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Zwölfter Band. W bis Z.
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Widdin und Paürvan Oglu

richten. Diese Sätze greifen die päpstl. Anmaßung unstreitig an ihrer Wurzel anund verrathen einen kräftigen Geist und die gesundeste Beurtheilung. Es lsi indeßklar, daß W. selbst nicht alle Folgerungen erkannte, die man jetzt daraus ableitenmuß , denn er entzog sich nie der kirchl. Gemeinschaft. Er erfüllte regelmäßig diePflichten s. Pfarramtes und wurde, während er in s. Kirche die Messe hörte, vonder Krankheit befallen, die 1384 sein Leben endigte. Seine Lehren wurden wettverbreitet und willig angenommen. Sein reiner, unbescholtener Lebenswandelempfahl ihn vielen Menschen, während mehre angesehene Mäninr des Reichs,durch die Hoffnung erfreut, der Kirche einen Theil des vül genußbrauchten Reich;thumS zu entreißen, ihn offen begünstigten, und ihn so kräftig gegen den Unwillendes Papstes und der Geistlichkeit beschützten, daß er, trotz wüderholtcr Versuche, ihnzu quälen und zu verfolgen, s. Augen in Frieden schloß. Einer Kirchenversammlungwar es vorbehalte», eine kleinliche Rachgicr zu befriedigen, indem sie s. Gebeine1425 aus dem Grabe nehmen und verbrennen ließ. Abei selbst diese Ausübung geist-licher Obergewalt, die Papst Alartin 1 .und die versammelten Bischöfe zu Konstanz sich erlaubten, hatte nicht die erwartete Wirkung. Die ungünstige Meinung gegendie Kirche befestigte sich dadurch nur noch mehr unter W.'S Anhängern, und diefreisinnigen Grundsätze, die sie von ihrem Lehrer erhalte» hatten, wurden ihnendesto theurer und um so treuer aufbewahrt. Von dieser Zeit an wurden sie in Eng-land nie ausgerottet; sie wurden, trotz der grausamen Gesetze, welche die Anhängerderselben zum Scheiterhaufen verunheilkcn, in mehren einzelnen Familien eihal-ten, und bereiteten Diejenigen, deren Erbe sie wurden, aus die große Veränderungvor, welche in glücklichern Zeiten bewirkt wurde. Die Früchte von W.'c Forschun-gen waren nicht auf England eingeschränkt. Unter den zahlreichen S kudenten zuOxford , die ihn kannten und ehrten, befanden sich Einige, die seine Lehren nachDeutschland brachten und mit einem Eifer verbreiteten, den die Kirche vergebenszu unterdrücken suchte. Zn Böhmen weckten sie den Reformator Huß, der sie zwarnicht sämmtlich billigte, und selbst der Lehre von der TranSsubstantiation treu blieb,aber doch diejenigen annahm, die gegen die Geistlichkeit am feindseligsten waren.S. R. Vaughan's „I.ile »Nil npiuioin; ot' .lolin cla iclrtlS saus s. noch unge-drückten Papieren) mit e. Übersicht des Papalsystems und der evangel.-Protestant.Kirche in Europa am Anfange des 14. Zahrh. (Lond. 1828).

Widdin, eine feste Stadt und Hauptort eines Sandfthaks in Rumelien ,an derDonau, mit 25,000 E., Sitz einesSandschakbeiS undeineS griech. Bischofs.Sie wurde in neuern Zeiten durch die glücklichen Unternchmungen PaswanOglu'S bekannt. Der Sultan Selim III. (f. d.) hatte, nach Beendigung desKrieges gegen Östreich und Rußland , dem zerrütteten Zustande des Reichs durcheine neue Ordnung der Staatsverwaltung abzuhelfen und die verderbliche Über-macht der Iarütscharen durch eine neue Einrichtn» ^ des Kriegswesens (Nizam-Dschökid) Zu brechen gesucht. Man wollte jene furchtbare und verwilderte Schardurch die neugeworbenen, an europäische Kriegszucht lind Taktik gewöhnten Kriegerentbehrlich machen und sie nach und nach auflösen. Während man die gefährlichsten, Abtheilungen derselben, die in Konstantinopel lagen, noch verschonte, sing man da-mit an, die an den Grenzen als Besatzung liegenden Ianitscharen (diePamag auf-zuheben. Die Befehle der Regierung, diese Krieger nicht weiter zu besolden, fandenWiderstand, der zwar überall ohnmächtig blieb, aber in Widdin in enien furchtba-ren Aufstand ausbrach. Hier stellte sich der kühne und schlaue Paswan Oglu (d. h.Paswan'S Sohn) an die Spitze der Zanirscharen. Sein Vater hatte im letzt,«Kriege (1788 — 91) ein Heer von Freiwilligen tapfer geführt, war aber vom Groß-vesier, der auf dessen Ansehen und Reichthum eifersüchtig war, hingerichtet wor-den, und der Sohn selbst hatte eine Zeit lang gefangen gesessen. Erbittert gegen diePforte, ergriff P. O. begierig die Gelegenheit, sich zu rächen; er sanimelte dieHa-