewalt, das deutsche Reich zu seiner alten Würde wieder zu erheben- Durchdas von Jesuiten betriebene Restüutionsediet aber entriß er sich selbst die Frucht duSiege Tilly's und Wall.nstein's. Nun sorgte jeder deutsche Fürst nur für steh undsein Haus. Also verlor das Reich durch den westfälischen Frieden nicht bloß von seinein Umfinge eine Ländermasse von 1900 UM. mit 1s Mill. Menschen, sondernauch seine westliche Mstitairgrenze; überdies blieben Lothringen nach Elsaß hin, undder burgundische Kreis im W. und N. schutzlos. Wenn außerdem dieser Verlustschon an sich den deutschen Handel mit Italien und den mit der Nordsee, zumal beider-Sperrung der Scheide, sehr erschwerte, so mußte im innern Nationalverkehrdes Reiches die Befestigung der dreihunderkfach landesherrlichen Vielherrschaft unddie Verwickelung so vielseitiger Grenz- und Hoheitsrechte noch weit mehr den Gangder Verwaltung erschweren, sie mit Formen überladen und die DolkSstämme feind-selig ausemanderrcißen. Dagegen wurde Deutschland, seit die Fürsten das vonFrankreich bei der Friedcnsverhandlung durchgesetzte Recht der Bündnisse geltendmachten, Baiern, Brandenburg und andre deutsche Regentenhäuser aber eine Stel-lung in dem europäischen politischen System annahmen, und fremde Mächte, wie-Schweden , in das innere Reichsrcgiment mit eintraten, nunmehr der Gegenstandund der Schauplatz fast aller europäischen StaatShändel. Mit dem westfälischenFrieden entstand ganz eigentlich die neuere Cabineksregierung der deutschen Höfe unddie damit verbundene auswärtige Diplomatik. Nun bildete sich ein Hof- und einKriegsstaat nach dem andern aus, und die in ihrer Gewerb- und Handelsfreiheitdurch Zölle und Beschränkungen aller Art vielfach eingeschnürte deutsche Nation